Unterwegs im „Land der Wassermühlen“

Verein „Acasă în Banat“ will ländliches Bauerbe retten

Die Glimeica-Mühle in Șopotu Vechi ist über 100 Jahre alt und nicht mehr im Betrieb. Foto: Acasă în Banat

Bei der Vorstellung des Projekts „Land der Wassermühlen“ in der Theresien-Bastei (v. l. n. r.): Die Freiwillige Sorina Luca-Dumitru und Nicoleta und Radu Trifan berichteten von der Aktion zur Sanierung der Wassermühle in Deutsch-Saska. Foto: Raluca Nelepcu

Die ersten Ergebnisse des Projekts „Land der Wassermühlen“, das der Verein „Acasă în Banat“ mit finanzieller Unterstützung des Kreisrats Karasch-Severin/Caraș-Severin im vergangenen Jahr in die Wege geleitet hat, können sich sehen lassen. Am Mittwoch, dem 4. März, wurde im Mehrzweckraum des Temescher Kreisrats in der Temeswarer Theresien-Bastei eine Ausstellung zum Projekt eröffnet und ein kleiner Touristenführer zu den Wassermühlen im Banater Bergland vorgestellt.

Nachdem am letzten Februartag die Wassermühle aus Deutsch-Saska/Sasca Montană mit Unterstützung zahlreicher Freiwilligen aus dem In- und Ausland saniert worden ist, sollen in diesem Jahr weitere fünf Wassermühlen generalüberholt werden, wünschen sich die Vertreter des Vereins.

Bei Nicoleta und Radu Trifan wurde die Liebe zum baulichen Erbe des rumänischen Dorfes 2016 geboren, als die Familie ein Haus in der Karasch-Severiner Ortschaft Valeapai erwarb. Es war ein Haus aus dem Jahr 1860, das die Trifans mit traditionellen Materialien und Methoden sanieren ließen und seitdem als Wochenendzuflucht für sich und ihre beiden Kinder nutzen. Relativ schnell kam bei der jungen Familie die Idee auf, einen Verein zu gründen, der sich diesem dörflichen Kulturerbe des Landstrichs zuwenden sollte – eine sehr wertvolle Hinterlassenschaft, die es zu pflegen gilt, sind Nicoleta und Radu Trifan überzeugt. So entstand im Frühjahr 2018 der Verein „Acasă în Banat“ (deutsch: Zuhause im Banat). Seitdem wurden mit Unterstützung des Vereins und seinen Freunden und Helfern Dutzende von alten Häusern im gesamten Banat saniert, wobei die meisten Besitzer aus eigener finanzieller Kraft nicht in der Lage gewesen wären, ihr Haus zu renovieren. 2019 organisierte der Verein die erste Auflage des Projekts „Color the Village“ (Färbe das Dorf bunt) in der Ortschaft Eftimie Murgu im Kreis Karasch-Severin. An vier Tagen waren rund 250 Freiwillige im Einsatz, die es schafften, 34 Häuser in Eftimie Murgu (ehem. Rudăria), dem „Dorf mit den Wassermühlen“, wie es im Banat bekannt ist, zu sanieren.

Der Kontakt zu Eftimie Murgu und den Wassermühlen, die sich auf dem Gelände der Ortschaft befinden, waren Auslöser für ein großangelegtes Projekt zur Erforschung des Wassermühlenbestands im Banat, das im September 2019 begann. Ziel des Projekts war es, möglichst alle Wassermühlen des Banats ausfindig zu machen, ihren Zustand zu dokumentieren und eine Karte sowie einen Touristenführer für diese Wassermühlen zu erstellen. Die Vereinsmitglieder unternahmen im vergangenen Jahr mehrere Ausflüge durch das gesamte Banat, um eine Bestandsaufnahme zu machen. Insgesamt 243 Wassermühlen konnten die Freiwilligen im gesamten Banat ausfindig machen, die meisten davon im Banater Bergland. Davon sind 82 weiterhin im Betrieb, 47 sind verwendbar, aber mittlerweile stillgelegt, und 114 Wassermühlen sind nicht mehr funktionstüchtig. „Die meisten Wassermühlen wurden in den Jahren 1960–1980 stillgelegt, unter anderem wegen der Umleitung von Flüssen und der Regularisierung von Flussläufen im Zuge der Wasserversorgung der Ortschaften, wegen dem Ausbau von Straßen und Wegen in unmittelbarer Nähe der Flüsse, aber auch wegen der Abschaffung des Mehl-Mahlens als Gemeinschaftsaktivität“, erklärte Radu Trifan. „Diese historischen Denkmäler stellen eine große Chance für die Ortschaften dar, auch wenn sie nicht mehr unbedingt verwendet werden, um regelmäßig Mehl zu mahlen. Sie können in den touristischen Kreislauf integriert werden und das bedeutet sehr viel“, betonte der Vereinsvorsitzende.

Vor 60 Jahren hatte es im Banat mehr als 600 Wassermühlen gegeben, heute ist knapp nur noch ein Drittel vorhanden. Nicht überall, aber insbeson-dere an Orten mit touristischem Potenzial könnten diese Mühlen eine zusätzliche Sehenswürdigkeit für Reisende bieten. Hier könnten Touristen in der Wassermühle gemahlenes Mehl kaufen oder sich die Geschichten der Ortseinwohner anhören, während sie aus dem vor Ort gemahlenen Mehl hergestellte Backwaren verzehren.

Das Land der Wassermühlen ist definitiv das Banater Bergland, wie die Projektverantwortlichen im Rahmen ihrer Feldbegehungen und Forschungen erfahren sollten. Mehr als 150 Ortschaften wurden durchgekämmt, insgesamt 10.000 Kilometer zurückgelegt. An einigen Orten, wo es tatsächlich Wassermühlen gibt, wiesen die Bewohner sofort auf Eftimie Murgu hin, ohne sich des Potenzials ihrer eigenen Ortschaft bewusst zu sein. Tatsächlich wurde die Ortschaft Eftimie Murgu auf die touristische Landkarte Rumäniens gesetzt, als die Fachleute vom Astra-Dorfmuseum in Hermannstadt/Sibiu in den 1990er Jahren einige Wassermühlen generalüberholen ließen und das Gelände zu einem Mühlenreservat, also einem nationalen Kulturerbe, erklärten.

Die Aktion zur Sanierung der seit 2006 außer Betrieb befindlichen Wassermühle in Deutsch-Saska, die am 29. Februar stattfand, war ein Erfolg, berichteten Nicoleta und Radu Trifan. Dort legten nicht nur die mehr als 50 Volontäre – aus den Kreisen Temesch und Karasch-Severin, aber auch aus den USA und Holland – Hand an, sondern auch die Menschen aus der Gemeinde waren freiwillig im Einsatz, um das Holz-Juwel, das sich mitten im Dorf befindet, wieder zum Leben zu erwecken. Die Aktion dauerte insgesamt zehn Stunden. „Der Mechanismus bedarf noch eines fachmännischen Eingriffs, dann wird die Mühle aus Deutsch-Saska wieder Mehl mahlen können“, berichtete Radu Trifan. In Deutsch-Saska wird die sanierte Wassermühle gewiss verlockend auf die Reisenden wirken, doch die Gegend ist aus touristischem Gesichtspunkt sowieso einen Besuch wert und hat den Touristen auch einiges an Unterkunft und Verpflegung zu bieten, was in vielen anderen Ortschaften mit Wassermühlen nicht der Fall ist.

Den Wassermühlen-Führer stellten Nicoleta und Radu Trifan anlässlich der Begegnung in Temeswar vor. Es handelt sich um ein kleines, 19-seitiges Büchlein, das Fotos und Informationen zu den wichtigsten Wassermühlen, die „Acasă în Banat“ im Banater Bergland entdeckt hat, enthält. Viele Fotos und einige Karten ergänzen das Material, das Touristen, die sich gern auf Entdeckungsreise begeben wollen, zugute kommt. Von Anfang an sei gesagt, dass anspruchsvollere Reisende enttäuscht sein werden, zumal viele der Straßen, die zu den Wassermühlen führen, sehr schlecht sind.

Die Ausstellung zum Projekt „Land der Wassermühlen“ kann bis zum 22. März im Mehrzweckraum des Temescher Kreisrats in der Theresien-Bastei besichtigt werden. Unter www.taramorilordeapa.ro können die Etappen des Projekts verfolgt werden. In diesem Jahr nimmt sich „Acasă în Banat“ vor, fünf weitere Wassermühlen sanieren zu lassen, allerdings in Ortschaften, wo tatsächliches touristisches Potenzial besteht und sich die Kommunalverwaltungen dem Projekt offen gegenüber zeigen. Mögliche Ortschaften, in denen die Freiwilligen des Vereins eingreifen könnten, sind Șopotu Vechi, Șopotu Nou oder Topleț – eine Wassermühle aus Topleț kann im Astra-Dorfmuseum in Hermannstadt bewundert werden. Der Verein, der weiterhin auf Spenden angewiesen ist, ist seit Kurzem Mitglied der International Molinological Society, der wichtigsten Organisation auf dem Gebiet der Mühlenkunde, die mehr als 500 Mitglieder in über 30 Ländern zählt.

 

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