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Berlin – ein Blick von oben und unten

Der Kurfürstendamm feiert sein 125-jähriges Bestehen

Blick vom Berliner Dom.

Der berühmte Fernsehturm am Alexanderplatz.

Die evangelische Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche steht zwischen dem Kurfürstendamm, der Tauentzienstraße und der Budapester Straße.
Fotos: Ana Sălişte

Berlin – eine Stadt der Freiheit, die man auf unzählige Weisen besichtigen kann. Egal, wie man sie entdeckt – zu Fuß, von oben, durch Museen oder unterirdisch – die Stadt verführt ihre Besucher. Eine Tour durch die deutsche Hauptstadt:  Spazieren auf dem bekannten Kurfürstendamm, dem Teufelsberg, durch das unterirdische Berlin, aber auch durch „die Körperwelten“ Gunther von Hagens’.

Straßen werden selten zu Touristenattraktionen. Zu den Top-10-Sehenswürdigkeiten werden sie meist nicht gezählt. Da gibt es nur noch die Fifth-Avenue in New York,  Champs-Elysées in Paris und vielleicht die Via del Corso in Rom. Aber auch Deutschland kann da einigermaßen Schritt halten. Der Ku'damm in Berlin zählt zweifelsohne zu den Prachtstraßen der Welt. Er ist Mythos und Legende, Zeuge politischer Ereignisse,  Shoppingmeile, Arbeits- und Lebensraum  von Künstlern, Intellektuellen und Kreativen, kurz: einer der bekanntesten und beliebtesten Boulevards der Welt.

Der Ku'damm ist dreieinhalb Kilometer lang und war bereits zur Kaiserzeit und vor allem in den Goldenen Zwanzigern Berlins erste Flanier- und Amüsiermeile. In diesem Sommer feiern die Berliner sein 125-jähriges Bestehen.

Und da gibt es auch für Touristen einiges zu sehen. Noch bis Ende Oktober begleiten zahlreiche Events das Jubiläum. Eine kostenlose Open-Air-Ausstellung informiert die Besucher über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Ku'damms.

Der Fokus liegt dabei vor allem auf den großen Bauprojekten sowie der Um- und Neugestaltung der „Ku'damm-Plätze“: die Sanierung der Gedächtniskirche, der Neubau des  Zoofensters, welches das zukünftige Luxushotel „The Waldorf Astoria“ beherbergen wird, der spektakuläre Umbau des traditionsreichen Bikini-Hauses, die Renovierung des Zoo-Palastes usw. Geplant sind auch Rundgänge zu den unterschiedlichsten Themen wie Architektur, Literatur, Kunst, Theater oder Geschichte. Treffpunkt der Führungen ist die goldene Infotreppe.

Die „Berge“ Berlins

Vom schönen Ku'damm kann der Besucher mal einen anderen Blick auf Berlin werfen: Von oben. Einen schönen Ausblick kann man vom Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz oder vom Funkturm beim Messegelände genießen. Doch nicht weniger schön ist der Rundblick vom Berliner Dom.

Es lohnt sich auch ein Sparziergang auf den Kreuzberg, der dem Stadtviertel seinen Namen gab, durch den Viktoria-Park. An einem Wasserfall vorbei, erklimmt man den Hügel inmitten der Stadt und wird mit einem großartigen Ausblick über Berlin belohnt. Wer noch einen Kaffee über den Dächern Berlins oder ein günstiges Mittagessen genießen will, dem sei das T-Haus am Ernst-Reuter-Platz empfohlen.

Im zwanzigsten Stock bietet die Studenten-Cafeteria einen schönen Ausblick – ein echter Geheimtipp. Auch der Teufelsberg im Westen der Stadt – mit fast 120 Metern der höchste „Berg“ Berlins -  bietet einen wunderbaren Panoramablick. Da kann man den Sonnenuntergang genießen.

Im Kalten Krieg befand sich hier eine Radaranlage, mit der die NASA den Funkverkehr der DDR abhörte. Mit dem Auto kann man direkt zum Berg fahren. Aber egal, wohin man schaut, nicht vergessen das „Kreuz“ auf dem Fernsehturm: Wenn die Sonne die Kugel der Blechprismen aus rostfreiem Stahl anstrahlt, erscheint hier eine Reflexion in Form eines „Kreuzes“.

In Anspielung auf die atheistische Grundeinstellung der kommunistischen Regierung und auf die Diskriminierung kirchlicher Einrichtungen zu DDR-Zeiten bezeichneten die Berliner mit ihrem spezifischen Humor dieses Lichtkreuz als „Rache des Papstes“. Mehr zum Thema DDR und Staatssicherheit können die Besucher – außer aus dem bekannten DDR-Museum in unmittelbarer Nähe des Doms – mitten im Berliner Stadtteil Hohenschönhausen erfahren.

Hier liegt die ehemalige Inhaftierungsanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit MfS (Genslerstr. 66). Fast alle bekannten DDR-Oppositionellen saßen hier ein. Heute ist das Gefängnis eine Gedenkstätte. Der Eintritt kostet drei Euro, ermäßigt 1,5 Euro.

Eine Herzenssache

Für Museumsfreunde steht eine weitere Ausstellung bis Ende August bereit: Es handelt sich um die umstrittene Schau Gunter von Hagens, „Körperwelten. Eine Herzenssache“. Echte menschliche Präparate sind zu sehen, darunter mehrere Ganzkörperplastinate sowie einzelne Organe und transparente Körperscheiben.

Die ausgestellten Präparate wurden durch Plastination konserviert, dem Konservierungsprozess, den der Anatom Von Hagens 1977 an der Universität Heidelberg erfand. Seit Start der Ausstellung 1995 in Japan,  haben bis heute über 32 Millionen Besucher in allen Ecken der Welt die Schau gesehen.

Ziel der Ausstellung ist die gesundheitliche Aufklärung, heißt es. Anhand von Präparaten wird den Besuchern ermöglicht, den menschlichen Körper und seine Funktionen besser zu verstehen. Schwerpunkt der Sonderausstellung „Körperwelten – Eine Herzenssache“ ist das Herz mit seinem verzweigten Gefäßsystem – der Motor des Lebens. „Bei meiner Arbeit als Anatom habe ich noch nie zwei identische Herzen gesehen.

Das menschliche Herz ist so individuell wie der einzelne Mensch“, sagt Gunther von Hagens. Das Herz ist durch die Dauerbelastung auch Funktionsstörungen und Verschleißerscheinungen ausgesetzt. Krankheiten des Blut-Kreislaufsystems sind heute die häufigste Todesursache. Die Ausstellung beleuchtet jedoch auch andere Facetten dieses lebenswichtigen Organs. In Religion, Kunst, Literatur und Popkultur gilt das Herz als Symbol für Liebe, Mitgefühl, Glück und Mut. Die Schau ist bis zum 14. August 2011 im Postbahnhof zu sehen.

Unterirdische Trips

Vor dem Brandenburger Tor oder am Potsdamer Platz spielt sich das Leben der Berliner und ihrer Besucher ab. Aber auch unter den Straßen der deutschen Hauptstadt kann man spannende Geschichten entdecken. Unter dem Asphalt der quicklebendigen Stadt pulsiert das Leben. Wie das genau geschieht, das können sich die Touristen auch anschauen: Es werden zahlreiche spannende Rundgänge durch Bunker des Zweiten Weltkrieges und des Kalten Krieges, aber auch eine Cabrio-Fahrt durch die Unter- und Hintergründe der Berliner Nahverkehrsgesellschaft BVG organisiert.

Der Verein Berliner Unterwelten e.V. bietet mehrere Führungen an, unter anderem „Die Atomschutzbunker-Tour“ oder „Auf den Spuren der U-Bahnlinie D“. Diese führt zu Geisterbahnhöfen und vergessenen Tunnels entlang der heutigen U8. Ein weiterer Tipp ist zwar nicht in der City aber umso brisanter: Der Honecker-Bunker bei Penden (nördlich von Berlin).

Dieser bietet unterirdische Einblicke in die Zeiten des Kalten Krieges. Der Bau liegt 24 Meter unter der Erdoberfläche und hat 176 Räume. Dieser Bunker galt als das aufwendigste Bauwerk des gesamten früheren Ostblocks.

Auch was Übernachtungsmöglichkeiten angeht, bietet die Stadt originelle Unterkünfte: Mitten in Berlin gibt es ab diesem Sommer die Möglichkeit, in Retro-Wohnwagen zu campen. Das  sogenannte „Hüttendorf“ soll dadurch Campingidylle und Sommergefühl kombinieren. Es geht um eine  ehemalige Produktionshalle einer kleinen Fabrik im Berliner Bezierk Neukölln, die zu einem „Hüttendorf“ umgestaltet wurde. Auf 200 Quadratmetern entstand hier ein Indoor-Garten, in dem man in alten Wohnwagen und Holzhütten schlafen kann. Eine Übernachtung kostet ab 30 Euro pro Person.

Das Lichtkreuz auf dem Berliner Fernsehturm galt als „Rache des Papstes“.

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