Neues Leben für historische Brücken

Universitätsprofessor Dr.-Ing. Radu Băncilă erklärt die Vorteile der Wiederertüchtigung

Die Fußgängerbrücke über die Marosch bei Lippa könnte mit geringen Kosten saniert und in den touristischen Kreislauf integriert werden, doch im Moment gibt es seitens der Lokalbehörden keine diesbezüglichen Pläne. Foto: Zoltán Pázmány

Bauingenieur Prof. Dr. Radu Băncilă hat ein Herz für historische Brücken, die seiner Meinung nach wichtige Zeugen der Vergangenheit sind. Foto: Zoltán Pázmány

Die Fußgängerbrücke vor dem Neptun-Bad in Herkulesbad wurde 1837 aus Puddelstahl errichtet. Foto: Mircea Rareș Țetcu

Über die sanierte historische Brücke in Săvârșin kann auch der Schwerverkehr fahren. Foto: Edward Petzek

Historische Brücken müssen saniert und wieder zum Leben erweckt werden. Dieser Meinung ist der Professor für Straßen- und Brückenbau Dr.-Ing. Radu Băncilă, der sich immer wieder dafür stark macht, dass die „Zeugen der Vergangenheit“, wie er diese alten Bauwerke nennt, nicht dem Verfall überlassen werden. Der Gründer und langjährige Leiter der Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache an der TU Politehnica in Temeswar/Timișoara macht regelmäßig die Öffentlichkeit darauf aufmerksam, dass das alte Bauerbe gepflegt und für die Zukunft erhalten werden muss. In diesem Sinne führte Dr. Băncilă Gespräche mit den Vertretern mehrerer Kommunalverwaltungen, auf deren Gebiet sich solche Brücken befinden. So z. B. in Lippa/Lipova, im Kreis Arad, wo eine historische Fußgängerbrücke über die Marosch/Mureș die Verbindung zwischen Lippa und Radna herstellt und nach einer gründlichen Sanierung problemlos in den touristischen Kreislauf integriert werden könnte. In der Gegend gäbe es zahlreiche Sehenswürdigkeiten, wie z. B. die imposante Wallfahrtskirche Maria Radna oder die Schoimosch-Burg, die Brücke wäre eigentlich nur ein Pluspunkt, und sie zu verlieren, äußerst bedauerlich, weiß Professor Băncilă, der seit 1970 an der Abteilung für Straßen- und Brückenbau in der Stadt an der Bega unterrichtet.

„Wenn wir von alten Brücken reden, dann beziehen wir uns auf solche, die mindestens hundert Jahre alt sind. Diese Brücken sollte man nicht mit neuen Brücken ersetzen, sondern ihnen neues Leben einflößen. Die Tendenz in ganz Europa ist, diese Brücken zu erhalten und zumindest als Fußgängerbrücken zu nutzen“, sagt der Fachmann. Die Brücke in Lippa, die ja sowieso nur dem Fußgängerverkehr dient, könnte man problemlos erhalten – was ihre Stabilität angeht, ist sie noch sehr widerstandsfähig und hatte unter dem Hochwasser, das jüngst ganz Rumänien aufgesucht hat, nicht zu leiden. „Dieses Bauwerk könnte in einen Platz für verschiedene Treffen und Ereignisse umgewandelt werden. Ein kleines Teehaus oder ein touristisches Informationsbüro könnten hier eingerichtet werden“, erklärt Radu Băncilă. „Die Brücke mit drei Spannweiten über die Marosch hat drei Gurte, sie hat eine besondere Schlankheit und ist sehr schön“, beschreibt sie der Fachmann.

Alte Brücken mit geringen Kosten sanieren

Die Lippaer Brücke stammt aus dem Jahr 1905, sie ist also mehr als hundert Jahre alt. „Eine alte Brücke ist nicht unbedingt auch in einem schlechten Zustand, wenn wir an die Lasten denken, die auf sie einwirken. Es kann sein, dass eine Brücke, die vor weniger Zeit gebaut wurde, unter den Lasten viel mehr zu leiden hatte und sich in einem viel schlechteren Zustand befindet als eine Brücke von vor hundert Jahren“, erklärt Radu Băncilă. Trotzdem scheint die Lippaer Kommunalverwaltung dieser alten Brücke keine Bedeutung zumessen zu wollen, wie der Fachmann für Straßen- und Brückenbau feststellen konnte. Es gäbe sogar ein Gutachten, das von einem Bukarester Unternehmen erstellt wurde, in dem mögliche Lösungsvorschläge für die Wiederertüchtigung dieser Brücke zusammengefasst sind, dieses Gutachten sei jedoch qualitativ minderwertig, bemerkt Radu Băncilă. Die allgemeine Tendenz sei, eine neue Brücke zu bauen und die alte einfach dem Verfall preiszugeben, unterstreicht er. Eine neue Brücke zu bauen, wäre jedoch deutlich kostspieliger, als eine alte Brücke zu sanieren, informiert der Experte. Außerdem würde eine neue Brücke mit Sicherheit nicht so schön wie die historische Brücke sein, ist der Bauingenieur überzeugt.

Ein gutes Sanierungsbeispiel einer solchen historischen Brücke sei die Brücke in Săvârșin, die aus dem Jahr 1897 stammt. Die Fachleute von der Fakultät für Bauingenieurwesen in Temeswar leisteten hier im Jahr 2010 eine ganz besondere Arbeit, die auch mit einem wichtigen europäischen Preis – dem ersten Preis der Europäischen Konvention für Stahlbau – gewürdigt wurde. „Die Wiederertüchtigung einer alten Brücke sollte nicht mehr als 40 Prozent der Kosten, die für den Bau einer neuen Brücke erforderlich sind, ausmachen. Wir haben das in Săvârșin so durchgezogen und das ist auch in den anderen Fällen so möglich“, erklärt Radu Băncilă. Auf der Brücke in Săvârșin kann man heute ohne jegliche Einschränkungen fahren, sie ist ein Wahrzeichen für die Ortschaft und die Umgebung. „Die Studenten der deutschen Abteilung für Bauingenieurwesen waren bei dieser Wiederertüchtigung sehr aktiv. Bezahlt wurde das Projekt von der Kreisdirektion für Straßenbau“, informiert Radu Băncilă. Eine weitere Besonderheit dieser alten Brücken ist die Tatsache, dass sie genietet und nicht geschweißt sind. „Es ist nicht leicht, Fachleute zu finden, die sich mit dieser Prozedur auskennen. Doch es gibt sie – die Eisenbahngesellschaft CFR, zum Beispiel, hat solche Fachleute“, sagt der Bauingenieur.

In der Ortschaft Ilia, im Kreis Hunedoara, gibt es ebenfalls eine solche historische Brücke. In der Nähe dieser Brücke gibt es sogar einen großen Platz, wo ein kleiner Park eingerichtet werden könnte – eine Fläche für den angenehmen Freizeitvertreib. „Die Sanierung all dieser Brücken könnte mit EU-Mitteln finanziert werden, doch darum müssten sich die Lokalbehörden bemühen, was im Allgemeinen nicht der Fall ist. Ein weiterer Nachteil ist, dass diese Brücken nicht als historische Denkmäler eingetragen und eigentlich auch gar nicht geschützt sind“, sagt Radu Băncilă. Außer der Trajansbrücke in Neuarad, die mit EU-Mitteln saniert wurde und als historisches Denkmal eingetragen ist, sind die anderen alten Brücken nicht im Verzeichnis der historischen Denkmäler festgehalten. Die lokalen Behörden müssten einen Antrag an das Denkmalschutzamt des jeweiligen Verwaltungskreises stellen, um die alten Brücken in diese Liste aufzunehmen – eigentlich ein einfaches Unterfangen, das aber von den Kommunalverwaltungen einfach nicht durchgeführt wird. Bei einem Vortrag im Rahmen der Akademie der Technischen Wissenschaften in Rumänien, dessen Ehrenmitglied er ist, schlug Radu Băncilă sogar vor, dass die Akademie diese Brücken unter ihre Obhut nimmt, um sie zu schützen. Ein wichtiges Warnsignal wäre ein solches Unterfangen auf jeden Fall.

Zustand der Brücken verschlechtert sich

In Herkulesbad/Băile Herculane, im Kreis Karasch-Severin/Caraș-Severin, gibt es zwei berühmte Brücken: eine Fußgängerbrücke, die 1837 aus Puddelstahl gebaut wurde, und eine steinerne Brücke, Baujahr 1865. Beide Brücken müssten überholt werden. „Viele Kunstelemente dieser Brücken sind bereits verschwunden, die Brücken befinden sich in einem sehr schlechten Zustand. Und dabei würde eine Wiederherstellung nur zwei bis drei Monate dauern“, erklärt Radu Băncilă. Seit acht Jahren wird über die Wiederbelebung dieser Brücken gesprochen, konkret ist aber nichts passiert. „Ich kann die Kommunalverwaltungen beim besten Willen nicht verstehen, denn die Wiederertüchtigung dieser Brücken würde einen großen Gewinn für ihr eigenes Politiker-Image darstellen, eine Errungenschaft, mit der sie sich im Wahlkampf rühmen könnten“, sagt Professor Băncilă enttäuscht.

Hinzu kommt, dass die meisten Bewohner der jeweiligen Ortschaften, wo die historischen Brücken stehen, selbst keine Ahnung haben, was für Juwelen diese Brücken eigentlich darstellen. Zusammen mit Architekt Alfred Schwalie, der selbst aus Lippa stammt, hat Radu Băncilă eine Inventur all dieser historischen Brücken durchgeführt. „Es gibt sie auch in den anderen Ländern der ehemaligen k.u.k.-Monarchie, doch überall sind diese Brücken in einem viel besseren Zustand als bei uns, in Rumänien“, verrät der Ingenieur.

Um auf die Bedeutung dieser Brücken hinzuweisen, müsste die Bevölkerung der jeweiligen Ortschaften, wie auch die breite Öffentlichkeit darüber informiert werden. In Lugosch/Lugoj zum Beispiel, wo es Gespräche über den Bau einer neuen Brücke unmittelbar neben der historischen Eisenbrücke gegeben hatte, unterzeichneten zahlreiche Bürger eine Petition, um sich den Plänen des Bürgermeisteramtes zu widersetzen (die ADZ berichtete). Dort wurde der Bau einer neuen Brücke momentan nicht mehr in die Wege geleitet. Auch ein Verein zur Rettung solcher Brücken könnte gegründet werden, überlegt Radu Băncilă. Er selbst wäre gerne bereit, die Initiative in diesem Sinne zu übernehmen, wenn sich weitere Interessenten finden würden, die ebenfalls soviel Herzblut für das Thema „Historische Brücken“ übrig hätten.

 

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