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Kohäsion schaffen und immer neue Ideen

Kulturprogrammbörse des Goethe-Instituts und der deutschen Kulturinstitute des Landes

Das Treffen der deutschen Kulturinstitute in Rumänien und der Republik Moldau fand dieses Jahr im Goethe-Institut Bukarest statt. Foto: Petra Acker

Einmal jährlich treffen sich alle deutschen Kulturinstitute, die in Rumänien oder der Republik Moldau tätig sind, auf Initiative des Goethe-Instituts in Bukarest. Dabei werden Ideen ausgetauscht, Pläne geschmiedet und die Zusammenarbeit gefördert, wie es auch in der zweiten Dezemberhälfte in Bukarest der Fall gewesen ist. Die Leiter der Kulturzentren in Temeswar/Timișoara, Hermannstadt/Sibiu, Jassy/Iași, Kronstadt/Brașov, Reschitza/Reșița, Klausenburg/Cluj-Napoca, Chișinău sowie der Direktor des Goethe-Instituts Bukarest, Dr. Joachim Umlauf, und sein Team nahmen daran teil. ADZ-Redakteurin Petra Acker erhielt einen kleinen Einblick in die Gesprächsrunden.

„Die Situation Rumäniens ist einzigartig in Europa. In keinem anderen Land außer Frankreich gibt es neben dem Goethe-Institut noch sechs weitere Deutsche Kulturzentren, dazu kommt noch Chișinău – und alle leisten fast die Arbeit eines Goethe-Instituts“, betont Dr. Joachim Umlauf, der neue Direktor des Instituts in Bukarest, am zweiten Tag des Treffens. Zum einen liegt das natürlich am hohen Bedarf an Deutschkursen, der durch die hohe Emigrationsrate und die vielen deutschen Arbeitgeber hierzulande größer als in anderen Ländern ist, zum anderen spielen die deutsche Minderheit und ihre starke Vergangenheit in Rumänien eine sehr große Rolle. Dadurch hält sich seit jeher nicht nur ein sehr positives Image des Landes, auch die Bildungsstruktur befindet sich auf einem gewissen Niveau. „Dass der rumänische Staat einer Minderheit das Recht gegeben hat, staatliche Schulen zu betreiben, ist trotz der Tendenz zu einer gewissen Elitebildung sehr demokratisch. Eltern schicken ihre Kinder mittlerweile teils wegen der Sprache auf deutsche Schulen, teils hat das Unterrichtssystem als solches eben eine gewisse Reputation. Dies alles schafft eine ganz besondere Ausgangssituation, die gehegt und gepflegt werden muss“, erläuterte Dr. Umlauf weiter.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Goethe-Institut und den anderen Kulturzentren besteht vor allem aus zwei großen Aspekten: Zum einen werden die Kulturprojekte sämtlicher Zentren sowie Bibliotheken und Lehrmaterialien über das Goethe-Institut durch Mittel des Auswärtigen Amtes finanziert, zum anderen werden alle Sprachkurse, die von den Zentren angeboten werden, vom Unterricht selbst bis zur Abschlussprüfung, vom Goethe-Institut evaluiert und zertifiziert und entsprechen damit höchsten Standards.

In der Kulturarbeit können die einzelnen Kulturzentren je nach Interesse oder Möglichkeiten Projekte eigenständig realisieren, sich dem Programm des Goethe-Instituts anschließen oder untereinander Kulturprojekte austauschen. Wenngleich so bereits vieles in Kooperation entsteht, würde sich mancher ein gemeinsames Jahresthema wünschen, wie zum Beispiel „30 Jahre Vereinigung“ oder die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im kommenden Herbst: „(...) dafür ist es im Moment wahrscheinlich etwas spät, da die meisten Pläne für das kommende Jahr schon weitreichend feststehen, ich würde mir das aber fürs übernächste Jahr wünschen. Man könnte Ereignisse planen, die bei sämtlichen Zentren gleichzeitig laufen, um noch mehr Kohäsion zu schaffen“, führt Joachim Umlauf aus. Der Vorschlag erhielt unter den Teilnehmern der „Kulturbörse“ sehr positive Reaktionen. 

Die Pläne für das kommende Jahr sind wie bisher auch weitreichend, von Theater, Film und Ausstellungen bis hin zu Literatur, sozialen Themen und Musik ist wirklich alles dabei, was sich der treue Kulturinteressierte wünschen kann.
Der Akzent liegt natürlich auf der deutschen Kultur, viele Ereignisse werden aber in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und kulturellen Organisationen organisiert – ein wichtiges Anliegen des Goethe-Instituts ist es ja auch, Interkulturalität zu fördern. Die Gedenkveranstaltung zu Paul Celans hundertjährigem Geburtstag und 50. Todestag im November 2020 wird beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem Französischen Institut, dem Österreichischen Kulturforum und der Universität Bukarest organisiert. 

Auch andere wichtige Jubiläen werden 2020 gefeiert, darunter Friedrich Hölderlins, Georg Wilhelm Friedrich Hegels und Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag. Letzterer inspirierte das Goethe-Institut dazu, in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturforum, der Musikhochschule Bukarest und dem Festival „Klangwoche“ einen Wettbewerb namens „Quoting Beethoven“ für Musiker auszuschreiben – bis zum 15. Juni 2020 können Neuinterpretationen oder vom Werk Beethovens inspirierte Kompositionen eingereicht werden, ganz gleich in welcher Stilrichtung. Dies ist aber nur eine von vielen Veranstaltungen zu diesem Anlass. 

Die Musik wird weiters durch die „Internationale Woche der Neuen Musik“ Ende Mai gefeiert, die „Klangwoche“ findet vom 27. Februar bis 14. März statt und ein Beitrag des Goethe-Zentrums zum „Bucharest Jazz Festival“ Anfang Juli ist auch geplant.

Weitere wichtige Punkte auf dem Programm sind der 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und der 30. Jahrestag der Wiedervereinigung, der unter anderem durch die Fortsetzung der Filmreihe, die bereits dieses Jahr anlässlich des 30. Jubiläums des Mauerfalls begonnen wurde, Beachtung findet. Im Programm steht zum Beispiel der siebenteilige Langzeit-Dokumentarfilm „Wittstock-Zyklus“ (1975-1997) von Volker Koepps. Auch werden diverse andere Programmpunkte vorgeschlagen, wie ein Podcast über die Auswanderung der deutschen Minderheit mit dazugehörigem Workshop und einer Fotografie-Ausstellung. 

Das Theater kommt natürlich auch nicht zu kurz: Für das Jahr der Kulturhauptstadt Temeswar 2021 wird eine Zusammenarbeit mit dem Nationaltheater Temeswar geplant, bis dahin sollen wie bisher drei deutsche Theaterstücke jährlich ins Rumänische übersetzt werden.

Noch vieles wäre zu erzählen, dem Leser soll aber keineswegs die Gelegenheit genommen werden, überrascht zu werden, denn das deutsche Kulturprogramm 2020 verspricht wirklich einen Schatz an wertvollen Erlebnissen im ganzen Land. Außerdem ist immer Raum für neue Ideen da, und die gibt es zur Genüge, denn die Pflege der deutschen Kultur in Rumänien ist bei Goethe & Co. wirklich in guten Händen. 

cffviseu

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Bemerkungen :

  • user
    dan 08.01.2020 Beim 20:35
    In der ADZ loben sich die Goethe-Institute in Rumänien gerne selbst.
    Und wie toll alles läuft.
    Und dass man "einer Minderheit erlaubt, deutsche Schulen zu haben..."
    Das ist alles gelogen.
    In Wahrheit gibt es keine deutsche Minderheit mehr in den Schulen mit deutscher Sprache.
    Diese Schulen werden zu 99% von rumänischen Kindern besucht.
    Meistens fehlen an diesen Schulen seit Jahren schon Lehrer sowie Bücher.
    Das scheint niemanden zu stören.
    Hauptsache es wird weiter gelogen, wie toll doch alles funktioniert.
    In Wahrheit ist das Niveau dieser "deutschen" Schulen sehr viel schwächer als einer vergleichbaren Schule im deutschsprachigen Westeuropa.
    Die Kinder werden meistens nur deswegen dahin geschickt, weil die Eltern sich dadurch eine offene Tür zu Jobs für ihre Kinder versprechen.
    Ansonsten findet dort keine Vermittlung deutscher Kultur statt.
    Im Grunde ist die Kultur der deutschsprachigen Minderheiten in Rumänien tot.
    Genauso wie ihre Förderung.
    Gefördert wird rumänische Kultur - sonst fast nichts mehr.