Alle Generationen an einem Tisch

20. Stafette-Jubiläum/ Exil-P.E.N.-Club in Temeswar

Horst Martin verleiht Robert Tari den Stefan-Jäger-Preis

Stafette-Leiterin Annemarie Podlipny-Hehn eröffnet das Symposium „Junge rumäniendeutsche Literatur“. Fotos: Zoltán Pázmány

Temeswar - Was geschah noch nach dem kurz nach der Wende in Deutschland postulierten Nachruf auf die rumäniendeutsche Literatur? Die Literatursaat ging erst recht auf, frisch und europaweit, bis sie 2009 mit dem Literaturnobelpreis für Herta Müller gar einen kaum erträumten Höhepunkt erlebte. Den wohl schwierigsten Part, muss man heute sagen, leisteten die Zurückgebliebenen oder Zurückgelassenen. Einen wichtigen Beitrag zum Fortbestehen und zur Wiederbelebung der rumäniendeutschen Literatur erbrachte der von Annemarie Podlipny-Hehn kurz nach der Wende gegründete deutsche Literaturkreis “Stafette”, als Fortsetzung einer fruchtbaren Banater deutschen Literaturtradition, des AMG-Literaturkreises.

Zum Anlass ihres 20.Jubiläums veranstaltete die Stafette nun in festlichem Rahmen gemeinsam mit dem DFDT und dem internationalen Exil-P.E.N.-Club, einer namhaften europäischen Autorenvereinigung, das Symposium “Junge rumäniendeutsche Literatur”. Mit von der Partie als Ehrengäste der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganţ, Klaus Christian Olasz, der deutsche Konsul in Temeswar, Unterstaatssekretärin Christine Cosmatu, DFDB-Vorsitzender Karl Singer, Elke Sabiel, Vorsitzende der Deutsch-Rumänischen Kulturgesellschaft Temeswar usw. Eingestimmt auf ein derartiges Fest wurden Teilnehmer und Publikum mit einem Musikprogramm des Lyrikers Horst Samson, der sich erstmals im Banat auch als Liedermacher und Sänger vorstellte.

Die Veranstaltungen im AMG-Haus sollten im nachhinein weit mehr als eine Abfolge von Vorträgen, Autorenlesungen und Diskussionen ergeben. Für das Literaturpublikum aber auch für die Autoren aus dem In- und Ausland selbst war es auch die schöne gar nicht mehr alltägliche Gelegenheit, alle Generationen der deutschen Literatur in Rumänien an einem Tisch zu haben und in Aktion zu erleben: Mit dabei waren mit Eginald Schlattner und Joachim Wittstock (Ingmar Brantsch aus Köln sandte eine schöne Festrede) namhafte Vertreter der älteren, sozusagen der Erlebnisgeneration, in der gleichen Runde kamen Autoren der mittleren Generation wie Annemarie Podlipny-Hehn, Walter Engel, Ilse Hehn, Horst Samson, Balthasar Waitz und nicht zuletzt die Jüngsten der Stafette-Nachwuchsautoren, darunter die ganz jungen Schreibenden Karina Körösi und Laura Purtätor zu Wort. Von hohem literarischem Niveau auch der Beitrag in dieser internationalen Literaturrunde, den die deutschen Gäste vom Exil-P.E.N.-Club, Wolfgang Schlott, Ilse Hehn und Horst Samson geleistet haben.

Ingmar Brantsch, ein Kenner und Förderer der jungen Generation, würdigte die zwei Jahrzehnte der Stafette, ein sich stets erneuerndes literarisches Forum mit Mitgliedern von 15 bis 85 Jahren, gar resolut mit dem Satz: “Das Jahr 2012 ist das Jahr der Stafette.”

Eine der Höhepunkte des dreitägigen Literaturfestes war zweifelsohne die von Prof. Dr. Wolfgang Schlott, Präsident des Internationalen Exil-P.E.N.-Clubs, moderierte literarische Lesung der Gäste: Texte von hohem Niveau, in einem thematischen Verfliessen von West und Ost, von den Autoren Wolfgang Schlott, Ilse Hehn , Eginald Schlattner, Horst Samson und Joachim Wittstock  kamen zu Gehör und führten zu regen Diskussionen. Abgerundet wurde das Bild einer lebendigen, grenzüberschreitenden deutschen Literatur mit einem Besuch der Teilnehmer bei einem Musterbeispiel, der DSTT-Inszenierung „Niederungen“ nach Herta Müller.

Zum Abschluss kamen die Stafette- Autoren zum Wort: Banatia-Geschäftsführer Horst Martin beehrte den jungen Autor und Journalisten Robert Tari mit dem Stefan-Jäger-Preis der gleichnamigen Stiftung. Nach der Laudatio von Dr. Eleonora Ringler-Pascu erfolgte eine Lesung des Autors.  An der Gruppenlesung der Stafette-Autoren (Moderation Lorette Brădiceanu-Persem) beteiligen sich Balthasar Waitz, Lucian Manuel Vărşăndan, Lorette und Henrike Brădiceanu-Persem, Bianca Barbu, Karina Körösi (wie gewohnt auch mit Musikeinlagen) und Laura Purtätor. Die beiden letztgenannten Autorinnen, die noch die Schulbank der Lenauschule drücken, sind mit Texten, Lyrik und Prosa, in den Stafette-Sammelbänden vertreten und bringen mit einem weiteren Dutzend junger Schreibenden aus der Lenauschule berechtigte Hoffnungen auf eine Fortsetzung der Banater deutschen Literatur mit.

In den folgenden Diskussionen der Teilnehmer an diesem Symposium wurden außer Lob auch positive Kritik laut, dazu auch wertvolle Anregungen für die Literaturwerkstatt. Anzuführen ist u.a. die Bemerkung eines Kenners und langjährigen Freunds dieser Szene, Prof. Peter Kottler: „Wichtig für die Zukunft der jungen Banater deutschen Literatur ist, dass die Stafette vor allem ihren Fördercharakter beibehält.“   Annemarie Podlipny-Hehn verlieh zudem den schon zur Tradition gewordenen  Liebeth-Rieping-Literaturpreis an Lorette Brădiceanu-Persem, Bianca Barbu und Laura Purtätor.

Mit einem  Kulturprogramm im Festsaal- Banater Lieder, Tänze und Gedichtvorträge, dargeboten von den Temeswarer deutschen Kulturgruppen- klangen die diesjähriggen Deutschen Kulturtage des DFDT im AMG-Haus aus.