Leichte Kurskorrektur des Marktes nach Verabschiedung des Hypothekengesetzes

Ein Rückblick auf den Handel an der Bukarester Wertpapierbörse

Bukarests Aktienmarkt unterzog sich in der vergangenen Woche erneut einer leichten Kurskorrektur. Die Verluste der wichtigsten Aktienindizes lagen zwischen 0,21 Prozent für den ROTX-Index und 1,13 Prozent für den BETPlus-Index. 38 Emittenten verzeichneten Kursverluste, nur 22 schlossen die Woche mit Gewinnen ab. Die Umsätze zogen wieder kräftig an, im Vergleich zur umsatzschwachen Vorwoche lagen die Tagesumsätze jedes Mal im zweistelligen Millionen-Bereich. Der durchschnittliche Tagesumsatz lag in der vergangenen Woche bei 31 Millionen Lei (18 Millionen Lei in der Vorwoche), der Gesamtumsatz bei 155 Millionen Lei (oder 34,8 Millionen Euro). Die Marktkapitalisierung – der Gesamtwert aller an der Börse gehandelten Aktien – stieg um 1,16 Prozent auf 133,13 Milliarden Lei (29,8 Milliarden Euro).

Unter den Aktien zeichneten sich vor allem der Hotelbetreiber SIF Hoteluri (CAOR, 2,4 Lei, ISIN ROCAORACNOR9) mit einem Wochengewinn von 14,83 Prozent und der Hafenbetreiber Oil Terminal (OIL, 0,103 Lei, ISIN ROOILTACNOR9) mit plus 6,19 Prozent aus. Am anderen Ende der Skala verzeichnete Turbomecanica (TBM, 0,0466 Lei, ISIN ROTBMBACNOR9) einen Rekordverlust von 22,33 Prozent und der Transformatorenhersteller Retrasib (RTRA, 0,316 Lei, ISIN RORTRAACNOR6) mit minus 14,59 Prozent.

Bankaktien im Fokus

Erwartungsgemäß belastete das in der vergangenen Woche vom Parlament verabschiedete Hypothekengesetz die Kurse der rumänischen Banken an der Börse. Während die Erste Bank (ABS, 114 Lei, ISIN AT0000652011) auf Wochensicht 3,16 Prozent zulegte und damit den ROTX-Index stützte, schlossen die BRD (BRD, 9,92 Lei, ISIN ROBRDBACNOR2), die Banca Transilvania (TLV, 2,685 Lei, ISIN ROTLVAACNOR1) und die Banca Comercial² Carpatica (BCC, 0,104 Lei, ISIN ROBACRACNOR6) mit Verlusten von 0,99 Prozent beziehungsweise 2,54 Prozent und 3,25 Prozent. Das in der vergangenen Woche verabschiedete Gesetz sieht für Hypothekennehmer die Möglichkeit vor, unter gewissen Umständen ihre Kreditschuld mit Abgabe der Hypothek-Immobilie an die finanzierende Bank zu tilgen. Kritiker befürchten eine Belastung der Bankenbilanzen.

Bankaktien könnten in der nächsten Zukunft jedoch wieder etwas Aufwind bekommen. Die Banca Transilvania ist im MSCI Frontier Market Index aufgestiegen und derzeit der rumänische Emittent mit der höchsten Gewichtung in diesem Index des US-amerikanischen Finanzdienstleisters MSCI. Die SocGen-Tochter BRD hat das Budget für das laufende Jahr mit einem Plus von 8 Prozent in der Kreditvergabe verabschiedet und das Mandat des CEO Philippe Lhotte um weitere vier Jahre ab September 2016 verlängert. Das sind Nachrichten, die unter normalen Marktbedingungen zu Kurszuwächsen führen würden. Gepaart mit einer Abkühlung der Emotionen in Sachen Hypothekengesetz könnte dies bei den rumänischen Bankaktien für ein Kursplus sorgen.

Augenmerk auf Romgaz

Kurzfristig dürfte sich das Augenmerk der Anleger auf Romgaz (SNG, 26,4 Lei, ISIN ROSNGNACNOR3) konzentrieren. In dieser Woche läuft die Sperrfrist für den Fonds Proprie-tatea (FP, 0,761 Lei, ISIN ROFPTAACNOR5) für den Verkauf der Beteiligung ab. Da der Deal mit dem Stromversorger Electrica (EL, 12,28 Lei, ISIN ROELECACNOR5) über den Verkauf von drei regionalen Versorgern vor zwei Wochen geplatzt ist, braucht FP nun Bares, um seine Aktienrückkäufe weiter zu finanzieren. Analysten erwarten daher, dass FP seine 5,85 Prozent an Romgaz verkaufen wird. Der Verkauf dürfte sich auf die Kurse beider Emittenten – sowohl FP als auch SNG – auswirken. Das Geschehen an den internationalen Börsen in dieser Woche wird maßgeblich von den Gesprächen der OPEC-Staaten in Doha abhängen und der dadurch beeinflussten Erdöl-Preisentwicklung. Auch die Börse in Bukarest wird davon nicht verschont bleiben. Ein Ende der fallenden Erdölpreise dürfte bei Endverbrauchern für Verdruss sorgen, so mancher Emittent würde aber davon profitieren.

Devisen

Das Hypothekengesetz setzte der rumänischen Währung in der vergangenen Woche zu. Nach dessen Verabschiedung durch das Parlament am vergangenen Mittwoch verlor der Leu am Folgetag sowohl gegenüber dem Euro als auch dem US-Dollar. Vor allem der US-Dollar konnte sich in der vergangenen Woche gegen den Leu durchsetzen. Auf Wochensicht verlor die rumänische Währung satte 1,2 Prozent, die amerikanische Währung kletterte somit auf 3,972 Lei und nähert sich entschlossen wieder der 4-Lei-Marke. Der Euro festigte seine Position jenseits der 4,45-Lei-Marke und schloss die Woche bei 4,4731 Lei. Auf Wochensicht verlor der Leu somit 0,15 Prozent zum Euro.

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