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„London calling“ – shoppen, chillen und am Kaffee nippen

Die britische Metropole hat die teuersten Zimmerpreise, lockt aber weiterhin die meisten Touristen an

Tower Bridge - eine Attraktion der britischen Hauptstadt. Die Brücke bildet einen Teil der inneren Ringstraße Londons und wird täglich von rund 40.000 Fahrzeugen befahren.

Westminister Abbey: traditionell werden hier die Könige von England gekrönt und beigesetzt.

Der Big Ben - ein Wahrzeichen von London
Fotos: Ana Sălişte

Städtereisen waren schon immer die beliebtesten Fluchten aus dem Alltag, für die Geld und Urlaubstage auch in Krisenzeiten noch reichen. Einige Tage weg, meist ein verlängertes Wochenende, ein paar der schönsten Sehenswürdigkeiten anknipsen und bei Kaffee, Shoppen oder einem Spaziergang entspannen. Und wenn der Fußweg noch zum Buckingham Palace, in die Westminister Abbey oder durch den Hyde Park führt, dann ist es um so besser und charmanter: London, die faszinierende und kontrastreiche Metropole, war 2010 das beliebteste Ziel, was Städtereisen betrifft.

Die Stadt hat 2010 die höchste Anzahl an Übernachtungen registriert – rund 49 Millionen - und führt auch das Ranking der Städte mit den höchsten Zimmerpreisen an. Dies belegt die Studie „European Capital City Tourism“ von der Roland Berger Strategy Consultants, die 24 europäische Hauptstädte unter die Lupe genommen hat.

Londoner - freundlich und unfreundlich zugleich

Weltberühmte Sehenswürdigkeiten wie die Tower Bridge, Houses of Parliament, Saint Paul’s Cathedral oder Madame Tussaud’s Wachsfigurenkabinett locken jährlich Millionen Touristen aus der ganzen Welt nach London. Die britische Millionenstadt (fast acht Millionen Einwohner) hat vieles zu bieten und zieht vor allem junge Leute magisch an.

International wirkt die Stadt durch das hektische Menschengewimmel in den U-Bahn-Stationen und dem Sprachentohuwabohu, das man auf den Straßen hört. Die Londoner sind daran gewöhnt und es scheint, es macht ihnen nichts aus, von Touristen angehalten zu werden: Sie sprechen langsamer und deutlicher, wenn sich Touristen in einem unsicheren Englisch nach dem Weg zur Westminister Abbey erkundigen, sie machen sich Zeit, um das eine Paar oder die andere Gruppe zu fotografieren und deuten freundlich auf die nächste Sehenswürdigkeit hin.

Mehr Höflichkeit würde man sich jedoch bei den Kellnern und den Angestellten der unzähligen Cafés wünschen. Es sei, die Hektik, die Menschenschlange an der Theke und der manchmal in schlechtem Englisch formulierte Wunsch nach Milchkaffee oder Brownie reizt manche Kellner. Sie haben keine Geduld mit unentschlossenen Kunden, die nicht gleich wissen, was sie trinken wollen, keine Zeit für Erklärungen, wie das Internet funktioniert oder was „Belgium Brownie“ von normalen Brownies unterscheidet.

Und wenn der Kunde die Frage „Chocolate Sprinkles?“ in dem pur britischen schaumigen Englisch nicht versteht, dann lassen sie es einfach sein, reichen ihm den Milchkaffee ohne Schokoladenpulver und wenden sich irritiert dem nächsten Kunden zu. Doch wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, dann kann man sich jederzeit für einen Kaffee im Café Nero oder Café Costa entscheiden – zwei Kaffeehausketten, die es in London an fast jeder Straßenecke gibt. Neben dem ausgezeichneten Kaffeeangebot gibt es leckere Kuchen und Sandwiches.

Gesprächig und freundlich sind die „Cabbies“, d. h. die Taxifahrer, die sich immer geduldig mit Touristen unterhalten, ihnen während der Fahrt auch eine Londontour mit geschichtlichen Daten und Fakten bieten, wobei sie manchmal auch einige Meinungsäußerungen zum Thema Politik oder Wirtschaft streuen – ein Diskussionsthema, dem man eigentlich nicht entgehen kann, wenn man bedenkt, dass der Eintritt zu „Saint Paul´s Cathedral“ derzeit von Zelten und Protestbannern umzingelt ist – diese gehören zur sich weltweit erstreckenden Protestbewegung „Occupy“, die auf die Macht und Überheblichkeit der Banken aufmerksam macht.

Immer wieder „London calling“

Obwohl das Londoner Wetter den schlechten Ruf hat, grau zu sein, gleichen seine strahlenden Lichter und die beeindruckenden Parks und Gebäude die windigen Regentage aus. Tatsächlich wirken Tower Bridge – die bekannte Klappbrücke im neugotischen Stil über die träge Themse – und Buckingham Palace – die Residenz der britischen Monarchen – ein bisschen blass und zeitenüberdauert, wenn keine Sonne am Himmel strahlt. Vor allem der bekannte Königspalast scheint bei Tageslicht seinen Glanz verloren zu haben. Nicht das Gebäude zieht zuerst den Blick der Touristen auf sich, es sind vielmehr die zahlreichen britischen Flaggen am Straßenrand, die darauf hindeuten, dass da der Sitz der Monarchin ist.

Aber die königliche Leibgarde, der Saint James-Park in herbstlichen Farben, der sich in der Nähe erstreckt, sowie die koketten Eckhäuser und die seitlichen Gassen mit schicken Gebäuden verleihen der Stadt Charme. Beeindruckend ist vor allem der Westminister-Palast, oft auch House of Parliament genannt, in dem das aus dem House of Commons und dem House of Lords bestehende britische Parlament tagt.

Der wohl bekannteste Teil des Palastes ist der Uhrenturm (Clock Tower) mit der Glocke Big Ben. Wer bei der Namensgebung des Big Ben Pate stand, kann man nicht eindeutig sagen. Vermutungen deuten auf den Staatsdiener Sir Benjamin Hall hin. Zu seinen Zeiten war die Namensfindung für die Glocke ein heißes Diskussionsthema und angeblich sagte Benjamin Hall in einer Rede: „Why not call him Big Ben and be done with it?“ („Warum nennen wir ihn nicht einfach Big Ben und damit fertig?“). Das berühmte „London Eye”, eines der größten Riesenräder überhaupt, in der Nähe des Westminister-Palasts lädt auch zum Schauen und Chillen ein.

Die älteste U-Bahn-Linie der Welt

Überall in der Stadt gibt es die rot-blauen Taxis mit dem Motto „London calling“ und die roten Doppeldeckerbusse, welche die Oxford Street herabrollen und die Straßen beleben. Die Gassen sind mit altmodischen Pubs und knallroten Briefkästen sowie echt britischen Telefonzellen gespickt – eine weitere Fotoattraktion für Touristen.

Seit der Einführung der Citymaut, die den Verkehr in der Innenstadt einschränkt, ist es heute auch angenehm und sicher, mit einem gemieteten Fahrrad herumzusausen und, in vielen Gegenden, die Stadt zu Fuß zu erkunden.

Natürlich sollte man sich eine Fahrt mit der U-Bahn nicht entgehen lassen – in der Londoner Umgangssprache „The Tube“ (deutsch: das Rohr) genannt – denn die London Underground-Bahn ist das älteste und nach der Metro von Shanghai das zweitlängste U-Bahn-Netz der Welt.

Zurzeit gibt es 260 Stationen. Die Länge des Streckennetzes beträgt rund 400 Kilometer. Außerhalb der Innenstadt befinden sich die Linien mehrheitlich an der Oberfläche, nur 45 Prozent aller Strecken sind im Tunnel. Obwohl von „Metropolitan Railway“, die weltweit häufigste Bezeichnung für eine U-Bahn als „Metro“ abgeleitet wurde, wich dieser Begriff im britischen Englisch bereits Ende des 19.Jahrhunderts der Bezeichnung “Underground” – später dann auch eine interessante Musikrichtung der Neuzeit.

Je nach Geschmack:Grusel- oder Wachskabinett

Wer es gerne mysteriös mag, ist im Dungeon gut aufgehoben. Das trendige Gruselkabinett unter dem „London Bridge“ bietet Nervenkitzel live in allen Variationen und einen Einblick in die blutige Geschichte Englands der vergangenen zweitausend Jahre: Ausstellungen über die Große Pest von London, Jack the Ripper sowie Bloody Mary sind hier zu besichtigen.

Madame Tussauds, das Wachsfigurenkabinett, ist nach wie vor gefragt. Hier können sich Touristen mit Stars und Königlichen Hoheiten ablichten lassen. Besondere Museen sind zweifellos die „Modern Tate“ und das „British Museum“. Bei kostenlosem Eintritt sind hier die Highlights der Weltkultur zu bewundern, so zum Beispiel: ägyptische Mumien, Arbeiten auf Papier von Michelangelo und Albrecht Dürer sowie der Stein von Rosetta – der zur Übersetzung der ägyptischen Hieroglyphen beitrug – die berühmte halbrunde, steinerne Stele mit einem in drei Schriften (Altgriechisch, Demotisch, ägyptischen Hieroglyphen) eingemeißelten Priesterdekret als Ehrung des ägyptischen Königs Ptolemaios V.

Schlendern auf dem „Portobello Road Market“

Viel Zeit vergeht bei einem Besuch der britischen Hauptstadt vor allem mit Schauen, Bewundern und Schlendern. Der schönste Flohmarkt überhaupt findet immer samstags auf der Portobello Road in Notting Hill statt. Montags bis freitags wird dort der „Portobello Road Market“ als Lebensmittelmarkt veranstaltet. Touristisch bekannt ist der Markt jedoch für samstags, wenn auch Second-hand-Kleidung und Antiquitäten angeboten werden. Wer hingegen gerne die Trendshops durchstöbert, kann das stundenlang rund um die Oxford Street tun.

Je nachdem, ob man auf Urlaubs- oder Geschäftsreise in der britischen Hauptstadt weilt, oder einfach auf Shopping-Tour, die charmante Metropole hat für jeden etwas zu bieten. Den Reisezweck sieht man den Leuten schon auf dem Flughafen oder in den Zügen an: Geschäftsreisende in Anzügen, mit schwarzen Aktentaschen, und Smartphones, die den Blick für immer festhalten, wenn der Zug an wichtigen Sehenswürdigkeiten vorbeifährt, während Shopping-Trips an verschiedene Firmenlabels auf den Kartontüten, die nicht mehr ins Gepäck passen, deutlich werden.

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