Polnisches Finanzkonsortium könnte Ferdinandsberg übernehmen

Marek Frydrych will sein Finanzimperium durch die Übernahme der insolventen Mechel-Gruppe ausbauen

Ferdinandsberg - Zum sechsten oder siebenten Mal in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten wird im Bistratal Hoffnung auf eine Wiederaufnahme der Stahlerzeugung geweckt. Wie jedes Mal heißt es: „Die kommenden Tage dürften entscheidend sein für das Schicksal des Hüttenwerks Oțelu Roșu!“ Diesmal hat sich ein polnisches Finanzkonsortium um den Unternehmer Marek Frydrych im Rahmen seines allgemeinen Inte-resses an der Übernahme der ehemals russischen Gruppe Mechel auch an Ferdinandsberg interessiert gezeigt.

Die polnische Gruppe Sunningwell International Polska hat seit geraumer Zeit (aufgrund ihres Interesses am Stahlwerk für Sonderstähle COS Târgoviște) Übernahmeverhandlungen mit der Mechel-Gruppe gestartet, wobei sich ihre Geschäftsführung mit Marek Frydrych persönlich impliziert. Im September 2019 hatte Sunningwell International Polska das insolvente Huta Cestochowa übernommen und wieder angefahren. Seit Oktober laufen Übernahmeverhandlungen mit der Mechel-Gruppe für das Drahtziehwerk Industria Sârmei Câmpia Turzii, COS Târgoviște, das Walzwerk Laminorul Brăila und die Stahlwerke der Ductil Steel aus Ferdinandsberg und Buzău. Dazu hat Sunningwell International Polska die Laminorul Danube Metal-lurgical Enterprise gegründet, die zu 90 Prozent unter der Kontrolle polnischen Kapitals steht.
Vor zwei Monaten waren Gutachter in Ferdinandsberg aufgetaucht, die von Laminorul Danube Metallurgical Enterprise bezahlt waren. Den kargen Mitteilungen nach war es ihre Aufgabe, den genauen Wert der Aktiva von Ductil Steel Ferdinandsberg zu ermitteln sowie zu eruieren, wie teuer eine Betriebsaufnahme die Polen kommen könnte. Constantin Lazăr, der Chef der Instandhaltung des Stahl- und Walzwerks Ferdinandsberg, zeigt sich vorsichtig: „Ich hüte mich, einmal mehr zu behaupten, dass hier alles in Butter ist und dass wir morgen die Produktion starten. Was ich sicher weiß: die Übernahmeverhandlungen laufen. Doch solange kein Vertrag unterzeichnet ist, muss man zurückhaltend sein. Mein Eindurck: Die Polen sind ernsthaft an einer Übernahme interessiert.“

Marek Frydrych hat Sunningwell International Polska 2003 gegründet. Er kam mit Erfahrung aus dem Eisen- und Stahlhandel zwischen Europa und Asien ins Geschäft. Inzwischen hat Sunningwell mehrere Hütten-, Stahl- und Walzwerke wieder anfahren lassen, vor allem in Polen. Im September 2019 hat Sunningwell International Polska sich bei einer Ausschreibung bereits für 86 Millionen Lei das Stahlerzeugungsensemble von Ferdinandsberg der insolventen Ductil Steel Buzău gesichert. Allerdings muss Laminorul Danube Metallurgical Enterprise auch die Schulden von Ductil Steel Ferdinandsberg und Buzău gegenüber dem Staatshaushalt übernehmen. Diesen Teil der Verpflichtungen hat Laminorul Danube Metallurgical Enterprise noch nicht unterzeichnet, so dass die Verhandlungen eigentlich ins Stocken geraten sind. Offiziell heißt es, „die Übernahme von Ductil Steel Ferdinandsberg ist aufgeschoben worden”.

Mit rund 6000 Arbeitnehmern war das Stahl- und Walzwerk Ferdinandsberg der größte Arbeitgeber zwischen dem Temeschtal und dem Eisernen Tor Siebenbürgens. In sukzessiven Privatisierungen teils dubioser Art ist das modernste Stahlwerk Westrumäniens (mit Riesenproblemen im Bereich der Luftverschmutzung) an die Wand gefahren worden, wobei die dubioseste Episode jene der Privatisierung durch die italienischen Brüder Gavazzi war (ADZ berichtete).
 

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