Obdachlose bleiben ganztags im Nachtasyl

Caritasverband stellte zeitweilig drei Kindertagesstätten ein

Das „Pater Jordan“-Nachtasyl in Temeswar beherbergt derzeit 78 Obdachlose. Diese dürfen die Sozialeinrichtung der „Caritas“ nicht mehr unbegründet verlassen. Foto: Zoltán Pázmány

Der Caritasverband der Römisch-Katholischen Diözese Temeswar/Timișoara hat seine Tätigkeit auf den Notstand eingestellt. Die Obdachlosen, die im „Pater Jordan“-Nachtasyl in Temeswar übernachtet und tagsüber das Asyl verlassen haben, dürfen seit knapp zwei Wochen nicht mehr hinaus. Lediglich jenen Menschen, die tagsüber arbeiten, ist es erlaubt, mit einer Bestätigung vom Arbeitgeber das Asyl zu verlassen und nachmittags oder abends wieder zurückzukehren.

Insgesamt 78 Menschen, deren eigentliches „Zuhause“ bis vor Kurzem noch die Straße gewesen ist, haben seit dem 23. März ein permanentes Dach über dem Kopf. „Sie haben jetzt Ausgangsverbot. Wir haben strenge Regeln eingeführt: Wer weggeht, der wird nicht mehr bei uns aufgenommen. Deswegen sind 78 geblieben – drei oder vier sind weggegangen, da sie sich nicht an das Ausgangsverbot halten wollten“, sagt Herbert Grün, Geschäftsführer des Caritasverbands der Diözese Temeswar. Dadurch, dass die „Caritas“ die 78 Obdachlosen aufnimmt und pflegt, ihnen drei Mahlzeiten pro Tag bietet, wird die Stadtverwaltung um ein Vielfaches entlastet. Das zusätzliche Engagement der Organisation ist ehrenamtlich. „Unsere Kosten sind gestiegen. Wir haben keine zusätzliche Unterstützung von der Stadt erhalten, sondern nur die Subventionen, die wir sowieso von der Stadt bekommen und die etwa 50-60 Prozent unserer Ausgaben ausmachen. Die Stadt hat zurzeit auch Probleme und wir bekommen diese Gelder sowieso nicht zeitgerecht“, erklärt der Caritas-Leiter.

Die dritte nach der Ausrufung des Notstandes verabschiedete Militärverordnung zwingt die Kommunalverwaltungen in Rumänien, dafür zu sorgen, dass die Obdachlosen in dieser Zeit irgendwo untergebracht und gepflegt werden. In Temeswar wurden mit Hilfe der Kommunalpolizei etwa 60 Obdachlose identifiziert, die im Sportsaal und in der Mensa des Auto-Lyzeums im Freidorf-Viertel untergebracht wurden, informierte vor Kurzem Bürgermeister Nicolae Robu. Wöchentlich hat die Kommune zu berichten, wie sie das Problem der Obdachlosen handhabt.

Der Caritasverband hat drei seiner Dienste ab dem 17. März zeitweilig eingestellt. Es handelt sich um das „Pater Berno“-Kindergemeinschaftshaus in Bakowa/Bacova, das „Heilige Maria“-Haus in Mercydorf/Carani, das als Tagesstätte für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen im Betrieb ist, und die Tagesstätte für Roma-Kinder in Perjamosch/Periam. Die Entscheidung, die Kindertagesstätten mit sozialem Zweck zu schließen, wurde infolge der Schließung aller Bildungseinrichtungen in Rumänien getroffen. „Es laufen weiterhin 17 unserer Sozialprojekte, die insgesamt 436 Nutznießern zugute kommen“, sagt Herbert Grün. Die Tätigkeit der Kindertagesstätte in Nadrag/Nădrag, im Banater Bergland, verläuft nun auch ein bisschen anders. Die Kinder kommen hier nicht mehr zu Mittag zusammen, um gemeinsam am selben Tisch zu sitzen und zu essen, sondern sie holen ihr Essen ab und verzehren es zu Hause.

Auf der „Pater Paulus“-Farm in Bakowa, dem Resozialisierungszentrum für Obdachlose, wurden die Arbeitszeiten auf zwei Stunden pro Tag reduziert. „Nur die notwendigsten Tätigkeiten, wie zum Beispiel die Viehversorgung, werden noch durchgeführt“, sagt Herbert Grün. Zurzeit leben und arbeiten hier zehn Obdachlose und ein Mädchen.

Im Hospiz für Palliativkrankenpflege „Haus der Göttlichen Barmherzigkeit“ in Temeswar stehen den Menschen, die ihren Lebensabend angetreten haben, zehn Betten zur Verfügung. Momentan sind diese alle belegt. Die Hauskrankenpflege für Senioren wird weiterhin in Temeswar, Busiasch/Buziaș, Bakowa, Reschitza/Reșița und Karansebesch/Caransebeș angeboten, im Betrieb sind auch die Sozialkantinen in Temeswar und Nadrag, die den älteren Menschen Essen auf Rädern anbieten. Im „Mutter-Kind-Haus“, das im Freidorf-Viertel angesiedelt ist, leben 13 Kinder und Jugendliche. Im Frauenhaus für die Opfer häuslicher Gewalt sind aktuell drei Frauen und vier Kinder untergebracht.

 

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