Eine neue Zukunft für die Tobsdorfer Orgel in der Mediascher Margarethenkirche

Die Orgel in Tobsdorf Foto: Orgeldatei der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien.

Vor etwa 20 Jahren wurde bereits ein Anlauf unternommen, um die einzigartige, aber gefährdete Orgel in Tobsdorf (erbaut 1731) in der Mediascher Margarethenkirche zu sichern. Sie wurde laut einer Mitteilung des damaligen Dechanten Reinhart Guib im Namen des Mediascher Bezirkskonistoriums vom August 2004 schon im Jahr 2001 freigestellt. Im Rahmen der Presbyterialsitzung der Evangelischen Kirchengemeinde Mediasch im selben Monat wurde beschlossen, die Tobsdorfer Orgel in die Margarethenkirche zu übernehmen und auf der Schneiderempore aufzustellen. Damals waren unter anderem Orgelbauer Hermann Binder aus Hermannstadt, Orgelbauer Daniel Rüegg und seine Frau Katrin Müller aus der Schweiz, Organist Dávid Homolya aus Budapest, dazu die Mediascher Organistin Edith Toth und weitere Personen in diesen Prozess eingebunden.

Der konkrete Umzug wurde aus verschiedenen Gründen viele Jahre lang verschoben, sodass das Projekt fast einschlief. Der Tobsdorfer Altar wurde schon 1999, später das Taufbecken und zuletzt 2018 das in Hildesheim herrlich restaurierte Chorgestühl nach Mediasch umgesiedelt. Von den Mobilien der Tobsdorfer Kirche blieb nur noch die Orgel zurück, dazu auch der barocke Kanzeldeckel. Diese alle fanden nun im September 2020 ihre neue Heimat in der Mediascher Margarethenkirche!

Die in den letzten Jahren vor allem im Sommer stark ansteigende Luftfeuchtigkeit in den meisten alten Kirchen Siebenbürgens und der Hunger des Holzwurmes, dessen Appetit dadurch ungemein angeregt wird, taten das ihre, den Zustand der Orgel in Tobsdorf weiter zu verschlechtern. Sie wurde wenigstens ab und zu gespielt, jedoch nicht mehr sehr häufig. Es gab also immer weniger Gründe, das Instrument vor Ort verkommen zu lassen.

Im Juni 2020 erhielt der Kirchenmusikwart der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, Jürg Leutert, von Friedhelm Huser aus Meißenheim die Einladung, an einer Sitzung zur Beratung über die Zukunft der Tobsdorfer Orgel teilzunehmen. Friedhelm und seine Frau Ada (gebürtige Tobsdorferin!) sind seit vielen Jahren maßgeblich daran beteiligt, kirchliche, aber auch diakonische Einrichtungen in Siebenbürgen zu unterstützen (Tobsdorf selbst, das Mediascher Bezirkskonsistorium und nicht zuletzt den Mediascher Diakonieverein), außerdem besitzen sie ein Haus gleich neben der Kirche in Tobsdorf. Bei der Sitzung war auch Organist Frank Spengler aus Meißenheim anwesend, der bis zu einem gewissen Grad die Triebkraft der Sitzung war. Er meinte, die Orgel müsse unbedingt und sehr rasch gerettet werden. Orgelbauer Hermann Binder, der das Projekt schon im ersten Anlauf begleitet hatte, und in Mediasch Stadtpfarrer Gerhard Servatius-Depner und Organistin Edith Toth wurden von der Sitzung unterrichtet.

Alle Beteiligten wurden einig, dass eine rasch vorgenommene Sicherung des Instrumentes das Beste sei: Abbau, Reinigung, Bestandsaufnahme, Behandlung gegen den Holzwurm und schließlich Wiederaufbau (in unspielbarem Zustand) auf der Schneiderempore der Mediascher Margarethenkirche. Die Kosten in Höhe von rund 5400 Euro wurden von der Evangelischen Kirchengemeinde Mediasch aus gesammelten Spenden beglichen. Der Beschluss von 2004 war immer noch gültig, so stand dem Vorhaben nichts mehr im Wege.

Einige Vorgespräche in Mediasch mit den Verantwortlichen (Pfarrerinnen und Pfarrer, Kantorin) gaben weiter Hoffnung, dass diese neue Initiative der Start zu einem erfreulichen, wenn auch sicher kostspieligen, arbeitsintensiven und langen Projekt ist. Der Kontakt mit der Heimatortsgemeinschaft Tobsdorf in Deutschland verlief auch positiv.

Musikwart Leutert nahm Kontakt auf mit der Firma COT aus Honigberg (Hărman), die sich kurzfristig bereit erklärte, die oben beschriebenen Arbeiten durchzuführen. In 420 Arbeitsstunden mit sieben Fachkräften wurden sie in der Zeit vom 28. September bis 3. Oktober durchgeführt. Das Bezirkskonsistorium Mediasch stellte sein größtes Fahrzeug samt Fahrer zur Verfügung, um die größeren Teile aus Tobsdorf umzuziehen. Wegen der Pandemie war es leider trotz konkreten Plänen niemandem vom Vorstand der HOG möglich, dabei zu sein. Friedhelm und Ada Huser, die zufällig gleichzeitig die Reise aus Deutschland auf sich nahmen, waren die ersten Tage während des Abbaus vor Ort mit dabei und kümmerten sich rührend um das Wohl der hart arbeitenden Orgelbauer.

Die letzten Untersuchungen für das Angebot wurden am 20. Oktober vorgenommen: Árpád Magyar (Firma COT) nahm zusammen mit Radu Petrescu (Farbrestaurator) die Farbfassung des Gehäuses in Augenschein. Proben zeigten, dass große Teile der bemalten Oberfläche schon ein- bis mehrmals übermalt worden sind. Es wird sich lohnen, auf den mutmaßlichen Urzustand zurückzugehen, um wieder einen einheitlichen Eindruck der Orgel zu vermitteln. Glück-licherweise ist die Übermalung im ehemaligen Spieltischbereich leicht zu entfernen, daher wurde die originale Disposition der 10 Register wieder bekannt. Außerdem konnte noch festgestellt werden, dass im blau übermalten Medaillon über dem Spieltisch noch ein Text verborgen ist, es muss aber mehr Zeit verwendet werden, um das Rätsel preiszugeben. 

Nun wird auf das Angebot der Firma COT gewartet, um einen Plan zu erstellen, der die Finanzierung der Gesamtrestaurierung ermöglicht. Musikwart Jürg Leutert bleibt der Koordinator des Gesamtprozesses und steht ihm auch fachlich bei. Partnerinnen und Partner des Projekts sind die Evangelische Kirchengemeinde Mediasch, das Bezirkskonsistorium Mediasch, die HOG Tobsdorf, Ada und Friedhelm Huser und nicht zuletzt Frank Spengler. Weitere Personen und Institutionen sind herzlich eingeladen, dazuzukommen! Erst wenn ein großer (noch festzulegender) Teil der noch unbekannten Summe zusammengetragen und garantiert ist, kann ein Vertrag zur Ausführung der Arbeiten abgeschlossen werden. 

Bis das Projekt durchgeführt und abgeschlossen sein wird, werden sicher mehrere Jahre vergehen. Wir alle freuen uns aber sehr, dass sich dieses Projekt positiv entwickelt hat und sind uns auch sicher, dass mit entsprechendem Einsatz vieler Beteiligten die Schritte möglich werden, die zur Durchführung der Restaurierung führen. Die Tobsdorfer Orgel hat es verdient, in diesem zweiten Anlauf an ihrem dritten Standort (Birthälm – Tobsdorf – Mediasch) eine gute Heimat zu finden und „zum Lobe Gottes und Gemüths-Ergetzung“ (J.S. Bach) in der prächtigen Umgebung gesehen und gehört zu werden.

 

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Bemerkungen :

  • user
    Mathias 07.11.2020 Beim 23:39
    Man kann allen Beteiligten, auch Ada, die ich aus früheren Zeiten gut kenne, nur gratulieren. Für solche Nachrichten kann man sich besonders freuen, wenn man an jene von Alzen denkt, wo die Kirche wie nach einer Schlacht aussieht. Andererseits kennen einige solche Bilder bereits aus Nordsiebenbürgen. Viele siebenbürgische Kulturgüter werden zugrunde gehen, sollten sie nicht rechtzeitig weiter gegeben werden.