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Schulleitertagung in Hermannstadt

Austausch, Rückblick und Ausblick auf umfangreiche Aufgaben des deutschsprachigen Unterrichts

Rund 50 Schulleiter der DSD-Schulen aus dem ganzen Land sowie der Republik Moldau wohnten vergangene Woche dem reichen Programm der von der Zentralstelle für Auslandsschulwesen veranstalteten Schulleitertagung bei. Foto: Werner Fink

Anlässlich einer Schulleitertagung hielten sich auf Einladung der Zentralstelle für Auslandsschulwesen (ZfA) rund 50 Schulleiter von Schulen mit Unterricht in deutscher Sprache aus dem ganzen Land sowie der Republik Moldau, die das Deutsche Sprachdiplom (DSD) anbieten, kürzlich in Hermannstadt/Sibiu auf. Die viertägige Zusammenkunft sollte den Austausch zwischen den Schuldirektoren anregen und ihnen anhand der Vorträge und Werkstätten Hilfestellung zu den verschiedenen Herausforderungen des deutschsprachigen Schulwesens sowie neue Impulse für ihre Tätigkeit bieten.

Die teilnehmenden Schulleiter begrüßten anlässlich der in der Aula der Brukenthalschule anberaumten Eröffnungsveranstaltung der Konsul der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt, Hans Erich Tischler, die stellvertretende Kreisratsvorsitzende, Christine Manta-Klemens, und seitens der Organisatoren die Fachberater für Deutsch als Fremdsprache Birgit van der Leeden (Hermannstadt), Birgit Söldenwagner (Temeswar) und Fabrice Liesegang (Bukarest).

In seinem Grußwort sprach der Konsul seine Freude aus, dem Treffen beiwohnen zu dürfen und regte an, die Chancen zur Gestaltung einer Zukunft der Schulen mit deutschsprachigem Unterricht als Wegweiser für heranwachsende Generationen wahrzunehmen und diese zu nutzen. „Für Ihren diesbezüglichen Einsatz und Ihr Engagement gebührt ihnen ganz besonderer Dank und Anerkennung. Die Herausforderungen bei Ihrer anspruchsvollen Arbeit rühren auch daher, dass sich Ihre Aufmerksamkeit gleichzeitig auf sehr unterschiedliche Themen und Bereiche ausrichtet, die zusammengeführt werden müssen. Die Lehrer, die in deutscher Sprache unterrichten, brauchen Sie, brauchen Ihre Unterstützung und Ihr Engagement. Das Gleiche gilt für die Schüler. Die Lehrer und Schüler spüren sehr wohl, wenn sie von ihrem Leiter unterstützt, ermutigt werden, wenn sie ein offenes Ohr und Ihr Wohlwollen finden. Die Vermittlung eines modernen Unterrichts und die Präsentation eines gegenwärtigen Deutschlandbildes zählen zu den Aufgaben der Lehrer, die in deutscher Sprache unterrichten. Deutsch ist die zweitwichtigste Fremdsprache in Europa. Mit Deutschkenntnissen haben die Schüler beste Berufschancen bei deutschen Firmen in Rumänien aber auch im Ausland. Schüler mit einem Abschluss an deutschsprachigen Schulen sind sehr begehrte Fachkräfte für die Wirtschaft, besonders auch für die in Rumänien entstandenen Niederlassungen und so vielen Unternehmen aus dem deutschsprachigen Sprachraum. Rumänien braucht weiterhin gut ausgebildete Menschen, die über exzellente Sprachkenntnisse verfügen und sich in der Kultur des anderen auskennen“, so der Konsul Hans E. Tischler. Er sprach auch den Lehrermangel und die mangelnde Bereitschaft der jüngeren Generation an, Aufgaben im Bereich zu übernehmen, obwohl es in Rumänien ausreichend gut ausgebildete junge Intellektuelle gäbe, die diese Aufgabe mit Bravour erfüllen könnten. Ihm zufolge könne der aktuelle Lehrermangel nur angegangen werden, wenn den Lehrern, neben einer angemessenen Bezahlung, auch ein attraktives Umfeld, ein aufgeschlossenes Team und die notwendige Unterstützung bei ihrer Arbeit, bei Aus- und Fortbildungen geboten werden.

Monika Hay, die Schulleiterin der Brukenthalschule, hieß die Teilnehmer in der Aula willkommen und bot einen kurzen Einblick in die Tätigkeit und die Leistungen der von ihr geleiteten Schule sowie in die damit verbundenen Herausforderungen. Ihr zufolge ist und bleibt die Sicherung des deutschsprachigen Lehrernachwuchses eine große Herausforderung, der die bisherige Entsendung bundesdeutscher Lehrer zugute kam. „Seit der Wende vor 30 Jahren und der damit einhergegangenen, massiven Abwanderung von deutschsprachigen Lehrern und Schülern hatte diese Schule, wie viele deutschsprachige Lyzeen im Land, das Privileg, Lehrkräfte aus der Bundesrepublik Deutschland als Kollegen zu haben. In dieser Zeit haben an unserer Schule 33 bundesdeutsche Lehrerinnen und Lehrer unterrichtet, 20 von ihnen als von der ZfA entsandte Fachberater und Programmlehrer. Sowohl für mich als auch für meine Vorgänger bedeutete das Wirken dieser Kollegen eine berufliche und persönliche Bereicherung. Die Zusammenarbeit mit den vier Fachberatern für Siebenbürgen stand während dieser Jahre im Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung und des vertrauensvollen Umgangs. Daher bedauere ich es sehr, dass auch im Kontext des Lehrermangels in Deutschland die Nachbesetzung unserer Stellen vorläufig nicht möglich ist“, so Monika Hay. Sie dankte den Veranstaltern für die Initiative, diese Tagung einzuberufen, die ihr zufolge eine gute Möglichkeit bietet, sich zu informieren, auszutauschen und fortzubilden. „Auch wenn unsere Schulen von unterschiedlicher Prägung sind, erleben wir systemische Hürden und Freiheiten, Eingrenzungen und Möglichkeiten im Schulalltag recht ähnlich und können von den Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen viel lernen“.

Die stellvertretende Kreisratsvorsitzende, Christine-Manta-Klemens, nutzte die Gelegenheit, um zu den Schulleitern nicht in ihrer offiziellen Eigenschaft, sondern als vormalige, langjährige Lehrerin zu sprechen. „Als Lehrerin bin ich in dieses Prüfungssystem des Sprachdiploms mit hineingewachsen, als es in Hermannstadt eingeführt wurde. Ich habe auch die Entwicklung mitverfolgen können und kann sagen, dass, abgesehen von der Notwendigkeit, dass unsere Schüler die Sprache besser verstehen, der Vorteil auch darin liegt, dass sie neue Arbeits- und Präsentationstechniken üben und als Leistung vorlegen müssen. Deswegen kann ich Sie nur ermutigen, das deutsche Sprachdiplom an Ihren Schulen zu fördern, und ich meine damit nicht nur die konkreten Bedingungen, sondern dass man im Lehrerkollegium vermittelt, wie wichtig dieses Sprachdiplom für die Schüler ist und dass in der Schule allgemein eine gute Atmosphäre herrscht, sodass alle Lehrer nicht nur begreifen, worum es geht, sondern auch am gleichen Strang ziehen. In dieser Richtung bitte ich Sie alle um Unterstützung“, sagte Christine Manta-Klemens.

Das Programm der Tagung umfasste, unter anderem, Neuigkeiten aus dem Bildungsministerium und der Zentralstelle für Auslandsschulwesen Darüber sprachen der Direktor in der Generaldirektion für Unterricht in den Sprachen der Minderheiten im Bildungsministerium, Dr. Alexandru Szepesi, und Sorin Giurumescu, Ministerialreferent, zuständig für Deutsch als Fremdsprache im Bildungsministerium Rumäniens und Vorsitzender des rumänischen Deutschlehrerverbandes, bzw. Birgit Söldenwagner. Constanze Thielen und Aurelia Brecht präsentierten die Tätigkeit des ifa in Fogarasch und Hermannstadt. Liane Junesch, Dozentin an der Lucian-Blaga-Universität, und die Universitätslektorin Dr. Teresa Leonhard boten eine Vorstellung des deutschsprachigen Grundschulstudiengangs in Hermannstadt, Monika Hay berichtete über die 2018 stattgefundene Schulleitertagung in Meißen/Deutschland und Besuche fanden in verschiedenen Schulen sowie der Synagoge in der Salzgasse/Constituției statt.
 

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