Einblick in die Geschichte der rumänischen Post

Einzigartig: Temeswarer Regionalamt beherbergt Postmuseum

Die Briefe kamen Anfang des 20. Jahrhunderts noch auf so eine Waage, bevor sie entsprechend frankiert werden konnten.

Das Büro des Postleiters aus Gottlob
Fotos: Zoltán Pázmány

Die Kommunikation steht im Mittelpunkt der Ausstellung, die vergangene Woche in der Regionaldirektion der Post eröffnet wurde. Der kleine Raum im ersten Stock des in Temeswar/Timişoara als „Große Post“ bekannten Gebäudes beherbergt nun das erste Postmuseum in Rumänien, das den Besuchern einen Einblick in die Geschichte der rumänischen und vor allem der Banater Post verleiht. Es ist nicht von ungefähr, dass gerade das Regionale Postamt in Temeswar das Museum beherbergt: Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1914 und hat einen besonderen historischen Wert.

Ein bisschen verrostet ist er schon, der blau gestrichene Postwagen am Eingang in den Ausstellungsraum. Längst verstrichen ist die Zeit, in der die Mitarbeiter der Post gerade diesen Wagen für die Beförderung der  Päckchen vom Bahnhof zum Postamt benutzten. Ein einziges Rad ist noch übrig geblieben, das andere ging womöglich wegen den schweren Päckchen verloren. Gleich daneben, ein paar Stoffsäcke aus Igrisch/Igriş.

Damit schleppten vor langer Zeit die Mitarbeiter der Post das Geld. Besonders „sicher“ war das Unterfangen wohl kaum. Die Initiative der Gründung eines Postmuseums hatte Nelu Balaş, Leiter des regionalen Postamtes in Temeswar. Briefträger, ehemalige Briefträger, aber auch Privatpersonen durchstöberten auf Anfrage des Postleiters ihre Keller und Abstellräume, um Museumsstücke aus längst vergangenen Zeiten zu finden. Das Mini-Museum, wie es Nelu Balaş nennt, hat einen ausgeprägten erzieherischen Zweck. Und ist für die Besucher der Stadt Temeswar eine weitere Sehenswürdigkeit.


Wer ein Päckchen oder einen Brief abschicken möchte und dies auf der Großen Post tut, der kann eine Zeitreise unternehmen und zu den Anfängen der Kommunikation zurückkehren. Das Postmuseum beherbergt Exponate aus dem 20. Jahrhundert und ist auf zwei Bereiche gegliedert.

Im ersten Ausstellungsbereich können Besucher Geräte und Gegenstände, die bei der Übernahme der Sendungen verwendet wurden, bewundern: Stempel, Siegel, Zangen und Waagen. Der zweite Bereich zeigt Geräte zur Bearbeitung der Sendungen, wie zum Beispiel Stempelmaschinen für Briefe. 

Das aus den 30er-Jahren stammende Büro des Gottlober Postleiters wurde restauriert und aufgestellt. Briefe und Postkarten vom Anfang des 20. Jahrhunderts sind ebenfalls zu sehen. Hat man Geduld, so kann man auf vielen von ihnen deutsche Namen erkennen. Unter den Briefen befindet sich zum Beispiel einer für das Fräulein Lehrerin Anna Vitye aus Billed, der vom 10. Januar 1931 stammt, sowie einer für den Brückenmeister Karl Glück aus Cărăvan. Ausgestellt wurden auch einige Ausgaben der Zeitschrift „Poştaşul“.

Zu den spektakulärsten Exponaten gehören die Waagen aus Holz, mit denen die Briefe gewogen wurden. Die meisten ausgestellten Objekte stammen von den lokalen Postämtern aus Detta/Deta, Gottlob/Gotlob und Broos/Orăştie. Neben den Gegenständen, die direkten Bezug zur Posttätigkeit haben, umfasst die Ausstellung einige Kunstobjekte, die von verschiedenen Temeswarer Künstlern geschaffen wurden.

Zu den Exponaten gehört auch ein Märchenbuch für sehbehinderte Kinder, eine Initiative der jungen Künstlerin Enikö Kálmán. Wer das Postmuseum unweit des Stadtzentrums besucht, der kann interessante Informationen auch über die Anfänge der rumänischen Post erhalten. Diese können Besucher auf einigen Tafeln nachlesen, die sich am Eingang in das Mini-Museum befinden.

Unter anderen sind die Routen der Pferdewagen, die zur Zeit des Gouverneurs Mercy im Banat befahren wurden, aufgezeichnet. Der Eintritt ins Postmuseum (Revoluţiei-Boulevard Nr. 2) ist frei.

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