Homo Sum – Porträts erzählen von Leben und Hoffnung

Ausgewanderter Banater Künstler stellt erstmalig in Rumänien aus

Nelu – der Nachdenkende, der Ratgebende, der Wegweisende, 130 x 70 cm, stellt Bruno Maria Bradts ehemaligen Zeichenlehrer Ioan Perciun vom Kunstgymnsium in Temeswar dar. Foto: privat

Zwanzig oft überlebensgroße Werke umfassen die Ausstellung des banat-schwäbischen Künstlers Bruno Maria Bradt im Bánffy-Palais des Klausenburger Kunstmuseums. Eine Woche vor Weihnachten fand die Vernissage von „Homo Sum“ statt. Für den gebürtigen Temeswarer ist es die erste Ausstellung in Rumänien und auch die erste in einem Kunstmuseum. Die Graphiken des Fürther Künstlers wurden bisher in Galerien und auch in Kirchen in Deutschland, wo er seit über 35 Jahren lebt, gezeigt.

Am 8. September 1962 in Temeswar geboren, besuchte der vaterlos aufgewachsene Bruno das städtische Kunstgymnasium, machte Abitur und schaffte es, sich gegen weitere 60 Konkurrenten für einen Studienplatz an der Klausenburger Kunstakademie „Ion Andreescu“ durchzusetzen. Nach drei Semestern Industrie-Design wanderte der damals 22-Jährige mit Frau und Kind nach Deutschland aus, wo er an der Nürnberger Kunst-Akademie erneut eine Aufnahmeprüfung schaffte und sich zum Werbegrafiker ausbilden ließ. Diesen Beruf übt er auch heute noch aus, hat aber die Leidenschaft zum Zeichnen nie ganz aufgegeben. Seit 2010 widmet er sich neben seinem Beruf nun intensiver der Kunst, hatte er doch dreißig Jahre davor noch die rumänische Landesolympiade im Zeichnen gewonnen. Doch das Familienleben und die Arbeit hatten ihm lediglich erlaubt, an Zeichenkursen der Volkshochschule, um nicht aus der Übung zu kommen, teilzunehmen.

Hätte seine Mutter sein Talent im Zeichnen nicht früh erkannt, wäre Bruno Bradt gern Priester geworden. Das Vorbild dafür war ihm der Onkel, den er als römisch-katholischen Pfarrer in Totina/Sânpetru Mic erlebt hat. Was der Onkel gepredigt hat, leitet ihn heute noch in seinem Leben, und das, was er von ihm gelernt hat, versucht Bradt in seinen Werken auch zu vermitteln. Das Grundwissen dazu hat er sich im Temeswarer Kunstlyzeum angeeignet. Bradt bezeichnet sich selbst gern als Geschichtenerzähler, nur dass er nicht so gut mit Worten umgehen könne und deshalb die Zeichnungen dafür nimmt. Und auf diesem Hintergrund entstehen nun seit elf Jahren Porträts von Menschen, die den Künstler durch ihre Lebensgeschichten beeindrucken. Der Name der Ausstellung will gerade das Menschliche unterstreichen, ist doch „Homo Sum“ der Beginn des geflügelten lateinischen Sprichwortes „Homo sum, humani nihil a me alienum puto“(Ich bin Mensch, nichts Menschliches, glaube ich, ist mir fremd) aus dem Werk des Dichters Terenz.

Manche seiner Gestalten hat der Grafiker eigens aufgesucht: in der Nürnberger Heilsarmee, wo er sie über Wochen beim Mittagessen ein bisschen kennenlernen durfte, ihr Vertrauen gewann und anschließend zum Teil im Werk „12“ verewigt hat. Auch ein Mensch aus seiner Heimat, dem Banat, den er in Wolfsberg kennengelernt hat und dessen Leben mit Behinderung ihn besonders berührt hat, findet einen Platz in der Reihe der zwölf Gestalten mit Heiligenschein auf dem knapp zehn Meter langen Kunstwerk. Die Porträts zeichnet er mit Bleistift auf 1,5 Meter hohe Buchbinderkartons und manche Werke setzen sich auch aus mehreren Tafeln zusammen. Die Gestalten werden oft in verschiedenen Haltungen und aus verschiedenen Perspektiven mit Bleistift auf leerem Hintergrund gezeichnet. Bruno Bradt erklärt: „Objekte sind nur da, um die Geschichte zu betonen, genauso die wenigen, wenn überhaupt, Pastellfarben: so der leichte Braunton im Schnurrbart eines Rauchers oder dessen feuerrotes Moped.“ Er zeichnet im Stehen und arbeitet dabei die kleinsten Details in den Gesichtern, Körpern und Händen der Personen aus.

Die Ausstellung „Homo Sum“ im städtischen Kunstmuseum vermittelte die Klausenburger Kulturzeitschrift „Tribuna“. Der Redakteurin Ani Bradea hatte Bruno Bradt 2019 ein Interview über sein Leben und seine Ausreise gegeben, seine Graphiken zum Illustrieren der Nummer zur Verfügung gestellt.

Bis zum 14. Januar stehen die rund 20 Werke Bruno Bradts im Klausenburger Kunstmuseum zur Besichtigung. Im Juli und August 2021 soll der Grafiker dann zum 300. Brukenthal-Jubiläum seine Zeichnungen als Hauptausstellung im Brukenthal-Museum und im Museum für zeitgenössische Kunst in Hermannstadt zeigen.Doch am liebsten würde Bruno Maria Bradt seine Werke in Temeswar ausstellen, um einerseits zu zeigen, dass die Banater Schwaben noch einen Künstler zu den ihrigen zählen können, aber insbesondere als Hommage und Dankeschön an das Kunstgymnasium und die Professoren, die ihn in seiner Jugend geformt, mit Wissen ausgestattet und ihm das Zeichnen beigebracht haben.

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