„Die Erinnerung an die Russlanddeportation ist eine Pflicht“

Festgottesdienst und Kranzniederlegung in Schinal

Die Gedenkmesse zelebrierte Ernest Tzier in der römisch-katholischen Kirche der Gemeinde.

Vorstandsmitglieder des DFD bei der Kranzniederlegung. Fotos: György Elek

Schinal - „Am schwierigsten war es, als nichts Erwähnenswertes passierte. 1948 kam ich mit einem Krankentransport nach Hause, da wog ich 33 Kilogramm. Viele denkwürdige Ereignisse geschahen zwischen dem 3. Januar 1945 und dem 3. Juli 1948, aber das Schwierigste war, als nichts Besonderes passierte, nur die Sklavenarbeit, die Körper und Seele zerquetschte, Erkältungen, Hunger und die ständige Sehnsucht nach Zuhause. Die Deportation brachte nicht nur körperliches Leiden mit sich, sondern verursachte auch einen tiefen Bruch in unserer Seele, da wir wegen des eigentümlichsten Merkmals unserer Persönlichkeit, wegen unseres Deutschtums, litten. Wie oft ist die Frage aufgetaucht: Darf man Deutscher oder Schwabe bleiben?“, zitiert Ernö Boros die ehemalige Russlanddeportierte Jolan Czier (geb. Mellau) aus Schinal/Urziceni in seinem Buch „Die Geschichte der Deportation der Sathmarer Schwaben“ (A szatmári svábok deportálásának története). Seit der Deportation der Sathmarer Schwaben sind 76 Jahre vergangen. Nur noch eine Zeitzeugin, Maria Czier, die ebenfalls deportiert wurde, lebt in Schinal. Sie nahm vergangenen Sonntag an der Gedenkmesse zu Ehren der Opfer der Russlanddeportation in Schinal teil. An der Gedenkfeier beim Denkmal der Deportierten konnte Maria Czier wegen ihres hohen Alters nicht mehr dabei sein. „Es ist unsere Pflicht, uns an die Helden und die Opfer zu erinnern“, sagte Pfarrer Ernest Tzier in seiner Predigt während der Gedenkmesse. Bei der Kranzniederlegung nahmen viele Einheimischen darun-ter auch Kreisratsvorsitzender Csaba Pataki und Florin Găzdac, seitens der Präfektur aus Sathmar teil. Das Demokratische Forum der Deutschen wurde durch Josef Hölzli, Vorsitzender des DFD Nordsiebenbürgen, Herbert Ludescher, stellvertretender Vorsitzender des Kreisforums Sathmar und Stefan Kaiser, Vorsitzender des Stadtforums Sathmar vertreten. Begleitet vom Lied „Tief in Russland bei Stalino“, gesungen vom Kirchenchor, fand die Kranzniederlegung statt. Tibor Schupler, Bürgermeister der Gemeinde Schinal bot in seiner Rede eine kurze Zusammenfassung über die Ansiedlung der Schwaben im Sommer 1712 und erwähnte dabei, dass Schinal die erste von Schwaben besiedelte sathmarschwäbische Gemeinde sei. Herbert Ludescher, stellvertretender Vorsitzender des Kreisforums Sathmar und Vorsitzender des Lokalforums in Schinal schilderte das traurige Schicksal der Sathmarer Schwaben und sprach über die Pflicht des Deutschen Forums, im Rahmen der jährlichen Gedenkfeier sich an die Russlanddeportation zu erinnern und die Bedürftigen zu unterstützen. Josef Hölzli, Vorsitzender des Regionalforums Nordsiebenbürgen unterstrich auch die Wichtigkeit des jährlichen Gedenkens an die Deportation in jeder schwäbischen Ortschaft und erwähnte dabei die moralischen und materiellen Unterstützungen seitens der Deutschen Regierung sowie den Beitrag des DFDR-Abgeordneten Ovidiu Ganț, der zusammen mit seinen beiden Kollegen im Parlament Slavoliub Adnagi und Silviu Vexler die Gesetze zur Entschädigung der Opfer der Deportation in die Wege geleitet hatte. Anschließend an die Gedenkfeier sprach Pfarrer Ernest Tzier ein Gebet für die Deportierten.

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