Bußgeld für Rettungsaktion

Umweltministerium und Nationale Umweltaufsicht monierten gesetzeswidriges Vorgehen

Eine Geldstrafe im Wert von 10.000 Lei verhängte am 2. April die Hermannstädter Nationale Umweltaufsicht zu Lasten des Großauer Vereins „Prietenii Berzelor“ (Freunde der Störche) wegen der Rettung zweier mutterloser Bärenjungen, die von einem Jugendlichen in der Nähe einer Hütte in der Gegend von Birthälm/Biertan gefunden worden waren.

Den Aussagen der Vereinsleitung zufolge wurde am 30. März ein Telefonanruf eines Vertreters des Vereins „Milioane de Prieteni“ (Millionen Freunde) empfangen, der um Unterstützung bei der Rettung zweier junger Bären bat. Die Vereinsleitung habe daraufhin wiederholt erfolglos versucht, die Vertreter verschiedener Umweltbehörden in Hermannstadt zu erreichen, worauf der Beschluss gefasst wurde, mit der Rettungsaktion fortzufahren.

„Als wir bei den Jungbären angekommen sind, haben wir festgestellt, dass sie an Dehydratation und schwerem Durchfall litten und in Lebensgefahr schwebten. Auf dem Rückweg nach Großau haben wir versucht, uns mit den Vertretern verschiedener Behörden in Hermannstadt in Verbindung zu setzen, um eine gesetzlich zulässige Lösung für unsere Lage zu finden. Weil sich der Zustand der Bären immer weiter verschlimmerte und es uns normal vorkommt, als erstes für das Leben zu kämpfen, haben wir beschlossen, Kehrt zu machen und schleunigst nach Zărnești zu fahren, um entsprechende Fachhilfe in Anspruch zu nehmen. In Zărnești angekommen wurden die Jungbären von den Vertretern des Vereins Milioane de Prieteni übernommen und von ihrem Tierarzt untersucht. Während der tierärztlichen Untersuchung ist das Mobiltelefon zum Laden im Auto geblieben. Bei der Abfahrt aus Zărnești habe ich festgestellt, dass ich zahlreiche Telefonanrufe verschiedener Behörden in Hermannstadt empfangen hatte. Ich habe ihnen mitgeteilt, dass die Bärenjungen in das Bärenreservat in Zărnești verbracht wurden, wo sie nun in Sicherheit sind. Sie teilten uns mit, dass wir demnächst zum Sitz der Nationalen Umweltaufsicht eingeladen werden, wo eine Anhörung im Beisein der Vertreter des Dienstes für Schusswaffen, Spreng- und gefährliche Stoffe im Rahmen des Hermannstädter Kreispolizeiinspektorates (ISJ-SAESP) stattfinden wird. Heute haben wir uns zur Anhörung eingefunden, wo ein Bußgeld im Wert von 10.000 Lei gegen uns verhängt wurde“, so die Vereinsvorsitzende Miruna Gritu in einer Pressemitteilung.

Dem Umweltministerium zufolge soll der Beschluss der beiden an der Rettungsaktion beteiligten Vereine, die Jungbären zu übernehmen und nach Zărnești zu verbringen, gesetzeswidrig gewesen sein. „Die gesetzlichen Vorgaben sind äußerst klar: Privatpersonen oder Vertreter einer Rechtsperson, die zufällig in den Besitz von Exemplaren wildlebender Tierarten kommen, sind verpflichtet, diese Tatsache umgehend dem Kreiskommissariat der Nationalen Umweltaufsicht (über die Notrufnummer 112) zu melden und eine Erklärung über den zufälligen Fang einer streng geschützten Tierart zu unterzeichnen. In diesen Fällen muss die Priorität das Finden der besten Lösungen zur Rettung und Rehabilitation der betreffenden Exemplare sein. Die Nationale Umweltaufsicht ist diejenige Einrichtung, die gemeinsam mit der Agentur für Umweltschutz und der Direktion für Tierschutz und Lebensmittelsicherheit (DSVSA) über das entsprechende Verfahren beschließt. 

Die Tierärzte untersuchen sofort den Gesundheitszustand und infolge der Untersuchung wird beschlossen, ob die Versetzung in die vorübergehende Obhut eines Rehabilitationszentrums von-nöten ist. Obwohl sie festgestellt haben, dass der Gesundheitszustand der Jungbären prekär ist und sie seit 2007 im Bereich des Tierschutzes tätig sind, haben die Vertreter des Vereins Freunde der Störche beschlossen, die gesetzlichen Vorgaben zu ignorieren und die beiden Exemplare mit einem PKW, ohne Aufsicht eines Tierarztes, von Hermannstadt nach Zărnești zu verbringen, um sie an das Bärenreservat AMP Libearty - Bear Sanctuary zu übergeben. Die Vertreter des Vereins „Milioane de Prieteni“ waren jene, die die Behörden gegen 17 Uhr über die Sachlage informiert haben und darüber, dass sie die beiden Bärenjungen übernehmen werden. Gleich nach Eingang der Mitteilung haben die Kommissare der Nationalen Umweltaufsicht fast vier Stunden lang erfolglos versucht, sich mit den Vertretern des Vereins ‘Prietenii Berzelor’ in Verbindung zu setzen. Sie konnten erst gegen 21 Uhr erreicht werden, nachdem die beiden Jungbären an Libearty übergeben worden waren“, so das Umweltministerium auf der eigenen Facebook-Seite, das auch darauf hinwies, dass das zu entrichtende Bußgeld, so es innerhalb von 15 Tagen bezahlt wird, nur 2500 Lei beträgt.

Der Hermannstädter Nationalen Umweltaufsicht zufolge habe sich ein ähnlicher Fall am 3. April in Bürgisch/Bârghi{ ereignet, bei dem die Beteiligten gesetzeskonform vorgegangen wären. „Vor Ort haben sich sofort Vertreter der Nationalen Umweltaufsicht, der Agentur für Umweltschutz, der DSVSA, des Kreispolizeiinspektorats in Hermannstadt und des Vereins Milvus eingefunden. Der Gesundheitszustand des Bärenjungen wurde von einem Tierarzt untersucht, wonach es in das Rehabilitationszentrum Bear Again Rehabilitation Center for Orphan Bears in Bălan/Kreis Harghita verbracht wurde. Hier wird das Bärenjunge besondere Pflege ohne direkten Kontakt zu Menschen in einem Umfeld erhalten, das seinem natürlichen Habitat gleicht, sodass es, sobald es sich selbstständig ernähren kann, wieder in den Wald entlassen werden kann“, so die Nationale Umweltaufsicht in Hermannstadt.

Obwohl die Mittel zur Deckung des verhängten Bußgeldes in der Zwischenzeit dank einer Spendensammelaktion zur Verfügung stehen, will der Verein „Prietenii Berzelor“ Einspruch gegen den Beschluss einlegen.

 

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