2021: Konsum fällt, Wohlstand sinkt, Leben wird teurer

IRSOP-Umfrage zu „Psychologie, Wirtschaft und Leben der Rumänen im Jahr 2021“

Symbolbild: freeimages.com

Das unabhängige Meinungsforschungsinstitut IRSOP hat in der Zeitspanne von 18. bis 28. Januar 2021 eine telefonische Umfrage mit 810 repräsentativen Teilnehmenden zu den Erwartungen für das Jahr 2021 durchgeführt, die auf eine pessimistische Einstellung und auf eine Priorisierung der Ausgaben hindeutet – was jedoch die Urlaubsplanung und langfristige Großprojekte zu fördern scheint. 

Ausgaben

Über die Hälfte der Befragten schätzt, dieses Jahr höhere alltägliche Ausgaben zu haben als im Jahr 2020, für ein Drittel würden die Ausgaben gleich bleiben, und nur zehn Prozent erwarten eine Minderung der Ausgaben. Deswegen schätzen 41 Prozent der Befragten, dieses Jahr insgesamt mehr auszugeben (2020 waren es 31 Prozent), und nur 19 Prozent (verglichen zu 22 Prozent im Vorjahr) werden ihrer Meinung nach geringere Ausgaben haben. 

Ein klare Erhöhung der geschätzten außerordentlichen Ausgaben ist nur beim Wohnungsankauf (von drei Prozent im Jahr 2020 auf neun Prozent dieses Jahr), bei Unternehmensgründungen (ein vs. fünf Prozent) und bei inländischen Reisen (27 vs. 37 Prozent) zu vermerken, wobei sonstige Ausgaben teilweise stark sinken würden, etwa betreffend große Haushaltsgeräte (42 vs. 32 Prozent), Pkw (11 vs. 8 Prozent) und Kreditaufnahme (6 vs. 4 Prozent) – oder fast unverändert bleiben: etwa Auslandsreisen (17 vs. 19 Prozent) und Wohnungssanierung (32 vs. 33 Prozent). Diese Erkenntnisse widersprechen somit den Schätzungen mancher Wirtschaftsexperten, welche für dieses Jahr eine Ausgabenlawine durch die während der Pandemie ersparten Beträge vorausgesehen haben, bemerkt die IRSOP-Studie – ist jedoch teilweise im Einklang mit den kürzlich veröffentlichten Schätzungen der EU-Kommission, welche erst in der zweiten Jahreshälfte eine Konsumerhöhung sowie wichtige Investitionen im Baubereich vorausschauen. 

Weltweit wird ein ähnlicher Trend der Zurückhaltung von diskretionären Ausgaben bei gleichzeitiger Fokussierung auf essenzielle Ausgaben bemerkt: Die im September veröffentlichte McKinsey-Studie zum Konsumentenverhalten nennt es „Übergang zu wertvollen und essenziellen Ausgaben“ und deutet weltweit (mit wenigen Ausnahmen) auf eine langfristige Zurückhaltung von unnötigen Ausgaben in allen Bereichen hin. 

Die Erhöhung der Ausgaben für langfristige oder private Projekte entspricht ebenfalls internationalen Trends: Eine im Dezember veröffentlichte Studie von IPSOS, einem weltweit tätigen Marktforschungsunternehmen mit Hauptsitz in Paris, deutet darauf hin, dass 2020 von den meisten der weltweit Befragten als ein „schlechtes“ Jahr gesehen wird.

Einkommen

Nur 27 Prozent der Befragten erwarten eine Erhöhung ihres Einkommens, über die Hälfte meint, dieses Jahr wohl gleich viel zu verdienen wie im Vorjahr, was auf eine gewisse Einkommensstabilität deuten könnte, die sich auch in der Neigung zu verschiedenen Ausgaben zeigt. Im Vergleich dazu besagt eine im November von KPMG veröffentlichte Studie, eine der umsatzstärksten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften weltweit, dass 43 Prozent der weltweit Befragten um ihre finanzielle Sicherheit besorgt seien. 

Preisentwicklungen

Gleichzeitig gehen fast alle Teilnehmer der IRSOP-Studie von Preiserhöhungen im Jahr 2021 aus: 63 Prozent meinen, dass die Preise stark steigen werden, 30 Prozent rechnen mit einer milden Steigerung – was ganz im Einklang mit der Einstellung zum sinkenden Wohlstand ist (siehe weiter unten). 

Eine Erhöhung der Preise würde die Menschen entweder dazu bringen, im Voraus einzukaufen – was jedoch, gemäß IRSOP-Analyse, auf Grund des geringen Einkommens in Rumänien nicht der Fall sei –, oder eben zu Sparmaßnahmen.

Sparmaßnahmen

Ein Drittel der IRSOP-Studienteilnehmer sagten aus, im Vorjahr Geld beiseite gelegt zu haben, und fast die Hälfte habe sich vorgenommen, dieses Jahr zu sparen. Ähnliche Ergebnisse bietet auch die KPMG-Studie: 36 Prozent der weltweit Befragten würden im Jahr 2021 eher sparen als ausgeben.

Wohlstand 

Auf eine Erwartung der Besserung des Wohlstands deutet die IRSOP-Studie nicht hin: 69 Prozent der Befragten meinten, der Wohlstand würde sicherlich sinken, 21 Prozent erwarten höchstens stabile Lebensbedingungen – immerhin glauben noch zehn Prozent an bessere Bedingungen im Jahr 2021. Somit scheinen Rumänen etwas pessimistischer zu sein als sonstige Europäer: Die McKinsey-Ergebnisse zeigen, dass rund ein Drittel der Europäer eher pessimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung 2021 blickt, was eigentlich auch von der IPSOS unterstrichen wird: In Ungarn und den Niederlanden erwarten 45 Prozent der Bürger ein Wirtschaftswachstum, in den übrigen europäischen Ländern ist dieser Wert niedriger – weltweit dagegen teilen diese Einschätzung 54 Prozent.

Beide internationalen Studien deuten jedoch darauf hin, dass die Zahlen von der Entwicklung der Corona-Fälle in den jeweiligen Ländern abhängen und dementsprechend auch etwas zu relativieren seien.

Schlussfolgerungen für 2021 

Auf Grund dieser zurückhaltenden und teilweise pessimistischen Einstellung der Bevölkerung zur allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung Rumäniens im Jahr 2021 und der damit verbundenen Einkommensunsicherheit, der Sparmaßnahmen und Konsumscheue schätzt IRSOP, dass kein durch hohe Ausgaben bestehendes Inflationsrisiko besteht, andererseits jedoch die Wirtschaft im Allgemeinen geringere Absätze haben wird, was mögliche Preisänderungen zur Folge haben könnte und einem Wirtschaftswachstum nicht förderlich ist.

 

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