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„Entscheidend für die Ermutigung der Soldaten“

Rumänien im Ersten Weltkrieg und die besondere Rolle des Königspaars Maria und Ferdinand I.

Filmpremiere im Schillerhaus mit anschließender Diskussion: Politologin Anneli Ute Gabanyi, Historiker Petre Otu, Projektkoordinatorin Aurora Fabritius Foto: die Verfasserin

Die Krise begann im Juli 1914, nachdem der österreichische Thronfolger in Sarajewo erschossen wurde, erklärt Politologin Anneli Ute Gabanyi aus Berlin im Dokumentarfilm von Cristian Amza „Sabia, Națiune, Gândul“ (Schwert, Nation, Gedanke), der am 30. Oktober erstmals im Bukarester Schillerhaus gezeigt wurde, den Auftakt zum Ersten Weltkrieg. Österreich machte großen Druck auf Rumänien, dem Krieg beizutreten, fährt sie fort. Karl I. hielt hierzu einen Rat im Schloss Peleș in Sinaia ab, mit der Regierung, dem Premierminister und Prinz Ferdinand, seinem zum Nachfolger bestimmten Neffen. Eine harte Diskussion entspann sich zwischen den frankophilen und den germanophilen Lagern der Rumänen…

Karl I. hatte sich nicht zuletzt aufgrund der deutschen Wurzeln des rumänischen Königshauses zur deutschen Seite hingezogen gefühlt, im Krieg mit Österreich-Ungarn als Mittelmächte verbündet. Am 10. Oktober 1914 jedoch stirbt der König plötzlich.

Ferdinand I., seit 1893 mit Maria von Schottland verheiratet, wird am 11. Oktober als Nachfolger vereidigt. Noch am selben Tag zieht das Königspaar in den Bukarester Cotroceni-Palast ein. Unter Ferdinand I. gewinnen nun die Befürworter des Kriegs auf der Seite der Entente (Frankreich, Vereintes Königreich und Russland) die Oberhand. Doch das Engagement Rumäniens endete zunächst in einer militärischen Katastrophe: Das Land wurde besetzt, die Hauptstadt Bukarest verloren. Die Königsfamilie und die Regierung mussten sich im Dezember 1916 in die Moldau zurückziehen; Jassy/Ia{i wurde zeitweilig Kriegshauptstadt. In den Feldzügen 1916 war die rumänische Armee nahezu aufgerieben worden. Auch für die Entente hatte der Kriegseintritt Rumäniens nicht die erhoffte Wende gebracht, sondern ihren russischen Verbündeten nur weiter geschwächt. Jedoch musste die Front in der Moldau um jeden Preis gehalten werden, um den Gegner daran zu hindern, in Südrussland einzufallen…

Soldatenmutter, Krankenschwester, Diplomatin

Die militärischen Geschehnisse des Ersten Weltkriegs und ihre politischen Folgen für Rumänien – das letztendlich doch Gebiete gewinnt und als Großrumänien daraus hervorgeht – sind verworren, doch hinreichend bekannt. Im Film, der diese Ereignisse nachvollzieht und zahlreiche historische Aufnahmen zeigt, wird allerdings ein interessanter Aspekt herausgestrichen und in der anschließenden Diskussion vertieft: Es ist die essenzielle, vorbildgebende Rolle des rumänischen Königshauses. War die rumänische Armee zwar zahlenmäßig stark, doch von logistischen Schwächen gebeutelt, war vor allem der humanitäre Einsatz von Königin Maria entscheidend für die Gemütsverfassung der Soldaten und Bürger. Maria richtete nicht nur Spitäler ein, sondern pflegte und ermunterte Verletzte in den Feldlazaretten, zeichnete Soldaten direkt an der Front aus, zeigte sich unerschrocken angesichts der Kriegsgefahren oder ansteckender Krankheiten. Selbst während der Typhusepidemie 1917 ließ sie sich nicht davon abhalten, den Soldaten persönlich Mut zuzusprechen.

Nach Kriegsende am 18. Januar 1919 wird in Paris die neue Ordnung für Europa festgelegt. 27 Länder, darunter auch Rumänien, nehmen teil. Im Vertrag von Trianon kann Rumänien große Gebietsgewinne für sich verzeichnen. Auch hierbei spielte Königin Maria, die nach Paris geschickt wurde, um zu verhandeln, offenbar eine wichtige Rolle. „Ihr Bemühen wurde sehr gut aufgenommen“, erklärt Gabanyi. „Sie machte Männerarbeit in der Diplomatie mit den Waffen einer Frau.“

„Der Film erzählt die Geschichte einer dramatischen Zeit voller schwieriger Entscheidungen, rasch zerschlagener Hoffnungen, Niederlagen und Siege, Erniedrigungen und Verluste, aber mit glücklichem Ausgang“, erklärt Petre Otu, neben Gabanyi einer der historischen Berater der Produzenten. „Er verkörpert ein Ideal, erfüllt durch das Schwert und das Opfer des Königs Ferdinand, durch das Denken und die Hingabe der Königin Maria, durch die Blutopfer der rumänischen Nation.“

Am 15. Oktober 1922 werden Ferdinand und Maria in Karlsburg/Alba Iulia im Beisein von Vertretern von 13  Staaten in der eigens dafür gebauten Kathedrale als Herrscher über Großrumänien gekrönt. Ferdinand setzt sich die stählerne Krone in Manier von Napoleon selbst auf das Haupt – das Material entstammt einer türkischen Kanone aus dem Unabhängigkeitskrieg 1877/78. Maria wird von ihm mit einer Krone aus siebenbürgischem Gold gekrönt, an deren Entwurf sie selbst beteiligt war.

Generation der Vorbilder

Im Anschluss an die Vorführung vermitteln Gabanyi und Otu ihre Gedanken zur Filmarbeit und zur Hundertjahrfeier Rumäniens. Erstere – ehemalige Hermannstädterin und bis zur Wende 1989 „Persona non grata“ in Rumänien – entdeckte ihre Liebe zum alten Heimatland durch ihre Forschungen im Rahmen von „Radio Europa Liber˛“ in München wieder, sowie durch ihre enge Kollaboration mit dem rumänischen Königshaus. Gabanyi fungierte langjährig als Beraterin von König Michael, nach dessen Tod nun von Prinzessin Margareta.

Otu, Experte für Militärgeschichte und Autor von vier Bänden zum Thema Erster Weltkrieg, kritisiert in Bezug auf die Hundertjahrfeier, dass stets nur vom Königreich Rumänien die Rede sei. In das Gedenken integriert werden müssten jedoch auch die etwa 30.000 Gefallenen der rund 300.000 Rumänen in der russischen Armee in Bessarabien, sowie die ca. 56.000 Gefallenen der fast 490.000 Rumänen in Siebenbürgen, auch wenn diese auf der ungarischen Seite kämpften.

1914 bis 1919 bezeichne eine Generation der Vorbilder, erklärt er die Rolle des Königspaars. Unabhängig von persönlichen Dramen und den dramatischen Ereignissen ringsum – Königin Maria verlor im Oktober 1914 ein Kind, den Sohn Mircea, als bereits klar war, dass die rumänische Armee der Offensive nicht standhalten könne – setzten sich Ferdinand I. und Maria beispiellos für ihr Land ein und ermutigten Soldaten und Bürger. Otu zitiert ausgerechnet einen Kritiker von Königin Maria, Constantin Arginteanu: Wie groß auch die Fehler Königin Marias vor und nach dem Ersten Weltkrieg gewesen sein mögen, räumt dieser ein, zeigte der Krieg doch ihre starke Seite. „Sie war in allen Lazaretten und Spitälern zugegen und auf allen Treffen vertreten, wo es darum ging, die Dinge zum Guten zu wenden. Sie kannte keine Angst, gab niemals auf, und nahezu ausschließlich ihretwegen hatte Ferdinand den desaströsen Friedensvertrag von Bukarest nicht ratifiziert.“

Der Film „Sabia, Națiune, Gândul“, finanziert im Rahmen des Programms für die Hundertjahrfeier Rumäniens, ist eine Produktion des Studios Video Art des Kulturministeriums, unterstützt vom Nationalen Museum Cotroceni und dem Nationalen Geschichtsmuseum.
 

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