Mehr Kunst im Freien

In Hermannstadt schmückt die Straßenkunst bald ein Hektar Fassaden

Erstmals durften die Künstler des Street Art Festivals eine Fassade der Lucian-Blaga-Universität verschönern. Fotos: der Verfasser

Erstmals durften die Künstler des Street Art Festivals eine Fassade der Lucian-Blaga-Universität verschönern.

Rund 20 Kinder lernten am Freitagmittag Schablonen schneiden und ließen ihrer Phantasie mit Kreide freien Lauf.

Die im Laufe der Woche entstandenen Kunstwerke besichtigten die Kunstliebhaber und Freunde des Festivals am Sonntagmittag auf Rädern.

Zum sechsten Mal in Folge fand das Internationale Festival für Straßenkunst vom 10. bis 14. August an mehreren ausgewählten Standorten in Hermannstadt/Sibiu statt, was den Veranstaltern ermöglichte, die vor sechs Jahren begonnene Mission der städtischen Wiederbelebung fortzusetzen und den Hermannstädtern neue, frei zugängliche Kunst zu schenken. Eine Woche lang arbeiteten 14 Künstler und Gruppen aus Rumänien, Spanien und der Ukraine an in der Stadt sichtbaren Mauern, die so zur überdimensionierten Leinwand für gemeinschaftliche Kunst wurden.

Der Einladung der Veranstalter folgten Künstler wie Alex Maksimov (Ukraine), Andreea Toma, Biex& Șatran, Cristian Scutaru, Kaps Crew, T-Marsh (Spanien) Pisica Pătrată oder Toybox. Im Rahmen eines Projekts zum Thema „#Origins” (Ursprünge) entstanden während der Festivalwoche insgesamt 17 neue Arbeiten, davon zwölf permanente Wandmalereien, vier Kunstwerke auf Asphalt und eine interaktive Kunstinstallation im Erlenpark/Parcul Sub Arini. Ein Novum bescherte dem Festival die Sweet Damage Crew, Urheber der flächendeckendsten Malerei, die am Aurel-Vlaicu-Platz, an der Kreuzung am Mihai-Viteazu-Boulevard und der Oituz-Straße auf mehreren Hundert Quadratmetern bewundert werden kann.

Nachdem in den vergangenen Jahren an den Wänden mehrerer Schulen und Lyzeen gearbeitet wurde, durften Șatran & Biex heuer erstmals auch ein Gebäude der Lucian-Blaga-Universität für ihre Kunst verwenden, sodass nach der Beendigung der Arbeiten an der Fassade der Fakultät für Ingenieurswesen alle Stufen des Hermannstädter Bildungssystems zu Nutznießern des mittlerweile zur Tradition gewordenen Kunstprojektes geworden sind. Weitere Bildungseinrichtungen, an denen Werke entstanden, sind das Onisifor-Ghibu-Lyzeum, wo Popescu am Werk war und der Kindergarten Nr. 22 im Goldtal-Viertel/Valea Aurie, wo Toybox erstmals eine Malerei im Rahmen des Festivals erstellen durfte. Auch eine Mauer der Reitschule im Vasile-Aaon-Viertel wurde von T-Marsh aus Spanien einer grundlegenden Verwandlung unterzogen und am Internationalen Flughafen ging John S. erneut ans Werk. Zu den weiteren Standorten, die Teil der Hermannstädter Straßenkunstgalerie geworden sind, zählen der Sitz der Urbana sowie Wohnblockfassaden in der Semaforului-Straße, in der Heltauer Straße/Calea Cisnădiei, der Avântului-Straße und am Mühlberg/Șoseaua Alba Iulia.

Im Erlenpark und an Fußgängerüberwegen entstandene alternative Kunst ergänzte die im Rahmen des Festivals erstellten Wandmalereien, so eine Kunstinstallation von Pisica Pătrată, deren Entstehung mehrere Tage lang im Erlenpark verfolgt werden konnte. Auch das Projekt des jungen Hermannstädter Künstlers PARA für mehr Verkehrssicherheit an Fußgängerüberwegen wurde heuer um vier Standorte in vielbefahrenen Straßen und Boulevards erweitert, so in der Gegend des Skateparks in der Unteren Promenade/Bulevardul Corneliu Coposu, am Tineretului-Park in der Salzgasse/Constituției, am Kreisverkehr am Aurel-Vlaicu-Platz sowie an der Kreuzung zwischen der Neppendorfer Straße/Calea Turnișorului und dem Mühlberg/Șoseaua Alba Iulia.

Das Festivalprogramm ergänzten zahlreiche weitere, den Kunstliebhabern gewidmete Veranstaltungen, die aufgrund der aktuell geltenden Einschränkungen und Sicherheitsmaßnahmen im Freien stattfanden, sodass größere Menschenansammlungen vermieden werden konnten. Im „Art Park”, einem im Erlenpark eingerichteten Mittelpunkt des Festivals, konnte ab Mittwoch Pisica Pătrată beim Live-Painting verfolgt werden und Ana Postolachi machte durch ihre dort ausgestellten Werke auf Recycling und Umweltverschmutzung aufmerksam. Ebenfalls am Freitag fand im Erlenpark „Street Art Talks” statt, bei dem sich Pisica Pătrată, John S., Adrian Oniga und Andrei Oltean untereinander und mit dem Publikum darüber austauschten, wie es der Straßenkunst gelungen ist, in der Gesellschaft Wurzeln zu fassen.

Am Donnerstag bot die Finnische Schule in der Berggasse/Dealului einen Workshop des Hermannstädter Künstlers Alin Trif für die dort lernenden Schüler an und ab 22 Uhr konnten an den Ratsturm am Großen Ring/Piața Mare projizierte Arbeiten von Pisica Pătrată bewundert werden.

Der Freitag war den Kindern gewidmet, die am Workshop „Kunst auf Asphalt” teilnahmen, unter Anleitung Schablonen ausschneiden lernten und mit Kreide ihre eigenen Kunstwerke entstehen ließen. Weitere Höhepunkte waren am Wochenende die SISAF-Party auf der Terrasse des Mango Summer Garden, wo die Künstler, das Publikum und die Freunde des Festivals Gelegenheit hatten, einander in entspanntem Rahmen kennenzulernen und sich auszutauschen. Am Zacaria-Parkplatz, der zum Drive-In-Kino wurde, wurde ein Kunstfilm ausgestrahlt. Die Dokumentation „Exit Trough The Gift Shop” (Ausgang durch den Souvenirladen) des britischen Straßenkünstlers Banksy aus dem Jahr 2010, die eigentlich als sogenanntes Mockumentary einzustufen ist, bot einen Einblick in den Einstieg des französischen Immigranten Thierry in die Straßenkunstszene von Los Angeles, wo er Straßenkünstler bei der Arbeit filmt, um eine Dokumentation zu erstellen. Dabei lernt er den bekannten Straßenkünstler Banksy kennen und ab dem Punkt geht die Kamera aus Thierrys in Banksys Hände über und der vormalige Filmemacher wird auf seiner neuen Reise als angehender Straßenkünstler verfolgt.

Seinen Höhepunkt erreichte das Festival am Sonntag, als das Publikum und die Veranstalter sich auf Rädern auf die Street Art Tour begaben und alle zwölf Standorte besuchten, deren Fassaden künstlerisch wiederbelebt worden waren. Die „Sibiu Street Art Tour“ ist mittlerweile die zahlenstärkste rumänische Kunstsammlung ihrer Art und umfasst 84 Werke auf über 8100 Quadratmetern.


Zusätzliche Informationen zum Festival und den Künstlern sowie umfassendes Foto- und Videomaterial können bei der Internetadresse facebook.com/SibiuInternationalStreetARTFestival eingesehen werden.

Das Sibiu Street Art Festival ist eine Veranstaltung des Vereins ART Factory Transilvania, das vom Hermannstädter Stadtrat durch das Bürgermeisteramt Hermannstadt finanziell mitgetragen wird.

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