Entdecken und Erleben trotz Pandemie

Verein „My Transylvania“ setzt langjährige Tätigkeit fort und geht neue Projekte an

Der Vereinsvorsitzende Cristian Cismaru begleitet die Teilnehmer auf Ausflügen und erzählt von Gastronomie, Land und Leuten. Fotos: My Transylvania

Im Wald kann man Pilze, Kräuter und Beeren unter fachkundiger Anleitung entdecken und sammeln.

Beim „Sibiel Forest Run“ steht mehr als nur sportliche Betätigung im Programm.

Eine instandgesetzte Heuhütte im Cindrel- oder dem Lotrului-Gebirge kann demnächst für 150 bis 250 Euro für zwei Nächte gemietet werden.

Seit 2006 entwickelt der Hermannstädter Verein „My Transylvania“ Programme und Veranstaltungen, mit denen er zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der dörflichen Gemeinschaften sowie des Tourismus um Hermannstadt/Sibiu beiträgt und für Nachhaltigkeit, mehr Verbundenheit mit der Natur, Kreativität und Innovation und Bildung anhand von alternativen Projekten wirbt. Der Verein begann seine Tätigkeit mit der Entwicklung einer Plattform für die Reservierung von Ferienhäusern im ländlichen Bereich und setzte in den folgenden 15 Jahren mit der Einführung von Kulturrundgängen fort, sowie den mittlerweile zur regionalen Kultur gehörenden Siebenbürgischen Brunches und seit 2013 mit der Veranstaltung alternativer gastronomischer Veranstaltungen, die seit 2015 das jährliche Food Culture Festival ergänzt. 2018 erweiterte der Verein seine Tätigkeit auch über die Grenzen Siebenbürgens hinweg und lud seine Gäste zu Brunches nach Oltenien und Muntenien ein. Seit 2019 sind die beliebten gastronomischen Veranstaltungen, bei denen die reigonale Kulinarik und Brauchtum im Vordergrund stehen, auch in Nordsiebenbürgen, dem Banat, der Dobrudscha, der Maramuresch und der Moldau zu genießen.

Trotz Pandemie bietet My Transylvania auch heuer zahlreiche Veranstaltungen an, bei denen man sich unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen und der sozialen Distanzierung an der lokalen Esskultur und Natur erfreuen und die Dorfgemeinschaften, ihre Erzeugnisse, Rezepte und Kultur hautnah erleben kann. Die einzelnen Events sind auf der Plattform eat-local.ro zu entdecken und haben heuer mit einer Schmalspurbahnfahrt und einem Picknick in Holzmengen/Hosman sowie einem Spaziergang mit anschließendem Picknick in Nou Român begonnen.
Abgesehen von den Brunches setzt sich der Verein auch für die Gesundheit seiner Fans ein, etwa durch die erste Auflage des Waldlaufes „Sibiel Forest Run“ am 8. Mai, bei dem auch die Kinder auf ihre Kosten kommen werden. Die Erwachsenen können sich auf einer 18 Kilometer langen Tour bei einer Steigung von 842 Metern durch den Wald in der Nähe von Sibiel bis in die Godia-Lichtung und zur vormaligen Fântânele-Hütte versuchen. Für Vorschulkinder wird eine eine 500 Meter lange Tour in der Nähe des Waldkinder-Kindergartens eingerichtet und für Schulkinder im Alter von sechs bis 12 Jahren eine drei Kilometer lange Route durch den B²rcu-Ro{u-Wald vorbereitet. Parallel zu den Läufen kann man an einer Mountainbike-Tour, einem Waldausflug, einer Yoga-Stunde mit Corina Stoica, an einem Workshop zur Ikonen-Malerei oder zum Weben und Nähen von Taschen teilnehmen.

Eine weitere Gelegenheit zur sportlichen Betätigung bietet der Gebirgslauf „Burduf Challenge“ in der Gegend Râu Sadului, zu dem heuer in Zusammenarbeit mit dem Verein „Tur² în Natur²“ am 10. Juli eingeladen wird und den die Veranstalter zur Gelegenheit nehmen, um auf die lokalen Erzeugnisse in den Gebirgsdörfern aufmerksam zu machen. Die Route führt an den Hirtenhütten in der Gegend Sec²turi vorbei und entlang des Kammes des Cindrel-Gebirges von Dealul Derjani bis kurz vor Dosul Albului, mit einem malerischen Abstieg von Dealul Runcului bis Beberani.

Abgesehen vom eigentlichen Rennen laden die Veranstalter zum gleichzeitig stattfindenden „Burduf Family“ Event ein, bei dem die Teilnehmer gleich vier Möglichkeiten der Bewegung und Beschäftigung an der frischen Luft in Anspruch nehmen können. Im Angebot stehen ein Ausflug mit Picknick in der Gegend der Hirtenhütten, ein Foraging-Ausflug, bei dem genießbare Pilze, Kräuter und Waldfrüchte entdeckt und gesammelt werden, eine Yoga-Stunde für die Meditation im Freien sowie eine Mountainbike-Tour für Fortgeschrittene. Zwischen 16 und 19 Uhr stehen für die Teilnehmer der vorgenannten Veranstaltungen die „Burduf”-Workshops im Angebot, die einen Einblick in das lokale Spezifikum der Gegend bieten. Hier können die traditionellen Leckerbissen und ihre Zubereitung entdeckt, Heu gemäht und gewendet und von Kindern ein Hindernislauf bestanden werden. Einen gemeinsamen Ausklang des Tages bietet anschließend das Burduf Fest im Kulturhaus, bei dem im lockeren Rahmen weitere örtliche Köstlichkeiten zu entdecken sind.

Nach zahlreichen erfolgreichen Veranstaltungen rund um die Esskultur, der Einführung der kollektiven Marke „Gust Local“ (Lokaler Geschmack) für Restaurants, Bistros oder Gästehäuser in den Kreisen Hermannstadt, Kronstadt/Braşov und Muresch oder musikalischer Verkostungen widmet sich der Verein nun auch einem neuen Projekt. Unter dem Schlagwort „Ecovillage – Land der Heuscheunen“ bemühen sich „My Transylvania“ und seine Partner, eine Reihe Heuhütten im Cindrel- und Lotrului-Gebirge instand zu setzen, die dann für den nachhaltigen Öko-Tourismus angeboten werden sollen. Zurzeit sind von den 70 bekannten Heuhütten in den beiden Gebirgszügen 15 zusammengefallen, 20 beschädigt und nur noch 35 in Betrieb. Von ihnen dienen zehn Hütten den traditionellen Tätigkeiten im Sommer und nur zwei Hütten können auch den Winter über benutzt werden.

Das Projekt, das heuer angegangen werden soll, nimmt sich die Rettung und Instandsetzung einiger Hütten sowie die teilweise Einrichtung der Dachböden als Gästezimmer mit Betten und Heumatratzen oder einfachen Schlafstellen im Heu vor. Die Einrichtung der geretteten Hütten wird dazu beitragen, dass dem Wandern, Mountainbiking, Laufen oder Skifahren gewidmete Tätigkeiten das ganze Jahr über statfinden können. Entsprechend dem Hauptziel des Vereins werden zahlreiche Veranstaltungen auch in Verbindung mit oder als Unterstützung für die lokale Hirtenkultur und die Landwirtschaft in den Bergen organisiert und den interessierten Gästen die Gelegenheit geboten, am Mähen und Wenden von Heu, dem Hüten der Schafsherden, der Gastronomie, dem Sammeln von Waldfrüchten sowie an handwerklichen Tätigkeiten aktiv teilzunehmen. Was sich der Verein dabei vornimmt, ist die Ermutigung der Nachfrage an gesundem Essen durch eine kurze Transportkette zwischen Hersteller und dem Touristen oder Kunden, die Schaffung einer zusätzlichen Einnahmequelle zugunsten der Lokalgemeinschaft durch alternative, umweltfreundliche Tätigkeiten, den Schutz eines wertvollen Kulturgutes und der natürlichen Landschaft sowie die Unterstützung der Tradition und des Handwerks im ländlichen Gebiet und dem Gebirge.

Was die Preise für die der Aufenthalte anbelangt, werden die Hütten für 150 und 250 Euro für zwei Nächte oder 400 bis 700 Euro für einen Wochenaufenthalt vermietet. Im Angebot stehen auch Langzeitaufenthalte für 1500 bis 2500 Euro in der Sommersaison (Monate Juli und August) oder 2200 bis 3700 Euro für die ganze warme Saison von Mai bis September. Weitere Möglichkeiten, sich einer solchen traditionellen Hirtenhütte zu erfreuen, bietet ihre „Adoption“ für ein Jahr im Wert von 1500 bis 2500 Euro (für die Instandhaltung) oder für eine Dauer von drei Jahren im Wert von 2200 bis 3700 Euro (für die Instandsetzung des Daches und weitere Reparaturen). Zwei weitere Pakete ermöglichen die Rettung einer Hütte, so die Instandsetzung des Daches, die Wärmedämmung und die Restaurierung des baulichen Kerns und des Äußeren für 6000 bis 10.000 Euro oder die Reparatur des Daches, der Struktur und die Restaurierung des Inneren und Äußeren für 9000 bis 15.000 Euro.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen und Vorhaben des Vereins My Transylvania gibt es unter den Internetadressen eat-local.ro, mytransylvania.ro oder experiences.mytransylvania.ro.

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