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Die Mundart als vertraute Heimat

BZ-Seite „Pipatsch“ feierte 50-jähriges Jubiläum

Volkstänze aus dem Banat: Am Nachmittag trat unter anderen auch die Dettaer „Edelweiß“-Tanzgruppe im AMG-Haus auf. Fotos: Zoltán Pázmány

Sie ist das Herz der Pipatsch-Seite: Helen Alba ist seit Jahren darin engagiert, dass die achte und somit letzte Seite der BZ auf „Schwowisch“ erscheint.

Lustige Augenblicke hielt ADZ/BZ-Fotoreporter Zoltán Pázmány mit seiner Kamera fest. Die Ausstellung bewunderten zahlreiche Gäste, darunter auch Ignaz Bernhard Fischer, der selbst in Mundart schreibt.

50 Jahre feiert in diesem Jahr die Mundartseite „Pipatsch“ der „Banater Zeitung“ – ein Jubiläum, das dementsprechend markiert werden muss. Dies dachte sich auch Helen Alba, die langjährige Koordinatorin der Mundartseite in der „Banater Zeitung“ (BZ), die dafür am Samstag, dem 5. Oktober, eine Veranstaltung im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus auf die Beine stellte. Bei dem Jubiläumsevent, das im Karl-Singer-Saal über die Bühne ging, kamen Mundartautoren, Leser sowie Freunde der Pipatsch-Seite zusammen. Rohtraut Wittstock, Chefredakteurin der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“ (ADZ), in der die BZ und somit auch die Pipatsch-Seite eingebettet ist, reiste dafür aus Bukarest an. Anwesend war auch der Abgeordnete der deutschen Minderheit im Parlament Rumäniens, Ovidiu Ganț, der seine Zeit zwischen zwei Veranstaltungen aufteilen musste. Zeitgleich fand in der sogenannten „großen“ Nikolaus-Lenau-Schule auch der Internationale Banater Lehrertag statt.

Die Jubiläumsveranstaltung moderierten Helen Alba und die Zwölftklässlerin am Lenau-Lyzeum, Astrid Kataro, die aus Keglewitschhausen/Cheglevici stammt und in der banatschwäbischen Tanzgruppe „Buntes Sträußchen“ aus Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare mittanzt. Gesprochen wurde fast ausschließlich auf Schwäbisch („Schwowisch“), allein die Ehrengäste, die ein Grußwort ausrichteten, taten dies auf Hochdeutsch. In der Einleitung sprach Claudio Alba, der Sohn der Pipatsch-Koordinatorin Helen Alba, der eigens aus Regensburg, Deutschland, angereist war, um bei dem Jubiläum dabei zu sein. Zu Wort kamen außerdem ADZ-Chefredakteurin Rohtraut Wittstock, BZ-Redaktionsleiter Siegfried Thiel, Stafette-Leiterin Henrike Brădiceanu-Persem, der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, Dr. Johann Fernbach, und der Parlamentarier Ovidiu Ganț.

„Ich bin fest überzeugt, dass unsere ´Pipatsch´ auch eine Zukunft hat, so wie unser Banater Klatschmohn auf der Heide jedes Jahr weiterblühen wird“, sagte Johann Fernbach in seiner Ansprache. ADZ-Chefredakteurin Rohtraut Wittstock wandte sich ebenfalls mit einem Grußwort an die Gäste. Sie bedankte sich bei den Pipatsch-Mitarbeitern, allen voran bei Helen Alba, die die meisten Beiträge schreibt und die Seite zusammenstellt. „Die Sonderseite in banatschwäbischem Dialekt hatte über all die Jahre ihre treuen Leser. Das sind nicht nur die Banater Schwaben. Ich selbst kenne in Bukarest Bukowiner, die nicht einmal Deutsche sind, aber denen das Deutsche als Sprache der Kindheit aus der Czernowitzer Zeit sehr vertraut, durch die deutschen Schulen eine Zweitsprache geworden war. Sie lesen die Pipatsch mit Vergnügen, es erinnert sie an das gesprochene Deutsch in der Heimat ihrer Kindheit“, sagte Rohtraut Wittstock, die in besonderer Weise Helen Albas Engagement bei der Gestaltung der Pipatsch-Seite hervorhob. „Man merkt, da ist eine Mitarbeiterin am Werk, die für ihre Arbeit viel übrig und Respekt für ihren Leserkreis hat“, fügte sie hinzu. Die Mundart sei die vertrauteste Heimat – unabhängig von dem Ort, an dem man lebe. „Ich kann Ihnen nur raten: Lassen Sie sich diese vertraute Heimat nicht nehmen“, ergänzte sie.
BZ-Redaktionsleiter Siegfried Thiel erwähnte den Humor, den er stets in der „Pipatsch“ gesucht hat und weiterhin sucht. „Wenn nun nach Vorlagen Trachten genäht werden oder mit viel Übung Tänze eingelernt werden können, so ist das Erlernen der Mundart zumindest ab einem gewissen Alter fast unmöglich. Das Banatschwäbische wird langsam, aber sicher zu einer toten Sprache“, sagte Siegfried Thiel. Deshalb sei die `Pipatsch` für die kommenden Generationen „eine Fundgrube von hohem sprachlichem Wert und gleichzeitig Zeitzeuge für die Geschichte und Sprache der Banater Schwaben“, sagte er. Der Abgeordnete Ovidiu Ganț erwähnte die Freude, mit der die Leser und er selbst sich die „Pipatsch“ ansehen würden.

Einen geschichtlichen Umriss der Pipatsch-Gründung und -Entwicklung, von Helmut Ritter verfasst, las die aus Bogarosch/Bulgăruș stammende und zurzeit in Tschanad/Cenad lebende Pipatsch-Mitarbeiterin Monika Ernst vor. „Als am 9. November 1969 in der Früh um 3 Uhr und 25 Minuten die NBZ-Mundartbeilage Pipatsch zum ersten Mal „blühte“, konnte keiner auch nur ahnen, geschweige denn wissen, wie langlebig sie sein und welcher Beliebtheit sie sich bei ihren Lesern erfreuen sollte. Seit dem Druck ihrer ersten Ausgabe sind inzwischen 50 Jahre vergangen und die Pipatsch erscheint noch immer, auch wenn sie ihre beste Zeit bereits längst hinter sich hat“, hieß es zu Beginn des Vortrags. Darin schilderte Helmut Ritter, wie die „Pipatsch“ als Nachfolgerin der „Pollerpeitsch“ von dem NBZ-Chefredakteur Nikolaus Berwanger ins Leben gerufen wurde. Die Bezeichnung „Pipatsch“ habe Berwanger vom Bogaroscher Mundartdichter Johann Szimits übernommen, der 1908 seine Volksliedersammlung „Pipatsche un Feldblume vun dr Heed“ betitelt hatte. 

Seit fast 30 Jahren ist es eine Bogaroscherin, die sich um die Gestaltung der Pipatsch-Seite kümmert: Helen Alba, 1990 als Korrektorin in die Redaktion der NBZ gekommen. Zusammen mit ihrer Tochter Simona schaffte es Helen Alba, eine Reihe von Mitarbeitern heranzuziehen, die regelmäßig für die „Pipatsch“ schrieben, darunter Ignaz Bernhard Fischer, Eva Mayer, Hans Parison, Hans Werthan, u. v. m. „Wir sind viel ausgefahren. Damals gab es noch deutlich mehr Banater Schwaben in den Ortschaften und sie hatten das Bedürfnis, mit jemandem zu sprechen“, erinnerte sich Helen Alba. „Ich bin oft mit dem BZ-Fotoreporter Karl Windberger ausgefahren, dann kam Zoltán Pázmány hinzu – wir waren das Banater Trio. Es gibt wenige Ortschaften, die ich nicht kenne“, erzählte Helen Alba. „Es hat Spaß gemacht und ich habe anderen eine Freude bereitet. Ich bin kein Berwanger oder Kehrer, aber ich habe das mit derselben Hingabe weitergemacht“, fügte sie hinzu. Anlässlich des Pipatsch-Jubiläums konnten die Anwesenden einige Fotos von Zoltán Pázmány bewundern – sie waren allesamt im Laufe der Jahre auf der Pipatsch-Seite erschienen und schafften es auch diesmal, dem einen oder anderen Betrachter ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Dass die banatschwäbische Mundart irgendwann mal aussterben würde, daran sei nicht zu zweifeln, so Helen Alba. „Es dauert aber noch“, fügte sie hinzu. Unter den jungen Menschen gäbe es nur noch sehr wenige, die die Mundart mit in die Wiege gelegt bekommen haben. Eine davon ist Astrid Kataro, die ab und zu für die BZ schreibt. „Das Schwäbische ist ein Teil von mir. Mein Großvater hat mir die Mundart und die Traditionen beigebracht und ich möchte sie pflegen und weitergeben“, sagte sie.
Das Jubiläumsprogramm umfasste die Vorstellung des Buchs „1000 Banatschwowische Sinnsprich“ von Stefan Michael Müller. Das Buch stellten der Schriftsteller und BZ-Mitarbeiter Balthasar Waitz und der Vorsitzende des Vereins der Ehemaligen Russlanddeportierten und Mundartautor Ignaz Bernhard Fischer vor. Der 88-jährige Stefan Michael Müller, gebürtig aus Perjamosch/Periam, lebt seit 1992 in Deutschland und schreibt Gedichte sowohl in Mundart, als auch auf Hochdeutsch. Sein Debüt machte er mit über 70, als er im Sammelband „Stafette“ erstmals veröffentlichte.

Das Pipatsch-Jubiläum ging am Nachmittag mit einem bunten Kulturprogramm weiter. In der Moderation der Zehntklässlerin an der Nikolaus-Lenau-Schule, Martina Nenadov, die ebenfalls noch das „Schwowische“ beherrscht, traten die Tanzgruppe „Edelweiß“ aus Detta/Deta, der Chor „Temeswarer Liederkranz“, die Seniorentanzgruppe „Bunter Herbstreigen“, der Jugendtrachtenverein „Banater Rosmarein“ und die „Banater Musikanten“ auf der Bühne im Karl-Singer-Saal auf, während Astrid Kataro auf „Schwowisch“ vortrug. Das Pipatsch-Jubiläum wird am morgigen Samstag, dem 12. Oktober, ab 11 Uhr, im Náko-Schloss in Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare weitergeführt.

cffviseu

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Bemerkungen :

  • user
    Herbert Schönauer 11.10.2019 Beim 20:51
    Leider sind die meisten Landsleute ausgewandert und die die noch in der Heimat sind haben den siebenbürger-Tonfall verlernt. Auch die typischen Worte, die man (fast) nur in der Heimat kannte, werden zunehmend vergessen. Deshalb hier zur Erinnerung ein Wörterbuch, dass vielen älteren Sachsen vertraut sein dürfte:
    Viel Spass beim Lesen - würde mich über Kommentare freuen
    Herbert Schönauer Kronstadt

    Agrisch. Egrisch Stachelbeeren (auch als Sprichwort: "in Agrisch geschickt" = falsch geleitet, den Weg zur falschen Stelle erklärt)
    am Schlawittchen packen am Kragen packen
    Ardee, der Paprika (rot. gelb, grün)
    auf der Hantoi Unterwegs sein, ausgehen, mit und ohne genauen Ziel
    auf die Seite gehen auf das Klo gehen , austreten (Schuldeutsch)
    Aufboden, der Speicher, der Raum (Boden) unter dem Dach des Hauses
    aufgepletscht aufgeplatzt (z.B. Naht)
    aufkredenzen auftischen, bewirten
    Augengläser, die Brille (wo sind meine Augengläser?)
    ausbrinzen aus wringen
    Backi, das Kuchen. Gebäck (Kindermund)
    Backe, die Wange
    Bagasch (Bagage), die Pack. Bande (negativ für eine Gruppe)
    behen, bähen Toasten, Brot rösten (z.B. gebehtes Brot)
    betickelt leicht (oder mehr) angeheitert (Alkohol)
    betrenzt bekleckert, betropft
    betrepst unschlüssig, traurig-erstaunt, geistig überfahren, seelisch bedrückt ("Er sah ganz schön betrepst aus.")
    Bibi, das Wunde. Schnierzstelle (Kindermund)
    Bizikel, das Fahrrad
    Blanken, der Bretterzaun. Holz-Gartenzaun (auch Sprichwort oder Fluch: "Deine wilde Groß* am Blanken!" für : "Laß mich in Ruhe und verschwinde!"
    bockig sein eigensinnig, gegenteiliger Meinung sein, widerstreben
    Bokantschen Berg schuhe, Schieschuhe (=Schibokant sehen)
    Brintsch Stoß, Schubs ("Einen Brintsch geben!")
    brinzen gewaltsam winden (Wäsche), auswringen
    Bonzi kleines Schweinchen, Ferkel (Kindermund)
    Burezzen Pilze
    buzzen basteln, un fachmännisch heiuuhantieren, fummeln
    Chef, Kef der Feier, Party, Unterhaltung
    cheffen, keffen feiern
    Dachziegel, die Dachziegel: mit Knoblauch bestrichenes und getoastetes Schmalzbrot (Fettbrot)
    Deka, ein Dekagramm Gewichtseinheit (1 Deka = 10 Gramm) (dafür gibt es den in Deutschland gebräuchlichen Begriff "Pfund" für ein halbes Kilo nicht.
    Egrisch, Agrisch, der Stachelbeeren
    Einser, der Eins (zum Beispiel "er hat einen Einser bekommen" = statt eine Eins!"
    Eiskasten, der Kühlschrank
    ete-petete übertrieben vornehm
    Fanges, das Fangen (Spiel der Kinder / Kindermund)
    faschee verkracht, zerstritten
    Faschiertes Hackfleisch
    Fauni Schlagsahne
    Faxen Blödsinn ("Faxen machen" = Unsinn, Schabernack machen")
    Fexilpes geflochtener Weidenkorb
    Fetzen Wischlappen
    Feustlinge Handschuhe (für die ganze Hand ohne Fingerteile)
    Firlefanz, der Verspielt-gewitzter Keil
    Fisolen, die Bohnen
    Fitschipfei Energiebündel (Kindermund)
    Fitzko, der Schhtzohr, junger gewitzter Kerl
    Fleischlaberl, das Buletten, Frikadellen. (ium.Piftele)
    flotzen kräftig spucken, speien
    flunkern übertreiben, nicht die Wahrheit sagen.
    fluren pinkeln
    Fotel Wohnzimmersessel (kommt aus dem Französichen)
    Franselle, die ängliches Weisbrot (das ursprünglich ein Bäcker Franz Seller auf den Markt gebracht haben soll)
    Galoschen, die Gummi-Uber schuhe
    Gatch, die Unterhose
    Gebin Zimmerdecke
    Gech.die Krautsuppe, Sauerkrautsaft
    Gelse, die Stechmücke, Schnake
    Geseires, das Gejammer. Zores ("Er macht ein Geserres" = er macht einen Riesenaufstand wegen einer Xifhfiwteirt
    Getüm, das Etwas sehr Großes (z. B. ein großer Schrank - im Gegensatz zu Ungetüm hat es nichts bedrohliches an sich)
    Givetsch, das Gemüseeintopf. Gemüsezuspeise
    Glasur, die Federkästchen aus Holz für Schreibzeug (Schule)
    Glitsch, die Eisrutschbahn. Schlitterbahn
    Goderl, das Doppelkinn
    Godi. die Taufpatin
    Gogoschar, die Tomatenpaprika, dicke rote Paprika
    gomern Lust / Neid auf anderer Leute Essen haben z.B. gomert ein Kind, das das andere Schokolade essen sieht.
    Gösch, die (auch Gosche) Maul. Fresse, Mund z.B. "Du kriegst eins auf die Gösch!" = Ich hau Dir aufs Maul! / Oder "der kann seine Gosch nicht halten" = alles ausplaudern
    Grammel, die Grieben (die beim Auslassen'Erhitzen von Speck übrigbleibenden festen Bestandteile werden gerne gesalzen gegessen = salzige Nascherei.)
    Hallodri, der Schlitzohr (leichtsinniges)
    Hanklich, der Fladengebäck aus Brotteig mit pikantem oder süßem Belag, Hefekuchen
    Hantoi Unterwegs weg sein (gibt es eigentlich nur im Zusammenhang mit "auf der Hantoi" ausgehen, mit und ohne genauen Ziel ohne dass man weiss wann jemand wiederkommt)
    heikel überempfindlich beim Essen
    Hetschenpetsch. die Hagebutten, Hagebuttenmarmelade
    hoi auf. auf geht's !, los geht's!
    Hudribusch. der oberflächlicher Mensch, (ein Mensch, der eine Arbeit zwar schnell - aber nicht perfekt erledigt.)
    Ikre. die Fischroggen, Fischroggenmayoaise (auch mit dem griechischen Tarama verwandt = Brotaufstrich)
    Impur Entwurf (einer Schriftsache)
    Ischler, der rundes Gebäck mit Füllung (zwei runde Gebäckplatten mit Füllung und Schokolade überzogen)
    Itsch, die/der ?? Murmel, Ton- oder Glaskugel (Spielzeug)
    Jaurt. die Joghurt
    jeden Piff andauernd ("jeden Piff kommt er und nascht"
    Jesses Maria für: "ach-Du-großer-Gott" oder "um-Gottes -Willen"
    joi ach (aus Schreckruf für "ach Gott!")
    Kakalatsch, die Kuhfladen (Kindermund)
    Kalib, die Versteck in den Sträuchern. Baumhaus
    kaprizieren sich konsequent gegen etwa streuben, uneinsichtig auf etwas beharren
    kaptschukg deppet, verrückt
    Karambolage, die Zusammenstoß (Autos)
    Karfîol, der Blumenkohl
    Kartoffel, der die Kartoffel (in Siebenbürgen ist die Kartoffel männlich)
    Karton, der Pappe. Pappschachtel
    kaschulieren schöntun
    Kassa, die Kasse, Kassenschalter
    Kasten, der Schrank
    Kächen Suppe
    Kigla Murnielspiel
    Kinkerlitzchen, das Kleinigkeit. Belanglosigkeit ("Er schreit wegen jedem Kinkerlitzchen" = er ist wehleidig)
    Kipfel, der Hörnchen-Gebäck (meist salzig = krumme La ugens tan ge)
    kiwwern in etwas grübeln (z.B."ki\vwer Dir nicht in der Nase!")
    Kletitte, die (Mehrzahl Kletitten) Pfannkuchen. Krepes (in der Pfanne erstellte Fladen, die meist mit Marmelade oder Zucker u. Zitone bestrichen mid gerollt werden)
    knagen nagen (z.B. "Knag nicht an den Kingernägeln!"
    Kniefei. die Finger (z.B. "Wasch Dir die Kniefei!")
    kopatz kahl geschoren. Stach o (z.B. "kopatz gestutzt" = die Haare am Kopf radikal abgeschnitten)
    Korbatsch, die Lederpeitsche
    Kot, der Schlamm, Morast (im Siebenbürgischen hart "Kot" nichts mit Exkrementen zu tun). Dieses Wort ist im Deutschen verloren gegangen und nur noch im "Kotflügel" entgalten.
    kotig dreckig, schlammig (Erde) (dieser Begriff hat nichts mit fäkalen Stoffen zu tun)
    Kotschen Windeln
    Kotzen Fetzen, Fetzenteppiche
    Kotter, der Lattenschrank im Garten
    kottern neugieriges wühlen, schnüffeln (z.B. "Wer hat in meinem Schrank gekottert?!")
    Kradder. der Popel aus der Nase
    Krampen, der Spitzhacke
    Krampus. der böser Mann
    Kramuri. die ungeordnetes Kiemzeug
    Kratz, die Obst klauen (z.B. "auf die Kratz gehen")
    Kramnrilade, die Lade für Kleinzeug ohne bestimmte Zuordnung
    Kratzewetz, die Gurke
    kraupet kränklich, kümmerlich (z.B. "Du siehst so kraupet aus." = Du siehst krank aus)
    Kredenz, die Bufet (Möbel), halbhoher Schrank (z.B. für Geschirr)
    Kren, der Meerrettich
    Krenwürstel, das Wiener- bzw. Frankfurter Würstchen
    Kreti und Pleti sinnbildlich für: "Hinz und Kunz"
    Krispindel. das dünne knochige Gestalt (z.B. "Iß. sonst bleibst Du ein Krispindel.")
    Krudder. der Frosch. Kröte
    Krumpirn Kartoffel
    Kruzitürken sinnbildlich für: "Verdammt nochmal!"
    kujonieren schikanieren
    Kukuruz, der Mais (z.B. das Kukuruzfeld)
    Lavent dicke Mehlsuppe
    Leintuch, das Bettlaken, Bettuch
    lotscheln mit Flüssigkeit plantschen (z.B. "Sorg, sonst verlotschelst Du Derne Suppe!")
    Marille, die Mirabelle
    maschkurieren verkleiden, maskieren (Fasching)
    Maulaff, der blöder Kerl, Idiot (auch abgewandelt unter dem Begriff "Melafon" = Maulaff, der groß daherredet)
    mazen weinen (z.B. "Mußt Du immer gleich mazen!" = Kindermund)
    Mehlspeis, die Gebäck
    meschugge nicht ganz klar im Kopf, schusselig
    mihekrig mickrig, kümmerlich
    mir-scheint ich glaube (z.B. "mir-schernt Du flunkerst!'1)
    Mischpoke, die Sippe
    Misteimer, der Mülleimer
    Mistschaufel, die Kehrichtschaufel
    mokieren sich über etwas lustig machen
    Mores lehren die Leviten lesen (z.B. "Er wird Dich schon Mores lehren!" = er wird Dir schon zeigen wo's langgeht)
    Motschi, das Pferd (Kindermund)
    Mulatschak. der Fest. Party, laute Feier
    Muratur. die sauer eingelegtes Gemüse
    nackepurdig nackig, nackt (Kindermund)
    Nockerl, das gekochte Teigstücke (ähnlich dem italienischen Gnocci)
    nopsen einnicken, schlummern, kurz schlafen
    Nopsi. das kurzes Schläfchen. Mittagsschlaf (Kindermund)
    Ohrwatschel. das Ohrläppchen
    okoschieren sich groß tun, angeben
    Omama. die Großmutter
    Otata. der Großvater
    otschka schofel, billig gemacht,, einfach, nicht haltbar
    Pali, der billiger Schnaps
    Palukes. der Maisbrei, Polenta (gibt es hauptsächlich als Essen mit Käse ="Käspalukes" und mit Milch = Milchpalukes)
    panschen mit Wasser herumspielen, Flüssigkeit verläppern
    Pappendeckel, der Karton, sinnbildlich auch für: "Von wegen!"
    Paradeis. die Tomate
    Paraputch. die Gesellschaft. Gruppe
    Pariser, die Wurst (Art dicke Fleischwurst - auch Pariserwurst)
    Patschen, der Hausschuhe (z.B. "Wo hast Du Deine Patschen?")
    Patschulli, das Parfüm
    patschullieren sich parfümieren (z.B. "Sie hat sich patschulliert.")
    Patzknödel, der eingebildete Göre
    peddern Pikel ausdrücken
    Penali Federmäppchen
    Penkala Kugelsclireiber
    Perpentikel, das Uhrpendel
    petschen zwicken
    Petsch, das Spiel, bei dem man in verschiedene Felder hüpft und einen Stein hinein werfen muß.
    picken kleben (z.B. "es ist pickig" für: es ist klebrig)
    picken geblieben sinnbildlich für: "nicht in die nächste Krasse versetzt"
    Pickes. das Klebzeug
    Piefke, der Bundesbürger. Reichsdeutscher
    Piftele Buletten, Frikadellen
    piha pfui!! (Kindermund)
    pischen pinkeln
    Pisu, Pisi-Katze Katze, Schmusekatze
    Pix, der Kugelsclireiber
    Plafon, der Zimmerdecke
    Pletsch, die Ohrfeige
    bletschen zuhauen (z.B. "Pletsch die Tür nicht so fest zu!")
    plottig plump, unbeholfen
    Polster, das Kopfkissen
    Pondchel, der Schlafrock
    Postlädchen. das Briefkasten
    potcha geschenkt, umsonst ohne Gegenleistung. Beigabe
    potc liieren schnorren
    Pots ch amber 1. das kleiner Topf. -Kessel, auch für: Nachtstopf
    Powe sen Buletten. Frikadellen
    Pracker, der geflochtener Teppichklopfer
    Pumphosen, die überhängende Kniebundhosen
    purdig nackig (Kindermund z.B. "nackepurdig")
    Purzi, das Furz (Kindermund)
    Pussi, das Kuß. Küßchen (Kindermund)
    ratschen Art der Aussprache des Buchstabens "R." in Deutschland (z.B. "fast alle Bundesbürger ratschen")
    Reichsdeutscher Bundesbürger (BRD)
    Reindel, das flacher Topf
    Ribisel, die Johannisbeeren
    Ringelspiel, das Karussell
    Russen, die Küchenschaben. Sovjetbürger
    saperlott sinnbildlich für: "verflixt nochmal!, oder "nicht daß Du!!"
    Schaff, das Bottich. Trog
    Schale, die Tasse (z.B. Kaffeschale)
    Schammerl, das Schemel. Hocker
    Schämpes Plumsklo
    Schecksen, die Schlittschuhe zum anschrauben an die Schuhe (Bokantschen) (das Wort soll ursprünglich vom Namen der Herstellers "Jackson" abgeleitet worden sein
    schemmern Lippenbläschen durch fettes Essen (z.B. "Du schemmerst an der Lippe!")
    Scherven, der Nacht stopf
    Scherzel Brotende, Anfang oder Ende des geschnittenen Teils des Brotes
    Schirbel Nachtstopf
    Schmarrn, der Unsinn, Blödsinn
    Schmonzes unnützes Zeug, Kitsch
    schnabulieren naschen
    Schnackerl, das Schluckauf, Hickser
    schnurstraks direkt, geradeaus, ohne Umwege
    schofel schäbig, billig (-angezogen)
    Schöpfen, der Gartenhäuschen für Geräte
    Schoschka, der Sauerampfer
    Schuhbandel, das Schnürsenkel
    Schuhwichse, die Schuhcreme (hast Du Deine Schuhe gewixt?)
    schusslig tollpatschig
    Schwammerl. das Pilze. Schwämme
    Schwammerl gegessen haben sinnbildlich für: "Du spinnst'"
    Schwutzger Mirabellen, Marillen
    Seichen, das Teesieb
    seien Flüssigkeit durchsieben
    sekieren, die Sekatur jemanden dauernd ärgern, nicht in Ruhe lassen
    Semmel, die Brötchen
    Spagat, der Strick
    Spatzenmund, der wehe eingerissene Mundwinkel
    Sperenzchen etwas, womit jemand nach Einschätzung anderer unnötiger- und ärgerlicherweise eine Sache behindert, verzögert; Schwierigkeiten, Umstände
    Spirifinkel, das ein (sehr) dünnes Geschöpf, dünner/schlanker junger Mann/Junge
    Springhansel, das Grashüpfer
    Spritzen gehen Ein Brauch am Ostermonrag, bei dem die Jungen zu den Mädchen mit einer Flasche Parfüm (Patschuli) gehen und auf die Frage "Ist erlabt zu Spritzen?" ein paat Tropfen ins Haar "spritzen" und dafür ein Geschenk (Kuchen Schokolade - ggf bei Männern auch ein Eierlikör) bekommen. Dabei kommt es zu regelrechten Wettbewerben wer die meisten "Spritzer" zu Besuch hatte.
    Spritzer, der/ein Brauchtum = Jemand der am Ostermontag "Spritzen geht"
    Stanitzel Papiertüte, meist dreieckig
    stibitzen entwenden, mopsen
    Stiege, die Treppe
    stramm toll, klasse, prima
    stucken feste lernen, büffeln (z.B. "Hast Du das gestuckt?")
    stutzen Haare schneiden (z.B. "ich lasse mir die Haare stutzen")
    Stutzer, der Friseur (warst Du beim Stutzer?)
    tai-tai tschüß !! (Kindermund)
    tamisch schwindelig
    Tasse, die Tablett
    Tata, der Vater
    tertsch zerdrückt, weich
    Tokane, die eine Art zerkochter Kartoffelgulasch
    Toki Dummerchen
    Topfen, der Quark
    Topfi, das Nachtstopf (Kindermund)
    Toppert, der Flintern. Po
    Trafik, die Zeitungs-, Tabakkiosk
    Tram, die Straßenbahm, Trambahn
    trandeln trödeln, langsam machen
    trenzen tröpfeln (z.B. beim Essen)
    Troleibus, der O-Bus, Elektrobus mit Oberleitungsabnehmern
    Trotoir (gesprochen Trotoar) Bürgersteig
    trutzen eigensinnig verärgert sein
    Tschako, der Papierhut
    Tschank, cler Spickzettel
    tschankieren spicken (Schule), Spickzettel verwenden
    Tschapperl, das Dummerchen , kleines dummguckendes Wesen
    Tschiris. das Mehlkleister, billiges Klebzeug
    Tschiritschari, das Kitsch, unnützes Kleinzeug
    tschirpsig angegoren (z.B. "der Apfelsaft schmeckt tschirpsig")
    tschoreln rinnen (akustisch z.B. Wasserhahn)
    Tschulschken. das Ausgußstelle der (Kaffee-)Kanne
    tünchen weißeln, weiß anstreichen
    Tutz, der Kopfstoß (Kindermund) - einen Tutz machen = mit dem Kopf leicht aneinanderstoßen
    verdammt und zugenäht sinnbildlich für: "verdammt nochmal"
    vergratschen sich absichtlich verrenken
    verhajomern verlieren, verschlampen, verwühlen (leichtsinniges)
    verheddern sich in etwas verstricken, sich verknoten
    verkitschen verhökern, verscherbeln
    verkrüppelt zerknittert
    verpergelt angebrannt, außen verbrannt (z.B. "sorg, sonst verpergelst Du Dir die Haare")
    verplempert unnütz ausgegeben, verspielt (z.B. Geld)
    verputtern verderben
    verwetzt abgenutzt
    Vinete, die Auberginen, Blaufrucht (auch für Brotaufstrich aus Auberginen)
    was zum Schlag Redewendung - sinnbildlich für: "Was zum Teufel?" oder "Wieso auf einmal?"
    Weichseln, die Sauerkirschen
    Wichsleinwand, die mit Kunststoffbeschichtete Leinwand (wird gerne als Tischtuch verwendet)
    Wimmerl, das Pickel
    wutzeln reiben (z.B. Haut abwutzeln)
    Wutzerl, das gekochte Teigröllchen
    Zadder Fetzen, Lappen
    Zeckert Einkaufskorb oder -Tasche
    zerdremmern zerschlagen
    zerfliegen explodieren, zerbrechen
    Zibebe, die Rosine, Sultanine
    Zizipapa. das Baby. Säugling (Kindermund)
    Zibri Zwetschgenmus
    zoppern sich das Bedürfnis verkneifen (Klo)
    Zores Geschrei, Gejammer, Krach
    zuckeln langsam machen, langsam fahren
    zurpen schlürfen (Suppe), schniefen (Schnupfen)
    zutzeln leichtes Saugen
    Zwiebel, der die Zwiebel (in Siebenbürgen ist die Zwiebel männlich)
    zwurnen Angst, ungutes Gefühl haben, zweifeln, sich ängstigen