Gemeinschaft verbunden – Abstand überwunden

Landsleute aus dem In- und Ausland gestalteten erstes Online-Sachsentreffen gemeinsam

Erstmals in seiner Geschichte richtete das Demokratische Forum der Deutschen in Siebenbürgen (DFDS) vergangenen Samstag aufgrund der landesweit geltenden Einschränkungen im Zuge der Coronavirus-Pandemie ein Online-Sachsentreffen unter dem Motto „Gemeinschaft verbinden – Abstand überwinden“ aus. Es bot damit seinen Landsleuten weltweit die Möglichkeit, in diesen besonderen Zeiten zueinander zu finden und zumindest im Geiste ihre gemeinsamen Werte und Traditionen zu feiern. Das Programm umfasste Grußworte, eine Andacht, ein buntes Kulturprogramm zahlreicher Lokalforen sowie Liveschaltungen nach Kronstadt/Brașov und Klausenburg/Cluj Napoca und bot somit eine umfassende und bunte Momentaufnahme siebenbürgisch-sächsischen Daseins in Rumänien und jenseits seiner Grenzen.

Nach der Begrüßung und Einstimmung durch die Moderatoren Claudia Stanciu und Winfried Ziegler richtete der Siebenbürgenforumsvorsitzende Martin Bottesch einige Worte an die Zuschauer des Livestreams.
„Es sollte das 30. Sachsentreffen sein, das in diesem Jahr in Großau geplant war. Das erste hat 1991 in Birthälm stattgefunden. Seither ist kein Jahr vergangen ohne dieses Ereignis. Seit der Wende sind gut 30 Jahre vergangen, das gibt uns den Anlass zu einem Rückblick. Der Umbruch von 1989 war für die Deutschen Rumäniens zugleich ein Abbruch, Aufbruch aber auch ein Wegbrechen eines Teils der Gemeinschaft. Ob es die deutsche Minderheit nach 30 Jahren noch geben wird, konnte zu jenem Zeitpunkt noch niemand mit Sicherheit sagen und, wenn es sie gibt, ob sie politisch aktiv sein wird, war eigentlich schwer zu denken. Trotzdem war dies der Lauf der Entwicklung. Wir sind da und wir bereiten uns eben vor, an den bald kommenden Kommunalwahlen teilzunehmen. Es gibt weiterhin Schulen mit deutscher Unterrichtssprache und in den evangelischen Kirchen wird der Gottesdienst in deutscher Sprache gehalten. Es sind Bedingungen vorhanden, die es uns erlauben, unsere Sprache und Kultur weiter zu pflegen. Dabei ist uns nichts in den Schoß gefallen! Damit die Bedingungen und die Einrichtungen weiter bestehen, die für die Erhaltung unserer Identität notwendig sind, muss man sich einsetzen und das auf allen Ebenen und oft politisch. Dazu ist das Demokratische Forum vor 30 Jahren gegründet worden und diese Aufgabe nimmt es auch jetzt wahr.

Dieses Jahr ist durch den Ausbruch der Pandemie anders als alle vorigen. Die Situation regt uns aber auch zum Nachdenken an. Was ist wesentlich für unsere Gemeinschaft? Bisher sind die allermeisten von der Krankheit verschont geblieben. Das Leben geht weiter, wenn auch stiller und mit weniger Kontakten, aber froh sind wir in dieser Lage nicht. Ein Verein, wie auch unserer, lebt durch die Zusammenkünfte seiner Mitglieder, durch gemeinsame Veranstaltungen. Der Zustand belastet uns psychisch, wir möchten einander sehen, wir möchten miteinander etwas veranstalten, wir möchten nicht abgeschieden sein. Wir wollen aber das Bestmögliche machen, uns beim Online-Sachsentreffen zumindest virtuell begegnen und den Darbietungen einiger Kulturgruppen zusehen. Hoffen wir das Beste, weil es bald möglich sein wird, uns auch von Nahe zu sehen und zu sprechen“, so Martin Bottesch.

Wie in den 29 Jahren zuvor durfte auch heuer der evangelische Gottesdienst nicht im Programm fehlen. Diesen hielten Pfarrer Dietrich Galter und Vikarin Angelika Beer in der Evangelischen Kirche in Großau, gefolgt von einer musikalischen Einlage des Projektchores „Seligstädter Wiedehopfe“ unter der Leitung von Christiane Neubert. Seinerseits begrüßte der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, Reinhart Guib, die Landsleute von nah und fern. „Auch wenn es diesmal anders ist, wie wir uns begegnen, dass wir zusammen sind und zusammen gehören, ist eine Tatsache, die auch auf diese Art und Weise gesagt und gelebt werden muss. Das diesjährige Sachsentreffen steht unter dem Motto 'Gemeinschaft verbinden - Abstand überwinden' und online versuchen wir, diesen Abstand zueinander zu überwinden und wir hoffen, dass viel mehr als nach Hermannstadt und Großau gekommen wären, daran teilnehmen“, sagte Bischof Guib. Er sprach kurz auch zur Tätigkeit der Kirche und der in dieser Zeit besonders geforderten Diakonie und auch über die auf verschiedenen Kanälen ausgestrahlten Gottesdienste in den von der Coronavirus-Pandemie geprägten Monaten März bis Juni, die es ermöglichten, „dass viele hier im Lande sowie in Deutschland und Österreich, Kanada und den USA aber auch in anderen Ländern an den geistlichen Beiträgen teilhaben und gestärkt durch diese Zeit kommen konnten. 'Grenzen überwinden' ist das Motto unserer Kirche und in diesem Sinn heiße ich Euch herzlich willkommen, seid zuhause diese paar Stunden mit uns und dem Siebenbürgenforum“, forderte Bischof Guib die Teilnehmer auf.

Einen besonderen Beitrag zu den Grußworten leistete Rainer Lehni, der Vorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, der die Gäste aus Dinkelsbühl, dem Ort der jährlichen Pfingsttreffen der Siebenbürger Sachsen begrüßte. „2020 ist für die Siebenbürger Sachsen nicht nur durch Corona ein besonderes Jahr, auch der Rückblick auf wichtige Meilensteine für unsere Gemeinschaft ist wichtig. Vor 75 Jahren begann die Deportation der arbeitsfähigen deutschen Bevölkerung aus Rumänien in die sowjetischen Arbeitslager. Dieses historische Ereignis, durch das praktisch jede deutsche Familie in Rumänien betroffen war, hat sich wie kein anderes Ereignis in unserem kollektiven Gedächtnis verankert. Nicht umsonst stehe ich hier, vor der Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen vor den Stadtmauern Dinkelsbühls, die an die Opfer von Krieg, Verfolgung und Deportation erinnert. Die 'Siebenbürgische Zeitung' feiert in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen, während unsere Web-Präsenz 20 Jahre jung wird. Die 'Siebenbürgische Zeitung' ist nicht nur das Bindeglied zwischen den Siebenbürger Sachsen in Deutschland, sondern weltweit“, erläuterte Rainer Lehni. Er ließ auch den großen Exodus der Siebenbürger Sachsen Anfang der 90er Jahre aus Siebenbürgen Richtung Deutschland nicht unerwähnt, der „zu einer Zeit (eintrat, Anm.d.V.), in der keiner wusste, wie es in Rumänien weitergehen wird. Für die Geschichte der Siebenbürger Sachsen bedeutet das Jahr 1990 somit eine ganz wichtige Zäsur. Erfreulicherweise ist aber in diesen 30 Jahren viel Neues gewachsen. Ich freue mich, dass die Siebenbürger Sachsen in Deutschland zu den in der Heimat lebenden Siebenbürger Sachsen, zum Siebenbürgenforum und zur Heimatkirche heute und seit vielen Jahren ein partnerschaftliches und ganz herzliches Miteinander pflegen. Das wird auch so bleiben. Ich wünsche dem Online-Sachsentreffen 2020 viel Erfolg und gutes Gelingen. Ich freue mich jetzt schon auf 2021 und hoffe, dass wir uns Pfingsten in Dinkelsbühl beim Heimattag und im Herbst beim Sachsentreffen in Großau begegnen können und dann freuen wir uns alle zusammen auf das Große Sachsentreffen 2022 in unserer Haupt- und Hermannstadt“, schloss Rainer Lehni ab.

Nach einer Videomontage mit Volkstanzauftritten der Mühlbacher Tanzgruppe unter der Leitung von Anamaria Dahinten sandte auch der Bundesobmann des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich, Manfred Schuller, eine Videobotschaft, in der er seine Freude über die Möglichkeit eines Online-Treffens trotz der widrigen Umstände aussprach. „Wir verbinden uns medial und überwinden den Abstand, tausend Kilometer entfernt und doch nahe. Es fehlen die Menschen, die Jugend, welche mit unseren schönen Trachten durch die Straßen ziehen, die Klänge der Musikanten, die uns so fröhlich stimmen, die gute Stimmung, das gute Essen und nicht zuletzt die herzlichen Umarmungen und die vielen Gespräche. Ich bin überzeugt davon, dass dieses sehr bald wieder so sein wird wie früher. Das Ende der Pandemie wird kommen und, liebe Freunde, bleiben wir, wie wir immer waren: Siebenbürger Sachsen, verbunden, treu unseren Wurzeln und positiv gestimmt!“ wünschte Manfred Schuller.

Weitere Grußworte sprachen im Namen des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften in Deutschland die Vorsitzende Ilse Welther und Thomas Șindilariu aus dem Kronstädter Waldcafé, in Gesellschaft der Burzenländer Blaskapelle und von Mitgliedern des Kronstädter Forums, sowie der Vorsitzende des Klausenburger Forums Dr. Radu Nebert.

Ein reiches Kulturprogramm gestalteten die Tanzgruppen der Jugendforen Hermannstadt und Schäßburg, der Brukenthalschule, die Burzenländer Blaskapelle, die Blaskapelle aus Petersdorf/Petre{ti bei Mühlbach und „Harmonie“ aus Bistritz, die Tanzgruppe Korona aus Kronstadt, jene der Foren in Sächsisch-Regen/Reghin, Zeiden/Codlea, Bistritz und viele mehr.

Weitere Höhepunkte des Nachmittags waren der Umzug der über 70 Trachtengruppen anlässlich des Sachsentreffens 2017 am Großen Ring, ein Minikonzert der Trio Saxones Plus und ein Rückblick auf das Sachsentreffen 2018 in Mediasch.

Einen Ausblick auf die zukünftigen Sachsentreffen bot Winfried Ziegler, der erklärte, dass, „wenn es möglich ist, wir im nächsten Jahr das Sachsentreffen in Großau nachholen und 2022 das Große Sachsentreffen in Hermannstadt veranstalten, alles, natürlich, wenn es die gesundheitliche Lage zulassen wird“, so Winfried Ziegler.

Die vollständige Aufnahme des Online-Sachsentreffens kann auf dem Youtubekanal „Siebenbürgenforum“ oder auf der Facebookseite des Siebenbürgenforums weiterhin aufgerufen werden.

 

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