Italien ist immer eine gute Idee

Zwei City-Breaks in Apulien und Ligurien

Der malerische Hafen von Portofino, dem teuersten Fischerdorf der Welt Fotos: die Verfasserin

Alberobello, das Dorf der „Trulli“-Häuser

Blick auf den Strand von Polignano a Mare.

„Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
im dunklen Laub die Gold-Orangen glühn,
ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,
kennst du es wohl? Dahin! Dahin möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.”

Vor 200 Jahren entdeckte Johann Wolfgang von Goethe Italien und verliebte sich in das Land. Millionen von Touristen aus der ganzen Welt folgen heute den Spuren des Dichters. Alle sind sich einig: Italien hat das gewisse Etwas. Es ist das Land der riesigen Eiscremes, der glühenden Sonne, des Orangengeruchs, der bunten Wäsche, die an den Fenstern hängt, der schmalen Straßen mit eleganten Boutiquen, der hupenden Vespas, des türkisfarbenen Meers.

Ein Kurzurlaub in Italien kann sehr günstig sein. Manchmal hat man Glück und findet Flugtickets, die weniger kosten als eine Zugreise durch Rumänien. Auch für ein verlängertes Wochenende eignet sich Italien wunderbar. Mehrere Flüge von Billigfluggesellschaften verbinden Bukarest, Klausenburg oder Temeswar mit den wichtigsten italienischen Städten.

In Apulien im Süden des Landes findet man kristallklares Meer und reiche Kultur. Auf der ligurischen Küste im Nordwesten fühlt man sich manchmal wie ein Filmstar. Ein Wochenende ist vielleicht zu wenig, um diese wunderschönen Regionen wirklich kennenzulernen. Aber in dieser kurzen Zeit entdeckt man mehr, als man ursprünglich dachte.

Ligurien: Genua und Portofino

Ein Spätnachmittag Ende Mai. In der Altstadt von Genua ist Aperitivo-Zeit. Das bedeutet, in den Cafes zahlt man einen festgelegten Preis für ein Getränk (meistens Aperol Spritz) und darf sich an einem kalt-warmen Buffet lokaler Köstlichkeiten bedienen. Darunter geröstete Brotscheiben mit Soßen, Schinken, Pasta, Bruschetti mit Pesto oder Pizzahäppchen. Wir sitzen auf der Terrasse eines Cafes mit gelb-weiß gestreiften Schirmen. Die Sonne wirft orangenfarbenes Licht auf die Pflastersteine.

Am Nebentisch plaudern fünf elegante alte Damen vor ihren riesigen Cappuccino-Tassen. Sie reden ununterbrochen. „Worüber sprechen sie denn?“, frage ich meine italienische Bekannte Valeria. „Ach, sie unterhalten sich seit einer Stunde über die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle“, antwortet sie. In Genua scheinen die Leute sehr gelassen zu sein.

Der Mann, der Tickets für den „Ascensori di Casteletto“ verkauft - ein Aufzug, mit dem man einen Aussichtspunkt erreicht und eine tolle Sicht über die Stadt und den Hafen hat, gibt mir einen Euro zurück. „Studente“, sagt er. Als ich ihm erkläre, dass ich mein Studium längst abgeschlossen habe, zwinkert er. Dann meint er, dass man an klaren Tagen von der Aussichtsplattform bis nach Korsika sehen kann. Heute ist kein klarer Tag, doch die Sicht ist schön. Die Boote und Schiffe sehen von oben sehr klein aus, wie Spielzeug.

Anreise: Von Bukarest nach Genua gibt es leider noch keinen Direktflug. Die günstigste Variante ist ein Flug nach Mailand (ab 20 Euro). Vom Bahnhof in Mailand fahren jede Stunde Züge nach Genua (die Reise dauert anderthalb Stunden, die Preise einer Fahrkarte beginnen bei 9 Euro)

Unterkunft: falls man in einer größeren Gruppe reist, ist eine Wohnung auf Airbnb optimal. Wer zu zweit reist, findet gute Pensionen oder Hotels nahe an der Altstadt (ab 50 Euro/Zimmer/Nacht). Und auch auf einem Boot im Hafen kann man übernachten (ab 40 Euro/Zimmer/Nacht).

Was man an einem Wochenende machen kann: Einen Tag sollte man sich für die Entdeckung Genuas reservieren: am Vormittag einen Kaffee im Hafen trinken, danach die dunklen Gassen der Altstadt entdecken, auf dem großen Markt Früchte einkaufen, ins Aquarium gehen, das Museo de Palazzo Reale besuchen, frischen Fisch essen und abends in die Oper gehen.

Am zweiten Tag kann man dann mit dem Zug und anschließend mit der Fähre ins Fischerdorf Portofino fahren. Zuerst nimmt man die Bahn von Genua nach Santa Margherita. Hier lohnt es sich auch, ein paar Stunden zu verbringen: auf der von riesigen Palmen umsäumten Hauptallee spazieren gehen, in feinen Boutiquen stöbern, in einem Cafe am Strand Cappuccino trinken und Kirschen essen.

Die Fähre nach Portofino geht mehrmals am Tag (ein Ticket hin und zurück kostet 12 Euro). Das malerische Dorf ist perfekt, um einen Nachmittag zu verbringen. Pastellfarbene Häuser, Luxusboutiquen und Fischrestaurants säumen die Piazzetta, einen kleinen, kopfsteingepflasterten Platz mit Blick auf den Hafen, wo Super-Jachten vor Anker liegen.

Von der Piazzetta führt ein Weg zum Castello Brown, einer Festung aus dem 16.Jahrhundert. Das dazugehörige Museum bietet neben seinen Kunstausstellungen auch einen Panoramablick auf den Ort und das Ligurische Meer. Man kann sich an dem Panorama einfach nicht satt sehen. Auf die letzte Fähre nach Santa Margherita kann man in einem kleinen, schicken Café am Hafen warten. Im billigsten kostet ein Nizza-Salat und ein kleines Bier 40 Euro. Beim Essen kann man Ausschau nach Prominenten halten: Steven Spielberg, Leonardo di Caprio oder Kevin Spacey sollen hier oft Urlaub machen.

Was man unbedingt ausprobieren sollte: in der Geburtsstadt des Pesto Genovese sollte man unbedingt Pasta mit dem weltbekannten Pesto aus Basilikum, Pinienkernen, geriebenem Hartkäse und Knoblauch ausprobieren.

Apulien: Bari und Polignano a Mare

Es ist Abend in der kleinen Küstenstadt Polignano a Mare, 30 Kilometer entfernt von Bari. Auf der gepflasterten Via Roma öffnen die Läden und Restaurants ihre Türen. Es riecht nach Pizza, frisch aus dem Ofen herausgeholt. Schwarze Katzen flitzen vorbei. Die Turmuhr schlägt acht mal. Auf einer kleinen Terrasse unter einem Zitronenbaum essen wir Tintenfisch mit brauner Soße. Dann bestaunen wir die handgemachten Ohrringe aus dem Laden eines Schmuckdesigners.

Der Abendspaziergang durch die Stadt führt uns weiter zu einem Platz mit Blick auf das Meer. Hier steht die Statue des in Polignano a Mare geborenen Schlagersängers Domenico Modugno. 1958 gewann er mit seinem Lied „Nel blu dipinto di blu“, besser bekannt als „Volare“ (deutsch: „fliegen“) beim Festival von San Remo. Mit ausgebreiteten Armen steht seine Statue da. Als ob sie in der nächsten Sekunde fliegen würde - über das Meer.

Wir gehen weiter, einer Menschenmenge nach. Plötzlich stehen wir auf einer Brücke. Vor unseren Augen eröffnet sich einer der schönsten Ausblicke, die wir jemals gesehen haben: grünblaues Wasser, das sanft an eine enge Bucht schlägt, umgeben von hohen grauen Felsen, aus denen winzige weiße Häuser zu wachsen scheinen. Darunter hunderte von kleinen und großen Grotten, die sich in die Felsen bohren. Wir sind im Paradies.

Anreise: Die Billigfluggesellschaft Wizz Air fliegt zwei Mal pro Woche von Bukarest und einmal pro Woche von Temeswar nach Bari. Falls man rechtzeitig bucht, kann es möglich sein, dass man nur 50 Euro für Hin- und Rückflug zahlt. Vom Flughafen Bari gibt es einen Bus bis zum Hauptbahnhof (5 Euro). Von hier aus fahren jede Stunde Züge nach Polignano a Mare (eine Fahrt kostet 2,5 Euro).

Unterkunft: Auf Booking.com oder Airbnb findet man nette Wohnungen, ganz nahe am Strand.

Was man an einem Wochenende unternehmen kann: Einen Tag sollte man in Polignano a Mare verbringen. Am anderen Tag kann man das Dorf Alberobello besuchen. Die Zugfahrt von Polignano dauert etwa anderthalb Stunden. Markenzeichen der Ortschaft sind die leuchtend weißen, runden Häuschen mit kegelförmigen Dächern – Trulli genannt, die auch heute noch als Wohnhäuser genutzt werden und ganze Stadtviertel bilden. Viele von ihnen wurden von den Einwohnern verlassen und in Souvenirläden, Pensionen oder Cafes umfunktioniert.

Was man unbedingt ausprobieren sollte: Tintenfisch und andere Meeresfrüchte schmecken überall in Apulien besonders lecker. In den kleinen Boutiquen auf den engen Straßen von Polignano a Mare oder Monopoli findet man manche Schätze, wie einen smaragdgrünen Badeanzug, Sonnenbrillen im Stil der 60er Jahre oder handgemachten Schmuck. Falls man Lust hat, seine Ersparnisse in einem der schickesten italienischen Restaurants überhaupt auszugeben, kann man einen Tisch im „Grotta Palazzese“ in Polignano reservieren. Das vielleicht bekannteste Höhlenrestaurant der Welt wurde in einer großen Kalkhöhle, 25 Meter über dem Meeresspiegel, errichtet.