Forschungen in der Kirchenburg in Deutsch-Weißkirch

Zwischenergebnisse wurden vorgestellt

Nicht nur für Touristen ist die Kirchenburg in Deutsch-Weißkirch attraktiv, sondern auch für Fachleute und Forscher.

Es wird an einer dendrochronologischen Untersuchung der Baugeschichte der Kirchenburg gearbeitet. Fotos: Dietmar Gross

Zu einem höchst interessanten Forschungthema arbeiten seit mehreren Monaten zwei Studenten der Bamberger Otto-Friedrich-Universität in der Kirchenburg von Deutsch-Weißkirch (die Karpatenrundschau berichtete darüber im November 2020). „Bauforschung und Gefügeanalyse am Dachtragwerk der Kirchenburg in Deutsch-Weißkirch“ ist der Titel der Masterarbeit, die Marius Moldovan und Cedric Siffermann unter Betreuung von Dr. Ing. Dipl.-Holzwirt Thomas Eißing (Uni Bamberg) und Prof. Dr. Olaf Huth (Hochschule Coburg) vorbereiten.

Am Montag, dem 17. Mai, wurden nun die ersten Ergebnisse der Forschung und das vorläufige Stadium der Arbeiten im Rahmen eines Expertentreffens vorgestellt, an dem Vertreter mehrerer Insitutionen aus Rumänien und Deutschland teilnahmen. Beim Treffen waren anwesend: Sebastian Bethge von der Stiftung Kirchenburgen, Dietmar Gross, Vertreter des Kirchenvorstands in Deutsch-Weißkirch und Organisator, Gerhild Gross, Verwalterin der Kirchenburg in Deutsch-Weißkirch, Marius Moldovan, Student für Denkmalpflege, Masterand in Bamberg, Ing. Csaba Bodor, Statik-Experte (Sf. Gheorghe), Dr. Ing. Thomas Eißing, Lehrstuhl für Denkmalpflege, Leiter des Labors für Dendrochronologie an der Universität Bamberg, ICOMOS-Vertreter Deutschlands und Hauptbetreuer der Masterarbeit, Boglárka Tóth, Leiterin des Den-drolaboratoriums Szeklerburg/Miercurea Ciuc, Ing. Sámuel Ferenczy, Statiker und Spezialist für Baudenkmäler, Vertreter vom LINEA-Planungsbüro in Sanktgeorgen und Hora]iu Vasilescu, Arhitekt und Mitarbeiter der Denkmalschutzbehörde in Kronstadt.

Während der Forschungsarbeiten wurden Befunde gesucht und identifiziert, die später helfen werden, eine relative Chronologie der Baumaßnahmen am Dach der Kirchenburg aufzustellen. Ebenfalls wurde durch die Ergebnisse der dendochronologischen Proben ein genaueres Alter der Holzteile ermittelt, die beim Bau des Daches verwendet wurden. Im Rahmen der dendrochronologischen Arbeit (Holzaltersbestimmung) werden die Jahresringe von Bäumen anhand ihrer unterschiedlichen Breite einer bestimmten Wachstumszeit zugeordnet. Mit Hilfe der Jahrringanalyse bei verbauten Hölzern können Bauzeiten von Gebäuden sehr genau ermittelt werden. „Somit kann man genau feststellen, welcher Balken wann in die Kirche kam. Bisher gab es zu 90% nur Hypothesen, keine Gewissheit“, meint Dietmar Gross, Forstexperte und Mitglied des Kirchenvorstandes in Deutsch-Weißkirch, der das Expertentreffen organisiert hat. „Anhand der Proben aus dem Dachboden kann man nun feststellen, wann und in welchem Zeitrahmen Veränderungen am Bau stattgefunden haben. Es ist wichtig zu sagen, dass diese Arbeiten nur in Kirche und Turm stattfinden, nicht an den Mauern“. Gross ist davon überzeugt, dass die Arbeit der beiden Studenten als Dokumentation für eventuelle zukünftige Renovierungsarbeiten an der Kirchenburg sehr hilfreich sein werden.Durch die Erkenntnisse, die diese Forschung bringen wird, können wichtige bautechnische Informationen zugänglich gemacht werden und bei zukünftigen Sanierungsmaßnahmen entsprechend helfen.

Die Ergebnisse der Forschungen bei der Abschluss der Arbeit von Marius Moldovan und Cedric Stiffermann werden voraussichtlich in diesem Sommer öffentlich vorgestellt werden. „Es wird sicher neue Hypothesen zur Baugeschichte der Kirche geben”, hofft Dietmar Gross.
 

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