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Vielseitiges Freizeitangebot am Fuße des Königsteins und des Fogarascher Massivs

Auf der Nationalstraße DN73A zum Bärenreservat, ins Naturschutzgebiet, zum Sâmbăta-Kloster und -Gestüt

Ein sorgloses Leben führen die Bären im Reservat von Zernescht.

Das orthodoxe Kloster von Sâmbăta de Sus lockt besonders am 15. August, an Maria Himmelfahrt, tausende Pilger an. Fotos: der Verfasser

In letzter Zeit ist viel vom schlechten Zustand der Nationalstraße DN 73 , die von Kronstadt/Brașov über Rosenau/Râșnov nach Törzburg/Bran und Pitești führt, in den Medien zu lesen oder hören gewesen. Doch eine Ausweichmöglichkeit gibt es, von dieser abzweigend: Gleich nach Rosenau, wo man die mittelalterliche Bauernburg, die Höhle oder den Dinosaurier-Park besuchen kann, fährt man in Richtung Zernescht/Zărnești auf der DN73A ab. Erstes Ziel ist ein Besuch im „Libearty“ Bärenreservat, das 27 Kilometer weit von Kronstadt liegt.

Besuch bei den geretteten Braunbären

Kein unbekanntes Projekt mehr ist das 2005 gegründete Reservat für Braunbären, die aus verschiedenen schrecklichen Verhältnissen her gebracht werden konnten und nun ein geschütztes Dasein im Freien verbringen. Die Initiative ging von Christina Lapis aus, Vorsitzende des Vereins „Millionen Freunde“, die mit Hilfe des Tierschutz-Weltbundes (WSPA) diese Oase gründen konnte. Unterstützung dafür erhielt sie vom Bürgermeisteramt der Stadt Zernescht und dem in der Zwischenzeit verstorbenen Bürgermeister. Zur Verfügung gestellt wurde eine Fläche von 69 Hektar. Der Vertrag erlaubt eine unentgeltliche Nutzung für 49 Jahre. Um ins Reservat zu gelangen, biegt man von der genannten Nationalstraße von Rosenau kommend kurz nach der Bahnschranke rechts ab, fährt auf einer Holzbrücke über den Burzen-/Bârsa-Bach, und nach 2,5 Kilometer Fahrt auf einer holprigen Schotterstraße gelangt man am Eingang zum Reservat an.

In dem dort befindlichen Souvenirladen erhält man auch Prospekte mit Informationen, falls man sich diese nicht vorher im Internet beschafft hat. Dort werden auch die Besuchergruppen zu je 50 Personen gebildet – für rumänische oder englische Sprache. Deren Führer machen einen im Verwaltungsgebäude mit der Geschichte des Reservats, den Verhaltensregeln für Besucher und der Geschichte einzelner im Reservat lebender Bären vertraut. Man kann auch einen Bären adoptieren, der natürlich weiterhin seine Existenz dort verbringen wird, für den man aber für die erforderlichen Kosten für die Nahrung aufkommt. Jeder Bär trägt einen Namen, die Reiseführer wissen über Schicksal und Besonderheiten aller Tiere Bescheid und können Details bieten. Heute umfasst das Reservat über hundert gerettete Tiere. Manche von ihnen hatten ein trauriges Los, bis sie ins Reservat kamen. Beispielgebend ist die Bärin Maya, die besondere Qualen in einem privaten Zwinger erleiden musste, bis sie hergebracht werden konnte. Leider ist diese dann nach einigen Jahren verstorben, heute erinnert ein Denkmal an sie.

Das Besuchsprogramm verläuft je nach Jahreszeit. In der Sommerzeit ab dem 15. Juni bilden sich die Besuchergruppen um 9, 9.30, 10, 10.30 und 11 Uhr, außer Montag. Es ist eine besondere Freude, die einzelnen Bären, die dort im Freien leben – das Reservat ist von einem Elektrozaun umgeben - beim Tollen, in den Teichen, auf Bäumen, bei ihrem spielerischen Verhalten oder beim Fressen von Wassermelonen zu bewundern. Die Eintrittspreise betragen abhängig von der Jahreszeit 50 bis 60 Lei für Erwachsene, 20 bis 30 Lei für Kinder. Die monatlichen Gesamtkosten für das Reservat betragen rund 40.000 Euro. Zu den Förderern des Reservats gehört Brigitte Bardot, ein Förderer war auch der 2015 verstorbene Pierre Brice.

Bevor wir das Reservat verlassen, genießen wir noch vom davor liegenden Plateau die Aussicht auf das Burzenland und die umgebenden Gebirgszüge, den Königstein/Piatra Craiului, zu dem wir noch einen Abstecher vornehmen, das Bucegi-Massiv und den Schuler/Postăvarul. Weitere Informationen und Voranmeldungen über das Bärenreservat können über die Rufnummern 0268 471 202 oder Handy 0722 533 895 eingeholt werden.

Eines der schönsten Bergmassive

Zurück auf der Nationalstraße DN73A, auf der wir unsere Fahrt entlang des Fogarascher Bergmassivs mit dem Wagen fortsetzen, fahren wir in der Stadt Zernescht ein, in Richtung der Plaiul-Foii-Hütte, die westlich des Großen Königstein liegt. Gleich bei der Ausfahrt aus der Stadt auf der rechten Seite gelangt man zum Besucherzentrum und Sitz der Verwaltung des Naturparks Königstein/Piatra Craiului. Dort erfährt man, dass der Nationalpark eine Fläche von 14.000 Hektar umfasst und sich über die Kreise Kronstadt und Argeș erstreckt. Von den meisten Bergsteigern und Wanderern wird der Königstein als schönstes Bergmassiv der Karpaten bezeichnet. Ausgangspunkte zum Aufsteigen sind die Ortschaften Zernescht, Măgura, Peștera, Șirnea, Ciocanu, Plaiul Foii. Außer der Schönheit dieses Massivs ist der reiche Wildbestand an Braunbären, Rothirsch, Gämsen, Wölfen, Wildschweinen, Luchsen, aber auch Auerhähnen zu verzeichnen. Die äusserst vielseitige Flora, die Peter Sigerus im 17. Jahrhundert schon beschrieb, von der erstmalig 1851 Heinrich Wilhelm Schott die Königsteinnelke hervorhob, führten dazu, das der Königstein 1938 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Heute wird eine Eintrittsgebühr in den Naturparkverlangt, die fünf Lei für sieben Tage beträgt und im Besucherzentrum, auf dem Postamt von Zernescht oder der Plaiul-Foii-Hütte beglichen werden kann. Kinder und lokale Bewohner zahlen nichts.

Aus Zernescht zurückfahrend bis zur DN73A gelangt man in die malerische Ortschaft Poiana Mărului, die im Mittelalter dem Fürsten Constantin Brâncoveanu gehörte. Die rund 3300 Gemeindebewohner befassten sich meist mit Tierzucht, die Weiden bieten sich bestens für Schafhaltung an. Das führte dazu, dass sich dort einer der bekanntesten privaten Fleischverarbeitungsbetriebe entwickelte, „Sergiana“. Zahlreiche Pensionen laden ein, erholsame Tage dort zu verbringen. Die orthodoxe Kirche, gebaut 1770 bis 1777, ist sehenswert. In den nächsten an der Straße liegenden Gemeinden und Dörfern sind besonders in Șinca die Steinhöhlen interessant, die einst als Klausen dienten und heute zu dem dort befindlichen Kloster gehören. Die Anlage ist auch unter dem Namen „Templul ursitelor“ (Vorherbestimmungstempel) bekannt. Aus Șinca stammt der Gelehrte Gheorghe Șincai (1754– 1816), der als Begründer des Unterrichtes in rumänischer Sprache in Siebenbürgen betrachtet wird. Eine Büste erinnert an ihn in seinem Geburtsort. Übrigens gab es in dem dazugehörenden Weiler Ohaba ab 1772 eine Gymnasialschule in deutscher Sprache.

Kloster und Gestüt von Sâmbăta

Fährt man auf dieser sich am Fuße des Fogarascher Massivs dahinschlängelnden Straße, sollte man die Morgen- oder Abendstunden meiden, da dies die Zeiten sind, wo die Viehherden aus- oder eingetrieben werden. Gerät man dabei in eine solche und wird von den schwarzen Wasserbüffeln umringt, hat man schon ein unangenehmes Gefühl, da man nie weiß, ob diese nicht plötzlich etwas aggressiv werden, besonders wenn man einen roten Wagen fährt. Eine zu stark gesättigte Kuh, die die Kontrolle über ihren Umfang verloren hatte, beschädigte mir den Seitenspiegel mit ihrem vollgefressenen Bauch. Gelegentlich gerät man auch in unverhorgesehene Situationen. In der Dämmerung trottete vor mir ein Bär über die Straße, ohne sich am Scheinwerferlicht zu stören. Rehe und Hirsche sind oft beim Überqueren der Straße anzutreffen.

Aus der Ruhe der Landschaften entlang der Straße gelangt man in den Trubel um das orthodoxe Kloster von Sâmbăta de Sus. Im malerischen Umfeld, von wo aus man durch das Sâmbăta-Tal zur gleichnamigen Hütte und dem Kamm des Massivs aufsteigen kann, liegt das 1697 vom rumänischen Fürsten Constantin Brâncoveanu gestiftete Kloster. Nach dem Niedergang – 1785 wurde es von den Habsburgern aufgelöst und verfiel – konnte die Kirche am 15. August 1946 neu eingeweiht werden. In dieser ist auf der Wand auch in den kommunistischen Jahren das Fresko von König Michael I. in natürlicher Größe erhalten geblieben. 1993 wurde das Kloster mit seinen zahlreichen Anlagen - einer neuen Kirche, der Orthodoxen Akademie, einer reichen Bibliothek - eingeweiht. Zwei Teiche, Unterkunftsräume sowie der Mythos des Theologen und ehemaligen Abtes Arsenie Boca, der dort von 1940 bis 1949 gewirkt hat, locken zahlreiche Besucher an. Im Umfeld ist eine ganze Anzahl von Pensionen und Hotels gebaut worden.

Nach dem Aufenthalt lohnt es sich, das Gestüt von Sâmbăta de Jos, gelegen an der Nationalstraße DN1, zu besuchen. Gegründet 1874 von Baron Samuel von Brukenthal neben der dort errichteten Sommerresidenz ist es besonders bekannt wegen der Lipizzaner, die dort gezüchtet werden. Besucht werden kann das Gestüt von Montag bis Freitag zwischen 9 und 16.30 Uhr, im Winter bis 18 Uhr. Reiten, Reitkurse, Fahrten mit der Kutsche und Reitvorführungen stehen im Angebot. Der Eintritt beträgt 10 Lei pro Person, eine Reitstunde kostet 100 Lei. Per Telefon 0268 517 686 oder E-Mail hsambata@brasov.rosilva.ro können Informationen eingeholt und Buchungen vorgenommen werden. Nachträglich bleibt es einem zur freien Entscheidung, die Fahrt in Richtung Hermannstadt/Sibiu oder Kronstadt auf der DN1 fortzusetzen, weitere Kirchenburgen zu besichtigen oder bei Cârțișoara auf die Transfogarascher Gebirgsstraße, die eben wieder für den Verkehr freigegeben wurde, abzubiegen und zum Bulea-See zu fahren.

 

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Kommentare zu diesem Artikel

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Bemerkungen :

  • user
    dan 17.06.2019 Beim 12:51
    Bis in die 1990er konnte in Sambata das Doppelporträt als Heilige der Ceaucescus bewundert werden... jetzt ist eben Mihai 1 an der Reihe... 1946 haben die Orthodoxen angefangen, ihre katholischen Rumänen in Siebenbürgen und Banat umzubringen, ihre Kirchen und Klöster zu enteignen.
    Davon schreibt Herr Drotleff natürlich nichts... er ist es gewohnt, den Kopf zu beugen.
    Weh den Saxen!
  • user
    dan 17.06.2019 Beim 12:47
    Außer dem Königstein ist der Rest der hier genannten touristischen "Attraktionen" nicht mehr als für den dummen Massentouristen.
    Wer geht schon freiwillig in ein Kloster,
    - insbesondere im Sommer- wo die dummen Gläubigen dort Schlange stehen, um irgendeinem schlauen Popen die Hand oder eine Ikone zu küssen?
    Und was den Parcul National Piatra Craiului betrifft: die Ranger sind wohl da, aber Richtung Süden wird und wurde der geschützte Wald schon kräftig abgeholzt.
    Alles, was irgendwie verkaufbar ist, wird gestohlen- und bald wird auch um den Königstein anstatt Wald nur noch leere Wüste dastehen.
    Echte Attraktionen sind im Artikel nicht genannt.
    Schlecht gemacht, wohl von einem Rentner oder Bukarest, der nie dort war in den letzten Jahren.