Bisher Außenstehender will Wende in der Kreisverwaltung bringen

ADZ-Gespräch mit Gabriel Tischer, Kandidat des Hermannstädter Forums für das Amt des Kreisratsvorsitzenden

Der Heltauer Gabriel Tischer ist der diesjährige Kandidat des Demokratischen Forums der Deutschen im Kreis Hermannstadt/Sibiu für das Amt des Hermannstädter Kreisratsvorsitzenden. Er absolvierte in Hermannstadt das Gheorghe-Lazăr-Lyzeum und dann die lokale Lucian-Blaga-Universität, besetzte jahrelang Management-Ämter im Geschäftsbereich und ist zurzeit Verwaltungsratsvorsitzender des Hermannstädter Internationalen Flughafens. Über seinen Einstieg in die politische Laufbahn, seine Vorhaben an der Leitung des Kreisrates und nicht nur sprach Gabriel Tischer mit dem ADZ-Redakteur Vlad Popa.

Sie waren bisher weder Mitglied im Hermannstädter Stadtrat noch im Kreisrat. Wie kamen Sie und das DFDR zu der Entscheidung, dass Sie als Kandidat für den Posten des Kreisratsvorsitzenden kandidieren sollen?
Ich war in den vergangenen 20 Jahren in der Leitung privater Unternehmen mit hohem Engagement tätig und seit drei Jahren bin ich auch Verwaltungsratsvorsitzender des Hermannstädter Internationalen Flughafens. Nun kam es, dass ich mich Ende letzten Jahres entschieden habe, ein wichtiges berufliches Projekt in meiner Karriere zu beenden. Zum gleichen Zeitpunkt, aber davon unabhängig, trat die Leitung des Deutschen Forums mit dem Vorschlag an mich heran, mich in die Hermannstädter Verwaltung verantwortlich einzubringen. Ich bin in einer Lebensetappe, in der ich mich bereit fühle, mich einer solchen Herausforderung zu stellen, weil ich über die Ressourcen, die Erfahrung und die Zeit verfüge, die für ein so komplexes Projekt erforderlich sind.

Wie kann die Tätigkeit des Kreisrates konkret verbessert werden, sprich welches sind die aktuellen Schwachpunkte der Kreisverwaltung?
Als Außenstehender ist es nicht leicht, eine Diagnose zu stellen oder objektive Urteile zu fällen. Nach vielen Gesprächen mit Verantwortlichen der verschiedenen Ebenen der internen Strukturen oder der untergeordneten Institutionen des Kreisrates und mit den Einwohnern unseres Landkreises konturieren sich zwei Ausgangspunkte, die meinen neuen Ansatz für den Landkreis kennzeichnen: Verbesserung und Intensivierung der Kommunikation und der behördlichen Transparenz.
Ich bringe einen neuen Führungsstil mit für alle Arbeitsbeziehungen und auf allen Ebenen, der sich aus diesem Verständnis der Bedeutung der Kommunikation entwickelt hat und dadurch, im Gespräch und durch gemeinsame Zieldefinition, immer zur besten Lösung führen kann.

Welche sind Ihre besonderen Anliegen für das bevorstehende Mandat, sollte es in Ihre Hände gelegt werden?
Als Kreisratsvorsitzender werde ich meine Arbeit mit der Absicht beginnen, das Vertrauen der Bürger unseres Kreises in die Verwaltung wiederzugewinnen, zu erneuern und zu stärken. Auf diese Weise könnten wir den echten Dialog und die Zusammenarbeit wiederherstellen, wie es in einer echten Demokratie der Fall sein sollte, in der die Macht in den Händen derer liegt, die arbeiten und durch ihre Leistung den gesamten Verwaltungsapparat aufrecht erhalten. Die Wirkung, den diese Änderung der Einstellung haben wird, wird sicherlich eine Änderung der Mentalität sein. Jeder Bürger wird verstehen, dass es in seiner Macht steht, Dinge zu ändern, angefangen mit sich selbst, mit seiner Familie und mit dem Umfeld, in dem er lebt. Die Gesellschaft basiert auf Gerechtigkeit, auf Achtung der Rechte, aber auch auf Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft. Ich bin sicher, dass dieser Beitrag des bürgerlichen Bewusstseins nicht nur für die soziale Entwicklung des Landkreises, sondern auch des ganzen Landes entscheidend ist.

Zu den vergangenen Lokalwahlen war das DFDH noch mit der Idee eines Metropolgebiets angetreten, zur Umsetzung des Projekts ist es allerdings nicht gekommen. Während die Metropolregion im aktuellen Programm des DFDH auch nicht mehr auftaucht, propagieren es sowohl die PNL als auch die USR. Welche anderen Möglichkeiten sehen Sie, den Infrastruktur-Problemen am südöstlichen Hermannstädter Stadtrand zu begegnen? Und sollte nicht der Kreisrat eine Vermittlerrolle zwischen Hermannstadt, Schellenberg und Heltau einnehmen, um die Einrichtung einer Metropolregion zu unterstützen?
Gegenwärtig ist die Gesetzgebung bezüglich der Metropolregion unvollständig, und die willkürliche Schaffung einer Metropolregion bringt den Einwohnern keinen direkten Nutzen, sondern beeinträchtigt die Effizienz und Geschwindigkeit der Umsetzung konkreter Entwicklungsprojekte. Direkte Partnerschaften oder Kooperationen mit benachbarten Orten im stadtnahen Gebiet sind für die Verwirklichung gemeinsamer Entwicklungsprojekte viel effektiver.
Vermittlerrolle sollte der Kreisrat aber nicht nur in diesem Bereich übernehmen, wobei Rücksicht genommen werden muss auf die Interessen jeder einzelnen Ortschaft – das Forum hat in der Verwaltung immer eine Politik der Fairness und des Gleichgewichts betrieben.

Welche sind die ersten und wirksamsten Maßnahmen für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Kreises, die Sie umzusetzen gedenken? Was genau ist in den Bereichen der Landwirtschaft und der Entwicklung im ländlichen Bereich angedacht?
Zusammen mit dem DFDR-Team haben wir für die nächsten vier Jahre ein komplexes Programm für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Kreises, mit klaren Zielen für alle wichtigen Bereiche, die in der Zuständigkeit des Kreisrates liegen: Industrie und Dienstleistungen, Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Tourismus, Gesundheit, Bildung, Sozialhilfe, Kultur und Kulturerbe, Infrastruktur, Familie - Freizeit - Sport, Umwelt.
Für eine nachhaltige landwirtschaftliche und ländliche Entwicklung, ist die Gründung einer gesonderten Abteilung nötig. Diese hat, unter anderen, folgende Aufgaben:

  • Beratung für die Aufnahme von europäischen Fördermitteln für die Errichtung, Modernisierung und Ausstattung von landwirtschaftlichen Betrieben und Verarbeitungseinheiten;
  • Unterstützung lokaler Lebensmittelhersteller bei der Zertifizierung ihrer Produkte nach europäischen Qualitätsstandards;
  • Verbesserung der Verkaufsbedingungen auf Bauern- und Lebensmittelmärkten, Unterstützung der Vermarktungsmaßnahmen für lokale Agrar- und Lebensmittelprodukte;
  • Organisation von Profilveranstaltungen zur Förderung lokaler Produkte sowohl für den Endverbraucher als auch in der Gastwirtschaft;
  • Ausarbeitung einer Entwicklungsstrategie für unsere Dörfer, um das ländliche und besonders das bergige Gebiet des Landkreises Hermannstadt wieder zu bevölkern;
  • Förderung eines Programms zur Entwicklung von ökologischen Klein- und Familienbetrieben im ländlichen Gebiet.

Das DFDR strebt eine Mehrheit im Stadtrat und dem Kreisrat von Hermannstadt an. Was würde das für die Zusammenarbeit zwischen dem Kreisrat und dem Bürgermeisteramt in den kommenden vier Jahren bedeuten, wenn man bedenkt, dass im Kreisrat (wie auch in der Vergangenheit) anhand einer Allianz eine Mehrheit zugunsten des Forums erreicht werden könnte?
Bei einer gemeinsamen Plattform mit sich ergänzenden Projekten käme eine solche Situation in erster Linie den Bürgern von Hermannstadt und den umliegenden Ortschaften zugute, aber auch den geografisch entfernteren Nutznießern dieser Projekte.
Eine Mehrheit im Stadtrat und – durch Allianz – im Kreisrat streben wir demnach aus rein pragmatischen Gründen an – so können wir am besten das durchsetzen, was wir in unserem Wahlprogramm vorschlagen.

Als zukünftiger Kreisratsvorsitzender werden Sie sicherlich auch der Kritik ausgesetzt sein. Wie reagieren Sie auf Einwände?
Wir alle wissen, dass es einfach und natürlich ist, Wertschätzung zu akzeptieren, obwohl man in einer bestimmten Position umsichtig sein muss, weil oft Menschen, die versuchen, unverdiente Vorteile zu erzielen, unaufrichtig sind. Leider macht eine hierarchische Position verwundbar und man wird oft zum Ziel mehr oder weniger fundierter, oft voreingenommener Reaktionen von Menschen. Man kann nicht alle Wünsche erfüllen, man kann nicht alle Probleme lösen, man ist weder allwissend noch allmächtig.
Während meines gesamten Lebens und meiner beruflichen Karriere habe ich verstanden, dass eine relevante, objektive Kritik für die persönliche Entwicklung wichtig und notwendig ist.
Solange beabsichtigt wird, Unklarheiten zu beseitigen und Lösungen zu entwickeln, die zu einer höheren Lebensqualität beitragen, werde ich die Kritik im öffentlichen Raum in diesem Sinne nutzen. Die Teamarbeit, die Einbeziehung jedes einzelnen Mitglieds in Bezug auf bestimmte Verantwortlichkeiten, ist ein schneller und wirksamer Weg zur Lösung von Konflikten, sofern Solidarität auf der Grundlage von Ehrlichkeit und Verantwortung besteht.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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