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Harbachtaler Schmalspurbahn von Freiwilligen und Lokalgemeinschaft wiederbelebt

Die malerische Harbachtaler Landschaft kann im Sommerwagen oder einem der geschlossenen Wagen bewundert werden. Fotos: Asociația Prietenii Mocăniței / Radu Tompa

Seit 2008 arbeiten zig Freiwillige an den Gleisen, Schaltern, Gebäuden und dem Zubehör der Schmalspurbahn.

Solange das gute Wetter noch hält, lädt der Verein „Prietenii Mocăniței“ jeden Samstag um 13 Uhr nach Holzmengen zu einer Fahrt bis Harbachsdorf und zurück ein.

Diana aus Harbachsdorf lässt sich zurzeit zur Lokführerin für Dampflokomotiven ausbilden.

Mauritio Todone hilft wo er kann, jüngst mit der Instandsetzung eines alten Tankwagens zum Betanken der Dampflokomotive.

Seit dem Sommer 2008 hat sich eine Gruppe engagierter Freiwilliger der Schmalspurbahn angenommen, die bis vor rund 20 Jahren die Verbindung zwischen Hermannstadt/Sibiu und Agnetheln/Agnita herstellte und führt unter dem Schirm des 2009 gegründeten Vereins „Prietenii Mocăniței” (Freunde der Schmalspurbahn) regelmäßig Instandhaltungsarbeiten an den Gleisen, Weichen und Haltestellen durch. 

Seit ihrer Schließung im Jahr 2001 wurde die Linie effektiv aufgegeben, sodass in den darauffolgenden sechs Jahren die Bahnhofsgebäude verfielen und einige sogar zusammenbrachen oder zu Unterkünften für obdachlose Familien wurden. Zahlreiche Telefonmasten fielen um und Teile der Gleise wurden gestohlen. An manchen Stellen, an denen die Linie in der Nähe des Harbachs/Hârtibaciu verläuft, wurde das Gleisbett ausgewaschen und der Großteil der Strecke überwachsen und an einigen Stellen vollständig unter Sand und Unkraut versteckt. Die Infrastruktur und die Brücken blieben jedoch größtenteils erhalten und sind immer noch in gutem Zustand. Um das Abtragen und die Verwertung des noch erhaltenen Bestandes zu verhindern, schlossen sich die Freunde der Schmalspurbahn, öffentliche Behörden, sogar der Mihai Eminescu-Trust (MET) und weitere Partner zusammen, um dieses bedeutende Stückchen Bahngeschichte zu retten und wiederzubeleben.

Ihre Bemühungen wurden im Frühjahr 2008 belohnt, als die gesamte Eisenbahn, einschließlich Gebäude, Brücken und statischer Konstruktionen, als historisches Denkmal eingestuft wurde, um sie vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Studenten, Architekten, Programmierer oder Geschichtswissenschaftler in Hermannstadt und Umgebung sowie zahlreiche Bewohner in den Dörfern des Harbachtals opfern seither ihre Freizeit, um nach und nach das Kulturgut der noch erhaltenen Schmalspurbahn zu konservieren und zu restaurieren. Dazu gehören das Herbizidieren, das Entfernen von wild wachsenden Bäumen und Sträuchern, das Ersetzen verrotteter Bahnschwellen, die Instandhaltung der Bahnbrücken, die Erhaltung und Restaurierung der Gebäude sowie der noch verbliebenen Fahrzeuge. Einiges konnte bislang erreicht werden, so die Konservierung und Inbetriebnahme von aktuell sieben Kilometern Gleisstrecke, die Unterbindung weiterer Diebstähle und Schäden in den Bahnhöfen in Agnetheln und Harbachsdorf/Cornățel, die Restaurierung der Gebäude des Kantons in Käbesch/Coveș, des Wasserturms in Harbachsdorf, der Bau einer Überdachung für die Waggons in Agnetheln und vieles andere mehr.

Seit 2015 können sich bahnbegeisterte Touristen von nah und fern, Hermannstädter und besonders Kinder mehr oder weniger regelmäßiger Ausfahrten mit der Bahn und eines „Tages der Schmalspurbahn“ erfreuen und die malerische Landschaft des Harbachtales genießen. Heuer fand der Tag der Schmalspurbahn am Sonntag, den 13. September statt und brachte zahlreiche Besucher zusammen, die eine 1957 in Reschitza gebaute Dampflokomotive und drei restaurierte Personenwagen bewundern konnten. Die insgesamt 14 Kilometer lange Reise begann in Harbachsdorf und führte rund eine Stunde  bis nach Holzmengen/Hosman.
Solange das gute Wetter noch hält, lädt der Verein die Freunde der Schmalspurbahn jeden Samstag um 13 Uhr zu einer Rundfahrt auf der Route Holzmengen - Harbachsdorf und zurück ein. Die herbstliche Landschaft kann dabei im Sommerwagen oder vom Fenster eines geschlossenen Wagens genossen werden. 

Der Preis einer Fahrt beträgt 25 Lei für Erwachsene und 15 Lei für Kinder. Wenn die Schmalspurbahn unter der Woche oder sonntags gerade nicht fährt, kann für eine Spende von mindestens 50 Lei eine pedalbetriebene Draisine für einen ganzen Tag gemietet werden. Für weitere Informationen stehen die Internetseite sibiuagnitarailway.com, die Facebookseite „Asociatia Prietenii Mocanitei“ sowie die E-Mail-Adresse turism@sibiuagnitarailway.com zur Verfügung.


Diana wird Dampflokführerin

Nicht nur auf den Alltag der am Projekt tätigen Freiwilligen hat die Rettung und Wiederbelebung der Schmalspurbahn einen erheblichen Einfluss, sondern auch auf den der Lokalgemeinschaft. Die Fahrten mit der Schmalspurbahn werden beispielsweise zur Gelegenheit für ihre Verbindung mit dem Brunch des Vereins My Transylvania und oft beteiligen sich auch Jugendliche und Erwachsene aus der Gegend an den Arbeiten und den Fahrten. Eine solche Freiwillige ist Diana, die 2015 spontan zur Helferin wurde. Gemeinsam mit Freunden war sie damals auf eine Gruppe Freiwillige getroffen, die gerade am Gleis arbeiteten. Als ihr angeboten wurde, mitzumachen, griff sie kurzentschlossen zur Spachtel und fing an, die alte Farbe abzukratzen. Die damalige 17-Jährige ist seitdem fester Bestandteil der Freiwilligenmannschaft und ging bis vor ein paar Wochen dem Mechaniker im Führerstand zur Hand. Zurzeit wird sie bei der Schmalspurbahn Hu]ulca Moldovi]a zur Bahnführerin für Dampflokomotiven ausgebildet. Dem Verein zufolge ist sie zurzeit die einzige Dampflokführerin im Land.


Ein treuer Freund ist unbezahlbar

Ein weiterer, besonderer Freund der Schmalspurbahn ist der Italiener Mauritio Todone, der seit rund 20 Jahren in Rumänien eine neue Heimat gefunden hat und in der Nähe des Bahnhofes in Holzmengen eine kleine Fabrik betreibt. Seit dem Beginn der Arbeiten an der Halle in der Nähe des Bahnhofes unterstützt er den Verein, mal mit einer Leiter, mal mit einem Besen, Strom oder dem eigenen Gabelstapler. Am 11. September musste die Dampflokomotive, die gerade in Holzmengen stand, gestartet werden, doch war das ganze Wasser nach einer Woche der Untätigkeit ausgelaufen. Als Wasserquelle wäre in der Nähe nur ein kleiner Brunnen in Frage gekommen, der jedoch aufgrund der herrschenden Dürre die notwendigen vier Kubikmeter nicht hätte spenden können, sodass ein Tankwagen die einzige Rettung sein konnte. Als Mauritio von der neuen Not erfuhr, erinnerte er sich, dass hinter seinen Hallen ein alter, verrosteter Tankwagen stand, der sich aber noch nie vom Fleck bewegt hatte. Er war tatsächlich unvollständig, es fehlten ihm die Hähne, er hatte einen Platten und war im Inneren vollkommen verschlammt. Dank harter Arbeit und der Unterstützung des Wasserversorgers „Apa Târnavei Mari“ konnte der Tankwagen nicht nur repariert und gereinigt, sondern auch schnell mit reinem Wasser gefüllt werden, sodass die Dampflok ihre Reise fortsetzen konnte.

 

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