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Selbstloses Wirken zum Wohl des rumänischen Gesundheitswesens

Lucia Benovici Portmann und ihr Hilfsverein für Rumänien

Die Vereinsgründerin in ihrer Bukarester Wohnung vor einem Bild, das eine ihrer Töchter gemalt hat. Foto: die Verfasserin

„Wenn Sie wirklich etwas Nachhaltiges für mein Land tun wollen, dann rüsten Sie unsere Krankenhäuser mit dringend benötigten Spital-Geräten aus.“ So klang in den 90er Jahren der Ratschlag eines jungen rumänischen Arztes, der seinerzeit ein Praktikum in der Schweiz ableistete. Diesen befolgte die gebürtige Schweizerin Lucia Benovici Portmann, die zwölf Jahre lang Jury-Mitglied im örtlichen Gerichtsgremium war, sofort und gründete 1998 den Verein „Medikamenten-, Medizinal- und Spitalgeräte-Hilfe für Rumänien“. Nach der Wende reiste die Wohltäterin oft nach Rumänien, um die karitativen Projekte ihres Vereins vor Ort zu koordinieren und deren Entwicklung genau zu verfolgen. An einem warmen Sommertag erzählt die Gründerin in ihrer Rumänien-Wohnung am Bukarester Carol-Park bei Kaffee und selbstgebackenem Bündner Birnbrot. Das Treffen organisierte Dana Scarlat, eine treue Freundin und Mitarbeiterin der Vereinspräsidentin.

Lucia Benovici Portmann wurde in der Schweiz als Tochter einer Rätoromanin und eines Vaters rumänischer Herkunft mit Schweizer Bürgerrecht geboren, somit ist sie in zwei eng miteinander verwandten Kulturen beheimatet. Ihr Großvater stammt aus Jassy/Iași und siedelte 1900 in die Schweiz um. Vom rumänischen Kulturerbe ist wenig erhalten geblieben und die Sprache ist auch in Vergessenheit geraten. Nur die väterliche Sehnsucht nach dem Land der Ahnen lebte weiter, blieb jedoch krankheitshalber unerfüllt. Die junge musikalisch begabte Tochter,  die sich als geschickte Reiterin an Wettbewerben im Ausland beteiligen sollte, verzichtete reuelos auf ihre Hobbys ihrem Vater zuliebe, den sie bis zum letzten Augenblick seines Lebens pflegte.
Schon immer verstand sie, ihr Leben nach dem Ideal der Selbstlosigkeit zu führen, und dies empfindet sie auch als natürlich und selbstverständlich. Zu ihren vier Kindern nahm sie mit der Unterstützung ihres Gatten, des Rechtsanwalts und Notars Dr. iur. Théo Portmann-Benovici, viele Jugendliche aus schwierigen Familienverhältnissen an und da-rüber hinaus sorgte sie bis in die Gegenwart für Kriegsflüchtlinge aus Vietnam und Laos.

Wiederbelebte Wurzeln

Lucia Benovici Portmanns Bezug zu Rumänien wurde im Winter 1989/90 wiederbelebt. Die dahinterstehende Motivation: grausame Bilder aus rumänischen Waisenhäuser, Alten- und Pflegeheimen, die sie und die örtliche Gemeinde in Chur, ihrem Wohnort und dem Hauptort des Kantons Graubünden, in den Medien zu sehen bekamen. Das vom Kommunismus hinterlassene Elend der Rumänen löste insbesondere in ihr, aber auch in den anderen Mitgliedern ihres Clubs, Entsetzen und Mitleid aus. Sofort versammelte sich im Haus der Schweizerin eine kleine Gruppe, welche eilends vier LKWs voll Hilfsmittel zusammenstellte und sie bei bitterer Kälte erst nach Jassy/Iași, dann nach Bacău, Vatra Dornei usw. begleitete. Der Einsatz der Gemeinde in Chur für Rumänien wurde im Laufe der Zeit fortgesetzt. 

Auf Vorschlag des damaligen Vorsitzenden der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit in Bern gründete die Wohltäterin 1998 den „Verein Medikamenten-, Medizinal- und Spitalgeräte-Hilfe für Rumänien, Lucia Benovici Portmann“. Die Hilfsgemeinschaft, die heute 75 Mitglieder zählt, führte fortan die karitativen Aktionen unter der Schirmherrschaft des Vereins durch. In dessen Namen erbittet die Gründerin seither Spenden für Rumänien und erhielt sie auch mühelos, denn in der Schweiz baute man damals mehrere Krankenhäuser zu verschiedenen Zwecken um. Daher wurden viele moderne Spital-Geräte bester Qualität gesammelt und auf Anfrage kamen ihr zahlreiche Gaben sowie Er-werbsermäßigungen vonseiten der wichtigsten Apparatur-Produzenten in der Eidgenossenschaft zu. Das schweizerisch-rumänische Projekt wird außerdem auch vom Schweizer Rotary Club, vom Roten Kreuz, der rumänischen Botschaft und hierzulande von der Schweizer Botschaft in Bukarest und dem Schweizer Club gefördert.

Konkrete Projekte im ganzen Land

Der Einsatz begann mit der Versorgung von Bedürftigen und Staatsspitälern mit Lebensmitteln, Kleidung, Arznei, Betten, Decken, Anti-Dekubitus-Matratzen, Bettwäsche und unentbehrlichen Krankenhaus-Geräten und reichte bis hin zur Sanierung oder sogar zum Neubau von Krankenhausabteilungen, Notfallkliniken und Spitälern, Heimstätten, Familienwohnungen, Schulen und einem Kloster. Mit unermüdlicher Hilfeleistung wurde die Schwarzmeerküste von Mangalia, Costinești, Eforie Nord bis Konstanza/ Constanța größtenteils abgedeckt. Überdies half und wirkt der Verein auch weiterhin in den Landkreisen Kronstadt/Brașov, Klausenburg/Cluj, Brăila, Bacău, Jassy, Prahova, Ilfov, in der Stadt Klausenburg/ Cluj-Napoca und in der Hauptstadt Bukarest.

Zu den Leistungen des 1998 gegründeten Schweizer Hilfsvereins für Rumänien können folgende erwähnt werden: Sieben Krankenhäuser im Kreis Kronstadt, darunter das Kreisspital, eine Entbindungsklinik, das Kinderspital, das Bahnhofspital sowie das Krankenhaus in Langendorf/S˛cele, wurden mit den nötigen Geräten ausgerüstet. Daneben wurden eine Notfall-Hausarztpraxis, eine Zahnarztpraxis und ein Alters- und Pflegeheim in Langendorf von Grund auf neu gebaut. Darüber hinaus leistete der Verein auch dem vom Woiwoden Constantin Brâncoveanu gestifteten und später im Auftrag des Königs Michael I. restaurierten Kloster in der Ortschaft Sâmbata de Sus Hilfe. Geholfen wurde auch den Schülern des Kronstädter Johannes Honterus-Lyzeums, denen Schüleraustausche mit der Schweiz ermöglicht wurden.

In Klausenburg erhielten mehrere taube Kinder Hörgeräte, um am regelmäßigen Unterricht teilnehmen zu können und eine Blindenschule wurde mit Möbeln ausgestattet. Es wurde auch viel für die Kreiskrankenhäuser in Jassy bzw. in Konstanza gespendet.
Leider war auch die Lage der Bukarester Krankenanstalten schlecht und Lucia Benovici Portmann musste die Kardiologie- und Neurologie-Abteilungen des Notfallkrankenhauses bzw. die Neugeborenen-Abteilung und einen Operationssaal des Cantacuzino-Krankenhauses sanieren und mit moderner Apparatur und Möbeln einrichten lassen sowie eine Demenz-Abteilung und einen Schulungsraum mit hundert Plätzen neu bauen. Auch ein Altersheim und das Pflegeheim Nr. 2 wurden mit den nötigen Hilfsmitteln versorgt. Außerdem steht Personen mit begrenzten Mitteln die Mütter- und Familienberatungspraxis Swiss Help zur Verfügung.

Lieblingsprojekt: „Unter den Sternen“

Einer der ersten Nutznießer des Schweizer Einsatzes für Rumänien war eine Schule in der Stadt Brăila, der Wasserleitung und Heizung fehlten, die zuletzt begünstigte Stadt war Urlați im Kreis Prahova, deren neu errichtete Notfall-Hausarztpraxis im Herbst 2018 eingeweiht wurde. Beiläufig ist noch erwähnenswert, dass die Vereinsgründerin und -mitarbeiter regelmäßig verarmte Familien sowie kranke und alte Menschen im ganzen Land besuchen und mit den lebensnotwendigen Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln versorgen und sogar ihre Wohnungen sanieren und möblieren.
Doch das Projekt, welches der Wohltäterin am meisten ans Herz gewachsen ist, muss wohl „Sub Stele“ (unter den Sternen) sein: Die herausragende humanitäre Hilfsaktion in Snagov ist jungen Menschen gewidmet, die im Kleinkindalter durch verseuchte Blutkonserven mit dem HIV-Virus infiziert und von ihren Eltern verlassen und verstoßen worden sind. Ein Wohnheim und eine Kerzenmanufaktur - benannt „Sub Stele“ - wurden für sie gebaut und 2011 eingeweiht. Durch die Werkstatt zur Herstellung, zum Verkauf und Vertrieb von Kerzen aller Art gelingt es den Schützlingen, die aufgrund ihrer Krankheit geschwächt und daher oft nicht arbeitsfähig sind, ihr Selbstwertgefühl zu stärken und darüber hinaus einen eigenen kleinen Beitrag für ihren Lebensunterhalt zu leisten. Begleitet und betreut werden sie dabei von liebevollen Heimeltern. Zuvor konnte man die Jugendlichen nicht in die Arbeitswelt integrieren, aber Lucia Benovici Portmann unterstützt sie weiterhin, so dass sie in der Zukunft selbstständig und unabhängig werden.

Woher die Kraft?

Ihre große Hilfe blieb in Rumänien nicht unbemerkt. Im Jahre 2004 forderte  Gesundheitsministerin Daniela Bartoș, dass Lucia Benovici Portmann der höchste rumänische Orden verliehen werde. Der damalige Staatschef, Ion lliescu, überreichte ihr diese Auszeichnung als Dank und Anerkennung für ihr unermüdliches Wirken zum Wohl des rumänischen Gesundheitswesens und der notleidenden Bevölkerung. Zudem wurde sie auch Ehrenbürgerin von Kronstadt und Langendorf.

Es ist bewundernswert, wie viel Gutes eine einzige Person in 30 Jahren, ungeachtet der von  rumänischen Behörden auferlegten Hindernisse, verrichten konnte. Im Vergleich dazu leistete der rumänische Staat nur Weniges in den letzten 75 Jahren, wegen des kommunistischen Regimes, selbst nach der Wende stagnierte die Entwicklung des Landes aufgrund der „Rauferei in der Regierung, was große Unruhe und Unsicherheit im Volk erzeugt“. So jedenfalls erklärt sich die Wohltäterin die Tatsache, dass Rumänien die Verwirklichung seiner vielversprechenden Zukunft bisher verzögert hat. Selbst zwölf Jahre nach dem EU-Beitritt bleibt das rumänische Gesundheitswesen bedauerlicherweise noch immer mangelhaft.

Nach so vielen Erfahrungen ist man natürlich neugierig, wieso diese überaus barmherzige Frau mit asketischem Auftreten in ihren Siebzigern noch Energie hat, um alle gesetzten Ziele zu erreichen. Sie erwidert: „Alles, was auf mich zukommt, nehme ich an, und die Kraft dafür kommt von Gott im Himmel“. Außerdem freut sie sich, dass sie die Möglichkeit und Voraussetzung hatte, ihren Wohlstand zu teilen. Zwar hat die Schweizerin in Rumänien auch den Betrug eines Ärzte-Ehepaares aus dem Kreis Ilfov, zu dessen Gunsten sie ein kleines Privatkrankenhaus in Bukarest erbauen ließ, erlebt. Aber sie gab nie auf. Eine gewisse hartnäckige Nächstenliebe und auch der Beistand ihrer treuen, zuverlässigen Mithelfer hier-zulande veranlassten sie, die Tätigkeit ihres Vereins in Rumänien fortzusetzen.
Demzufolge – und auch weil sie das Heimatland ihres Großvaters und die Leute gern hat, wohnt sie während des Sommers für längere Zeit hier und kümmert sich persönlich um den Verlauf ihrer karitativen Projekte. Mittlerweile hat die Vereinspräsidentin auch die rumänische Sprache erlernt und spricht sie fließend. In der verbleibenden Zeit pendelt sie zwischen ihrer Wohnung in Chur, wo sie etwa 300 handgemalte Ikonen in ihrem traditionell rumänisch eingerichteten Schlafzimmer aufgehängt hat, und Singapur, wo eine ihrer Töchter und die Enkelkinder wohnen.

Auf die Frage nach Zukunftsprojekten erzählt die Schweizerin, sie möchte, dass ihr Traum,  - die Errichtung eines Wohnheims für bedürftige Menschen sowie einer von den sozial engagierten Ärzten Antigona und Florin Baicu geführten Notfall-Hausarztpraxis in Costine{ti am Schwarzen Meer - bis 2020 in Erfüllung gehe. Dafür sammelt sie noch Fördergelder und würde sich auch über treue örtliche Mitarbeiter oder neue Vereinsmitglieder freuen. Daneben ist es der Vereinspräsidentin noch wichtig, auch Spender in Rumänien anzusprechen.
Somit können sich gleichgesinnte Leute per E-Mail luciabeno@bluewin.ch oder Tel: 0041 (0) 81 353 16 17 melden. (Weitere Angaben zum Verein „Medikamenten-, Medizinal- und Spitalgeräte-Hilfe für Rumänien, Lucia Benovici Portmann“ unter www.rumaenien
verein.ch)
 

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