Eine Temeswarer Sensation: Deutscher wird Bürgermeister

USR-PLUS-Kandidat Dominic Fritz mit überraschendem Wahlerfolg

Foto: Zoltán Pázmány

Temeswar (ADZ) - Bei einer etwas höheren Beteiligung als bei den Kommunalwahlen von 2016, die aber auch dieses Mal weit unter dem Landesdurchschnitt geblieben ist, haben die Temeswarer Wähler für eine Sensation gesorgt: Der 37-Jährige, aus Baden-Württemberg stammende deutsche Staatsbürger Dominic Samuel Fritz (USR-PLUS) darf die Stadt Temeswar regieren. 33,9 Prozent der wahlberechtigten Temeswarer gaben ihre Stimme ab, 93.519 Wähler zählte das städtische Wahlbüro in Temeswar. 2016 waren es etwa 81.000. Zählungen der Parteien zufolge soll Dominic Fritz deutlich vor Nicolae Robu (PNL) liegen. Am Montagmorgen hieß es, dass Fritz auf fast 55 Prozent der Stimmen kommt, Robu dagegen auf etwa 34. Bereits am späten Sonntagabend räumte der noch amtierende Bürgermeister seine Niederlage ein. Er beuge sich vor dem Willen der Temeswarer. Im Zusammenhang mit seiner Amtsführung habe er sich aber überhaupt nichts vorzuwerfen, sagte Robu, der für acht Jahre die Temeswarer Verwaltung leitete.

Kurz vor Mitternacht sagte Fritz auf dem Opernplatz, wo sich seine Anhänger versammelt hatten, dass die Wahl eines ausländischen Bürgers, der 2003 zum ersten Mal nach Rumänien gekommen ist und damals kein Wort Rumänisch sprechen konnte, einer Revolution gleichkäme. Die Temeswarer würden 30 Jahre nach der Wende von 1989 einen Schlussstrich unter die Transformationszeit ziehen, sagte Dominic Fritz. 2019 hatte ihn der Temeswarer USR-Verband zum Kandidaten nominiert, nachdem er sich in einem internen Verfahren durchsetzen konnte. Auch das Demokratische Forum der Deutschen im Banat hatte eine Empfehlung für Fritz ausgesprochen.

Mit einem Stimmenanteil von etwa 41-42 Prozent wird die USR-PLUS-Allianz über die Mehrheit im Temeswarer Stadtrat verfügen, gefolgt wird sie von der PNL, die auf 30 Prozent gekommen sein soll. Weit abgeschlagen ist die PSD mit knapp 10 Prozent, ein Ergebnis, das jedoch deutlich über dem der sozialdemokratischen Kandidatin Voichița Lăzureanu liegt. Diese soll weniger als zwei Prozent der Stimmen bekommen haben. Noch nie hat ein PSD-Kandidat in Temeswar ein derart schlechtes Ergebnis gemeldet.

Die Wahlen für den Temescher Kreisrat gewann anscheinend die PNL, deren Kandidat für den Kreisratsvorsitz, Alin Nica, auf etwa 39 Prozent der Stimmen gekommen sein soll. Der amtierende, inzwischen an Covid-19 erkrankte, Kreisratsvorsitzende Călin Dobra (PSD) habe es auf einen Anteil von nur 14 Prozent gebracht, hieß es, der USR-PLUS-Kandidat Cristian Moș belegt mit 24 Prozent den zweiten Platz. Im Kreis Temesch lag die Wahlbeteiligung bei 42,3 Prozent, knapp 273.000 Bürger gaben ihre Stimme ab.

In der Stadt Lugosch/Lugoj, wo die Beteiligung bei 36 Prozent lag, soll es dem PNL-Kandidaten Claudiu Buciu gelungen sein, den seit 2008 amtierenden PSD-Bürgermeister Francisc Boldea abzulösen. Vorläufigen Zählungen zufolge sollen in fast allen Temescher Kleinstädten die bisherigen Bürgermeister wiedergewählt worden sein, dies gelte auch für die Temeswarer Vorortgemeinden Ghiroda, Girok/Giroc und Neumoschnitza/Moșnița Nouă. In Dumbrăvița konnte sich der USR-PLUS-Kandidat Horia Bugarin durchsetzen, er löst den PSD-Mann Victor Malac ab. Dem 25-jährigen USR-PLUS-Kandidaten Andrei Tița gelang es, den langjährigen Bürgermeister von Tschanad/Cenad, Nikolaus Crăciun (PNL), abzulösen.

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